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Journalismus:"Pardon"-Gründer Hans A. Nikel ist tot

Hans A. Nikel

Hans A. Nikel, hier auf einer Aufnahme aus den Sechzigerjahren, leitete die Satirezeitschrift Pardon bis 1980 als Herausgeber.

(Foto: Manfred Rehm/dpa)

Er organisierte die Kriegsdienstverweigerung und bot Autoren wie Robert Gernhardt oder F. W. Bernstein ihre erste Spielwiese. Nun ist der große Wirre Hans A. Nikel im Alter von 88 Jahren gestorben.

Die alte Bundesrepublik erlaubte sich nur eine Handvoll Irrer, und einer davon war der Verleger Johannes Nikel, genannt Hans A., ohne dass das Rätsel des Mittelinitials je schlüssig aufgelöst worden wäre. Als gebranntes Kriegskind organisierte er die Kriegsdienstverweigerung, vertrieb daneben einen selbstfabrizierten Preisbeobachter, verdiente eine Zeitlang Geld mit der Verbraucherzeitschrift DM, druckte den großen Zeichner Kurt Halbritter und unsägliche Schmunzelhefte, brachte eine 33-bändige Jules-Verne-Ausgabe heraus. Glanzpunkt in dem Kraut- und-Rübenladen war die Zeitschrift Pardon. Hier erhielten Robert Gernhardt und F. W. Bernstein ihre erste Spielwiese, hier schrieben Günter Wallraff und Alice Schwarzer, hier erwachte die Kultur aus dem Restaurationsdämmer. Insgeheim war Nikel Philosoph, drückte sich jedenfalls im Seminar bei Horkheimer und Adorno herum und promovierte mit 50 über den Mystiker Meister Eckhart.

Die Verlegerei ließ er sein, wurde selber mystisch, dichtete Esoterisches, bastelte Kunstgewerbliches, levitierte, yogierte, und alles nur, weil ihn der Maharishi erleuchtet hatte. Seine Autoren waren ihm da längst davongelaufen und hatten das Satiremagazin Titanic gegründet. Vergangenen Donnerstag ist der große Wirre Hans A. Nikel mit 88 Jahren in Bad Homburg gestorben.