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Journalist Hans Leyendecker:Teilerfolg gegen den "Spiegel"

Vor dem Kirchentag

Hans Leyendecker, langjähriger SZ-Redakteur und davor für den "Spiegel" tätig.

(Foto: Oliver Berg/dpa)

Das Nachrichtenmagazin hat Zweifel an den Angaben von Hans Leyendecker darüber, wie er seinen Artikel über einen Antiterroreinsatz 1993 verfasst hat. Der Journalist hat sich dagegen gewehrt.

Der Journalist Hans Leyendecker hat beim Nachrichtenmagazin Spiegel , für den er von 1979 bis 1997 arbeitete, Änderungen an einem Bericht von dessen Aufklärungskommission durchgesetzt. Der Bericht befasst sich mit einer Titelgeschichte aus dem Jahr 1993 zum GSG-9-Einsatz in Bad Kleinen und äußert erhebliche Zweifel an Leyendeckers Angaben zur Entstehung des Artikels. Jetzt veröffentlichte der Spiegel im Internet eine neue Version des Berichts, die vor allem Aussagen Leyendeckers enthält, die zuvor nicht berücksichtigt worden waren. Das Magazin erklärte, die grundsätzliche Einschätzung der Kommission habe sich nicht geändert. Der 71-jährige Journalist hatte zuvor in sieben Punkten Unterlassung verlangt, weil er sich durch den Bericht verunglimpft sah. In fünf zentralen Punkten sei laut Leyendecker eine außergerichtliche Einigung erzielt worden.

Der Spiegel schreibt, man habe "Ergänzungen aus den Stellungnahmen von Hans Leyendecker" neu aufgenommen. Neue Erkenntnisse hätten sich nach Ansicht der Kommission daraus aber nicht ergeben. Sie bleibe daher bei ihrer Einschätzung, es sei unwahrscheinlich, dass Leyendecker einen Zeugen persönlich getroffen und zusätzlich über eine anonyme Quelle am Telefon verfügt habe. Wahrscheinlicher sei, dass der Journalist lediglich ein Telefongespräch mit einer anonymen Quelle geführt habe.

Durch den Einsatz der Polizei-Spezialeinheit GSG 9 in Bad Kleinen sollten 1993 zwei RAF-Mitglieder festgenommen werden. Bei einem Schusswechsel starben ein GSG-9-Beamter und der RAF-Terrorist Wolfgang Grams. Kurz nach dem Vorfall berichtete Leyendecker in seinem Artikel "Der Todesschuss", ein Zeuge habe gesehen, wie ein GSG-9-Beamter Grams erschossen habe. Der damalige Innenminister Rudolf Seiters (CDU) trat zurück, Generalbundesanwalt Alexander von Stahl wurde in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Nach dem späteren Ergebnis der Ermittlungen, das mehrfach von Gerichten überprüft wurde, erschoss sich der schwer verwundete Grams mit der eigenen Waffe. Leyendecker entschuldigte sich mehrfach und bezeichnete es als seinen "verheerendsten Fehler", dass er einem unzuverlässigen Informanten vertraut habe.

© SZ/epd//RJB
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