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Medienkolumne "Abspann":Hex, hex

Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint in "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes", Teil zwei.

(Foto: imago stock&people)

Harry Potter soll es nun auch als Serie geben. Dass es schwierig wird, den Stoff ewig zu melken, ohne gleichzeitig den Zauber zu verlieren: geschenkt.

Von David Steinitz

Die schlimmsten Hardcore-Fans von "Harry Potter" leben in Japan. Das berichtete vor einigen Jahren Daniel Radcliffe bei einem lustigen Treffen in der Schneekugelstadt Zürich, die man durchaus als Schweizer Hogwarts bezeichnen kann. Und Radcliffe, heute 31, muss es ja wissen. Er war acht Filme lang Harry Potter. "Als ich zwölf war, sind wir nach Tokio geflogen, eine Promo-Tour für den neuen Film. Die Japaner sind richtig fanatisch, was das angeht. Am Flughafen standen fünftausend Fans und schrien und warteten - auf mich. Das war komplett irre, der totale Wahnsinn, fünftausend Japaner, die ein zwölfjähriges Kind aus England feiern."

Dass das Ende seiner Karriere als Zauberlehrling nicht das Ende der Reihe bedeuten würde, deutete Radcliffe ebenfalls an: Es sind ja doch nicht ausschließlich die Japaner, die nach Potter gieren, sondern mehr oder weniger die ganze Welt. Weshalb die Meldung, dass es nun eine Harry-Potter-Serie geben soll, mäßig überraschend ist.

Wie unter anderem das Branchenblatt Variety berichtet, bereitet HBO Max eine entsprechende Serie vor und verhandelt derzeit mit potenziellen Autorinnen und Autoren. Der Streamingdienst gehört zum Hollywoodstudio Warner Brothers, das die Filmrechte an der Reihe besitzt. Bei Warner bestätigt man das Projekt zwar nicht offiziell, weil man in Hollywood eigentlich nie irgendetwas offiziell bestätigt; aber letztlich bleibt den Verantwortlichen gar nichts anderes übrig, als es umzusetzen.

In den USA herrscht Streaming-Krieg, Netflix und Disney Plus buhlen um Filmemacher, Marken und Kunden weltweit und schlachten alles aus, was an Rechten so in den Archiven liegt. Da kann man bei Warner nicht zimperlich sein, wenn man ebenfalls ein Stück vom Kuchen haben möchte.

Dass es vielleicht schwierig wird, die Welt der Romane von Schriftstellerin J.K. Rowling ewig zu melken, ohne gleichzeitig den Zauber zu verlieren, deutete sich im Kino zwar schon an. Da hat Warner mit der "Fantastic Beasts"-Reihe bereits einen Ableger gestartet, der einen Film lang gut funktionierte, bei Teil zwei aber schon an Magie und Zuschauern einbüßte. Weil aber die erste Filmreihe mit Daniel Radcliffe insgesamt fast acht Milliarden Dollar einspielte, Plastikzauberstäbe und anderes Merchandising nicht mitgerechnet, dürfte es in den nächsten Jahren nicht nur bei einer einzigen Potter-Serie bleiben. Hex, hex.

© SZ/ebri
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