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"Die Liebe des Hans Albers" im Ersten:Der Blonde mit der dunklen Seite

Die Liebe des Hans Albers

Der labile Charmebolzen Hans Albers (Ken Duken) und die Jüdin Hansi Burg (Picco von Groote), die wichtigste Person in seinem Leben.

(Foto: NDR/Zeitsprung Pictures/Michael)

Ein Dokudrama erzählt von den Lebenslügen des Menschenfängers Hans Albers.

Von Harald Hordych

Hans Albers. Der Name genügte, damit es bei unzähligen Angehörigen der Nachkriegsgeneration im Kopf anfing zu summen, weil ein eigenartig sentimentaler wie leichtfertig-angeberhafter Ton zu schwingen begann. Zum Beispiel ein Lied, das so ging: "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins." Oder ein Offizier in Fantasieuniform tauchte vor dem inneren Auge auf, der es fertigbrachte, einem auf seine lausbuben- wie großmannshafte Weise weiszumachen, dass es als Freiherr von Münchhausen durchaus möglich ist, auf einer Kanonenkugel zu reiten. Auch wenn diese Kanonenkugel im Auftrag des Nazi-Regimes abgeschossen worden war, in der prächtigsten Ufa-Produktion überhaupt, 1943 gedreht. Als bunte Kinospektakel die Reichsmenschen von der Erkenntnis ablenken sollten, dass dieser Krieg womöglich verloren werden könnte.

Was für ein Name also. Und was für eine ambivalente Geschichte, nämlich die eines der populärsten deutschen Filmschauspieler, der sich ähnlich wie Heinz Rühmann nicht gegen das Nazi-Regime stellte, aber ein deutscher Star bis zu seinem Tod 1960 blieb. Darum beginnt dieser ARD-Film mit seiner Beerdigung, zu der die Massen strömten.

Die ARD hat versucht, dieser schwierigen Lebensgeschichte mit einem nicht minder schwierigen Erzählkonzept beizukommen. Zum einem können junge Menschen mit diesem seltsamen, aufgeblasenen Charmeur eher wenig anfangen. Zum anderen muss man aber nachvollziehen können, warum dieser Mann zu so einem Publikumsliebling werden konnte, zum Ufa-Chefabenteurer und Weltmeerbezwinger mit Jahrmarkts-Aufreißer-Charme. Ein Film über Albers muss kritische Betrachtung und Annäherung zugleich sein. Um dieser glamourösen wie gebrochenen Karriere gerecht zu werden, arbeitet das Dokudrama Die Liebe des Hans Albers von Carsten Gutschmidt (Regie) und Dirk Eisfeld (Buch) mit dem permanenten Bruch als Stilmittel. Mosaikhaft wird das Leben mit Ausschnitten aus berühmten Filmen wie dem Blauen Engel, seinen populären Stimmungsliedern und Nazi-Wochenschauen mit der Liebesgeschichte von Albers und der Jüdin Hansi Burg vermischt. Von Hansi Burg trennte er sich auf Geheiß des Regimes offiziell, lebte aber bis zu ihrer Flucht nach England 1939 mit ihr in seiner Villa am Starnberger See zusammen.

Einen labilen Charmebolzen zu verkörpern, ist eine Aufgabe, um die Ken Duken nicht zu beneiden ist

Mit Hansis Rückkehr 1946 nach Deutschland und zur Starnberger Villa beginnt die Geschichte. Hansi Burg verlangt, dass die Frau, die gerade bei Albers lebt, innerhalb von fünf Minuten auszieht. Dass er sich diesem Wunsch nicht widersetzt, zeigt eindringlich, wie wichtig diese Frau (souverän spröde wie leidenschaftlich und verzweifelt: Picco von Groote) einem dem Alkohol, Glücksspiel und den Frauen gleichermaßen zugewandten Mann war, wie sehr sie Disziplin in seinen prallen Lebenscocktail mischte. Sie lebte wieder mit ihm am Starnberger See bis zu seinem Tod.

Diese Rückkehr ist Beginn für eine dramatische Auseinandersetzung der beiden über seine Lebenslügen. Aber auch der Ausgangspunkt für eine weitere Erzählebene, ein öffentliches Gespräch des gealterten Paares auf einer Art Fernsehbühne, in dem Albers und Burg über ihr gemeinsames Leben, also hauptsächlich über Hans Albers sprechen. Das so noch mal gefilterte Geschehen führt zu einer Distanz, die nicht das schlechteste Prinzip ist, um sich einem Menschenfänger wie Albers zu nähern. Einen labilen Charmebolzen zu verkörpern, ist aber eine Aufgabe, um die Ken Duken nicht zu beneiden ist: Große Gesten, Cinemascope-Lächeln, das bin in die letzte Reihe abstrahlt, sogar die bühnenhafte Trommelwirbelsprache der Tonfilm-Rampensau erweckt Duken auf nie karikaturhafte Weise zum Leben, wenn er Sätze sagt wie: "Von einem Pro!-Vinz!-Theater! ins andere! Und dann end!-lich!: Ber!-lin!"

Was ebenso gelingt, ist, entscheidende Momente in der Reflexion aufzuschlüsseln. Wie die beiden das Berufsverbot von Hansi Burgs berühmtem Vater, der Albers' Karriere gefördert hatte, viele Jahre später noch einmal besprechen, wo dieser traurige Moment doch gerade gezeigt wurde, ist verdichtete Geschichtsstunde und gelungenes Lebensporträt in einem. Und Anstiftung genug, sich mal wieder einen Albers-Film anzusehen.

Die Liebe des Hans Albers, Das Erste, Mittwoch, 21.45 Uhr.

© SZ/tyc
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