bedeckt München
vgwortpixel

Harald Schmidt und die ARD:Aber nüchtern

Jetzt, da Günther Jauch zur ARD wechselt und ein paar Sendezeiten verschoben werden, stellt die ARD ihre Schmidtchen-Frage. Warum eigentlich?

Die bisher letzte Sendung Harald Schmidt mit Harald Schmidt lief am 6.Mai im Ersten. Inzwischen ist WM, Sommerpause, und nebenbei hat die ARD noch Günther Jauch verpflichtet. Jauch ist sehr populär in Deutschland, so sehr, dass immer wieder verbreitet wird, Jauch würde Bundespräsident, stellte er sich nur zur Wahl.

Leute-News: Harald Schmidt

Eine neue Sendezeit für die Tagesthemen, eine neue Talkshow-Schiene: Harald Schmidt könnte im kommenden Jahr um 0.15 Uhr senden müssen - ihm wäre das vermutlich wurst.

(Foto: ddp)

Nun muss - aber nicht wegen des Kandidaten Jauch, was gerne so thematisiert wird - ebenfalls bekanntes ARD-Personal beruflich umplanen. Die Tagesthemen sollen wieder einheitlich beginnen. Das Sendeschema wird verändert, eine neue Talkshowschiene eingezogen, ohne Rücksicht auf alte Gewohnheiten und Erfolge. Anne Will, die sonntags tatsächlich direkt von Günther Jauch verdrängt wird, und Frank Plasberg müssen weichen - auf neue Sendeplätze oder Sendetage. Auch Harald Schmidt ist wohl betroffen, dessen Late Night Show künftig ganz spät kommen könnte, später als bisher 23Uhr, beispielsweise um 0.15 Uhr.

Schmidt, der in seiner ARD-Freizeit gerade Theater (Stuttgart) spielt, und seinem Geschäftspartner Fred Kogel wäre das vermutlich wurscht. Eine der festen TV-Regeln besagt: Je später der Abend, desto besser die Marktanteile. Die Frage, die angeblich in der ARD kursiert, ist nun allerdings die: Hat Schmidt, dessen Vertrag bis Juni 2011 reicht, noch Lust und Laune? Eine interessante Frage. Der ARD-Vorsitzende Peter Boudgoust sagte jetzt im Spiegel: "Natürlich reden wir mit Harald Schmidt. (...) Uns geht es zuerst ums Konzept und dann um die Person, mit der wir das umsetzen. Wenn etwas nicht funktioniert, gehen wir vor wie die Bundestrainer und besetzen um."

Volltreffer oder Eigentor? Der gemeinte Fußball-Bundestrainer Löw geht nämlich ganz anders vor. Er besetzt nicht um, wenn etwas über Monate nicht läuft wie bei seinen Lieblingsspielern Podolski und Klose. Beide zählen bei der WM in Südafrika zur deutschen Stammelf.

Was läuft bei Schmidt nicht? Günter Struve, bis 2008 ARD-Programmdirektor, hatte Schmidt 2004 mit ehemaligen Intendanten wie Jobst Plog (NDR) und Fritz Pleitgen (WDR) aus vielen Gründen engagiert - aus einem Quotengrund sicher nicht. Schmidt ist Markenbotschafter, eine öffentlich-rechtliche Rampensau, gebildet und zynisch, gepflegt und im Humor dreckig, wenn es die Pointe verlangt. Der 52-Jährige hat seine Bindung an die ARD jährlich erneuert. Immer im Herbst führte er Gespräche mit dem für ihn zuständigen WDR. Die Firma Schmidt Kogel machte ihr Angebot, die Parteien wurden sich einig.

Am 9. September wird Harald Schmidt wieder ausgestrahlt. Die Ausgabe vom 6.Mai zugrunde gelegt hat Harald Schmidt Lust, über 2011 hinaus zu verlängern. Am 6. Mai rührte er mit dem rechten Zeigefinger in einem Blaubeerglas, steckte ihn sich plötzlich ins rechte Ohr und löste die Aktion mit einem Einspieler auf, in dem Richard von Weizsäcker für seine Frau einen "Blueberry" (also Blackberry) organisiert. Dann ließ Schmidt die restliche Sendezeit, circa 90 Sekunden, verstreichen, in dem er seinen Schreibtisch säuberte. Wer Sendezeit verstreichen lasse, sagte er dabei, "der kriegt Druck von den Bossen. (Pause) Was ist jetzt? Donnerstag? Da sind sie schon im Wochenende. Aber nüchtern."

Ja, über Harald Schmidt, den teuren ARD-Angestellten, wird weniger öffentlich gesprochen. Seine durchschnittlichen Auftritte aber, und das sind gute, bilden nach wie vor die Spitze des deutschen Late-Night-Gewerbes ab, das mit der ZDF-Wochenshow und TV total (Stefan Raab, Pro Sieben) besser besetzt ist als vor ein paar Jahren.

Auf der ARD-Homepage wird Fred Kogel nach ARD-Art interviewt. Frage: Was sei der Unterschied zur Wochenshow des ZDF? Antwort nach Kogel-Art: "Harald Schmidt."

Es könnte etwas dran sein.

Bildstrecke

Harald Schmidts Rückkehr zu "Pssst..."