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Harald Lesch:"Ein mieses Thema"

Leschs Kosmos

Harald Lesch, 57, ist Professor für Astrophysik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seine TV-Karriere begann beim Sender BR-alpha, seit 2008 moderiert er die Sendereihe Leschs Kosmos und weitere Wissensformate.

(Foto: Jens Hartmann/ZDF)

Der Astrophysik-Professor moderiert seit 100 Folgen seine ZDF-Sendung, in der er Themen aus Medizin, Gesellschaft oder Ökologie verständlich vermittelt. Für seinen Job an der Uni müsse man genauso wie im TV eine Rampensau sein, sagt er im Interview.

Im deutschen Fernsehen gibt es unzählige populärwissenschaftliche Formate, Magazine im Privat-TV etwa oder Wissens-Quizshows bei den Öffentlich-Rechtlichen. Und es gibt Harald Lesch, der seit nun 100 Folgen in seiner ZDF-Sendung Lechs Kosmos Themen aus Medizin, Gesellschaft oder Ökologie an sein Publikum bringt.

SZ: Herr Lesch, wie hat sich die Wissensvermittlung im Fernsehen verändert?

Harald Lesch: Ich habe den Eindruck, dass inzwischen ökologische Themen häufiger werden als so "berühmte" und große Themen wie "Draußen im Kosmos". Die Wissenschaft hat heute auch ein ganz anderes Angebot als damals. Wir haben jetzt eher die Frage: Was präsentieren wir denn nicht? Aus dem Überangebot an wissenschaftlichem Material muss man sich etwas heraussuchen und so verarbeiten, dass daraus wieder eine Geschichte für den Zuschauer wird.

Sie müssen also die Themen stärker selektieren?

Richtig. Unsere Aufgabenstellung lautet: Wie bekommen wir ein Thema unter den Regenschirm, sodass der Zuschauer dranbleibt und wir immer noch genügend wissenschaftlichen Inhalt transportieren können? Die Sendungen früher waren insofern etwas Besonderes, weil alle sie geguckt haben. Die Programmvielfalt hat natürlich auch dazu geführt, dass sie inzwischen nicht mehr solche Renner sind. Hoimar von Ditfurth war mit Querschnitt um 20.15 Uhr auf Sendung! Das wäre ja ein Kracher, wenn heute Leschs Kosmos zu dieser Primetime kommen würde!

Wie vermittelt man dem Fernsehzuschauer zu später Stunde unbequeme Theorien über den allerdings erst in zehn hoch 100 Jahren drohenden Untergang eines durch seine Expansion dann extrem ausgedünnten Universums?

Der Untergang des Universums ist ein mieses Thema für den Abend. Da würde ich immer sagen: Bevor Sie darüber nachdenken, nehmen Sie sich einen Menschen, der Ihnen am Herzen liegt und machen etwas Schönes mit ihm! Den Untergang des Universums können wir sowieso nicht aufhalten, aber es wird ein Morgen geben, die Sonne wird im Osten aufgehen, und wir sehen mal, wie es weitergeht. Wir beide waren nicht daran beteiligt, als sich das Universum damals in seine Existenz geworfen hat. Man hat uns ja noch nicht einmal nach unserer eigenen Existenzwerdung gefragt. Diese Fragen sind gut für ein philosophisches Seminar, aber schlecht fürs Fernsehen.

Muss man eine Rampensau sein, um Wissen im Fernsehen zu vermitteln?

Man muss eine Rampensau sein, um Wissen an der Universität, aber auch im Fernsehen zu vermitteln. Ganz pragmatisch gesagt: Im Studio ist es gut, wenn der Typ, der da vorne steht, es gern macht und es auch den anderen Vergnügen bereitet, mit ihm zusammenzuarbeiten.

Sie sind jetzt 56. Wie lange wollen Sie moderieren?

Wenn die mich machen lassen, mache ich es so lange, bis ich im Studio umkippe.