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Brief von Ex-Royals:Schlechtes Timing für den Abgang

"Shut up, seriously", solche und andere Worte mussten sich der Herzog und die Herzogin von Sussex in den vergangenen Tagen anhören. Ihr Abschied vom Königshaus fällt mitten in die Corona-Krise.

(Foto: AFP)

Harry und Meghan werden für ihr Auftreten während der Corona-Krise kritisiert, nicht nur von Boulevardmedien. Diesen will das ehemalige "Royal Couple" in Zukunft die Interviews versagen.

Von Cathrin Kahlweit, London

Piers Morgan ist wütend, und wenn Morgan wütend ist, hält er damit nicht hinter dem Berg. Der umstrittene Moderator von Good Morning Britain und erzkonservative Trump-Freund nannte Prinz Harry am Montag einen "verwöhnten, kleinen Herzog in seiner Malibu-Villa" und richtete ihm und seiner Frau Meghan aus, sie sollten mal eine Weile die Klappe halten. "Shut up, seriously". Per Twitter meckerte er: Ob das Paar etwa glaube, irgendjemand interessiere sich für ihre verletzten kleinen Egos, während Menschen rund um die Welt sterben? "Was für abstoßende, verwirrte Narzissten." Aber auch Andrew Neil von der BBC war kaum freundlicher: Während die Welt gegen Covid-19 kämpfe, redeten die Sussexes über ihre Medien-Deals. Sie sollten sich mal eine Weile in Luft auslösen, ätzt der Moderator.

Reaktionen wie diese dürften Harry und Meghan, die sich Schritt um Schritt von ihrer Rolle als Royal Couple entfernen und Ende März ihren Dienst im Auftrag der Queen endgültig quittiert haben, nur in dem bestätigen, was sie am Sonntagabend angekündigt hatten: Das Paar ließ über einen Rechtsanwalt in einem Brief verbreiten, man werde von nun an keine Kontakte mehr mit vier großen, britischen Boulevardmedien pflegen, keine Anfragen beantworten, keine Interviews mehr geben. Der Vorstoß richtet sich konkret gegen die Sun, den Daily Mirror, die Daily Mail und den Express.

"Was für abstoßende, verwirrte Narzissten", ätzte der Moderator Piers Morgan

Der Brief ist an Deutlichkeit nicht zu überbieten und gilt als "beispiellos direkte Attacke auf einen Teil der britischen Medien, der wenig Raum für Versöhnung lässt", wie der Guardian schreibt. Prinz Harry und Meghan Markle teilen darin mit, sie würden künftig "zero engagement", null Kontakt mit den angeschriebenen Zeitungen pflegen. Sie wollten nicht länger als Währung in einer Ökonomie fungieren, in der es nur auf Clicks und Erregung ankomme - und beschuldigten die Boulevardmedien, "irrige, falsche oder übergriffige Artikel" zu verbreiten. Die beiden betonen, sie glaubten sehr wohl an den Wert der Pressefreiheit. Für eine Demokratie sei es lebenswichtig, wenn die Presse dunkle Stellen ausleuchte, Geschichten erzählen würde, die sonst unerzählt blieben, und die Mächtigen herausfordere. Die kritisierten Medien aber entzögen sich jeglicher Kontrolle und hätten schon viele Leben zerstört. Medien sollten und müssten durchaus auch kritisch oder negativ über sie, Meghan und Harry, schreiben dürfen. "Aber die Artikel dürfen nicht auf Lügen basieren."

Das Paar will sich künftig von der US-Firma Sunshine Sachs vertreten lassen, die sich mit "Krisenkommunikation für Prominente" einen Namen gemacht hat und im Königreich nur einen Repräsentanten hat. Erklärt wird das damit, dass sie auf diese Weise mehr Kontrolle über die von ihnen veröffentlichten Bilder erhalten, direkt über Social Media mit der Öffentlichkeit kommunizieren und Kontakte zu ausgewählten Medien pflegen könnten.

Im Vorfeld hatte das Paar wohl versucht, Markles Vater von Interviews abzubringen

Das Timing der Auseinandersetzung mitten in der Corona-Krise ist vielleicht nicht glücklich gewählt, allerdings soll schon am kommenden Freitag der Prozess beginnen, in dem Meghan sich vor Gericht mit der Mail on Sunday auseinandersetzt. Diese hatte einen persönlichen Brief, den sie an ihren Vater gerichtet hatte, ohne ihre Erlaubnis abgedruckt. Markle bezeichnet dies als einen Bruch von Datenschutz und Copyright und hat die Mail auf Schadenersatz verklagt. Sollte sie das Verfahren gewinnen, will sie die Summe einer Hilfsorganisation spenden.

Dem Vernehmen nach wollte ihr Vater, mit dem sie keinen Kontakt mehr haben soll, in dem Prozess als Zeuge der Verteidigung auftreten. Angesichts globaler Reisebeschränkungen wird die erste Sitzung des Gerichts allerdings per Video-Konferenz stattfinden. Die Mail hatte sich damit verteidigt, dass Markle, wie die Royals auch, von den Veröffentlichungen über ihre Person lebe und nicht habe erwarten können, dass der Brief privat bleibe.

Am Montag, im Vorfeld des Verfahrens, waren Gerichtsakten publik geworden, in denen Versuche des Paares dokumentiert sind, Markles Vater Thomas von Zeitungs-Interviews abzubringen. Kurz vor der Hochzeit 2018 hatte sich der Bräutigam in mehreren Mails an seinen künftigen Schwiegervater gewandt; mit Medien zu reden, so Harry, mache die Lage nur schlimmer. Markle antwortete darauf nicht, ebenso wenig wie auf Botschaften seiner Tochter, die um seine Gesundheit besorgt war. Laut Gerichtsunterlagen hatte Meghan einen letzten Anruf von ihrem Vater am Morgen der Hochzeit, von dem sie aber nichts wusste, weil er ihr komplett entging - danach nie wieder. Die Duchess of Sussex hat angegeben, der Herausgeber der Mail on Sunday habe nach Einreichung ihrer Klage wegen des veröffentlichten Briefes versucht, sie zu "bedrohen und einzuschüchtern", wie der Guardian berichtet.

Prinz Harry wiederum hat die Sun, den Mirror und die mittlerweile nicht mehr existierende News of the World verklagt. Der Vorwurf: Die Medien, allen voran News of the World in den frühen Nullerjahren, hätten durch das Hacken von Telefonen und das illegale Abhören von Voicemails großen Schaden angerichtet; zu den Opfern gehörten auch zahlreiche Royals. Diese Praxis, die mit Geld- und Haftstrafen endete, soll aber unbestätigten Berichten zufolge bis heute weiter fortgeführt werden, wenngleich in geringerem Umfang.

© SZ vom 21.04.2020/tmh

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