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Hannelore Elsner im Gespräch:"Ich bin jetzt am Anfang des Älterwerdens"

SZ: Und bei ätzender Kritik?

Elsner: Werde ich wütend. Zum Beispiel sind Journalisten gekommen und haben gesagt: "Ich habe gehört, Sie sind so schwierig." Was heißt denn hier schwierig? Wenn ich zum hunderttausendsten Mal nach dem Älterwerden gefragt werde, dann sage ich halt: Meine Güte, nicht schon wieder.

SZ: Ich wollte das Thema bewusst aussparen.

Elsner: Da war ein junger Mann, der mich mit steinernem Grinsen im Gesicht weiter und weiter zu diesem Thema befragt hat. Es langweilt mich so! Mit 24 wurde ich gefragt, wie es ist, 25, zu ein. Mit 30 wurde ich gefragt, ob ich jetzt nicht am Ende bin. Mit 40 sowieso. Und ich habe gesagt: Moment mal, ich merke es überhaupt nicht! Was wollt ihr denn?

SZ: Was ist so schlimm daran?

Elsner: Das sind Hinterhalte. Wenn es heißt: Sharon Stone, die sieht mit ihren 50 Jahren ja noch so irre gut aus - ob sie nicht doch was gemacht hat? Haben die eine Ahnung. Mit 50 sieht eine Frau toll aus. Das ist völlig normal. Diese Leute, die sich da immer so falsch wundern, finde ich unverschämt. Im Buddhismus heißt es, bis 60 ist man jung, und dann wird man älter. Das kann ich unterschreiben. Das ist exakt das, was ich erlebt habe. Deshalb bin ich jetzt ganz am Anfang des Älterwerdens.

SZ: Halten wir bitte fest, dass Sie nun selbst auf dieses Thema gekommen sind.

Elsner: Von mir aus. Aber nun mal wirklich: "Für ihr Alter ist sie noch sehr erotisch"- das ist kein Lob, finde ich.

SZ: Sie lesen alles?

Elsner: Ich habe leider den Ausschnittdienst abonniert. Ich lese alles, was da über mich fabriziert wird. Eigentlich will ich ihn immer abbestellen, aber dann tu ich's doch nicht.

SZ: Weil Sie die Kontrolle behalten wollen.

Elsner: Weil es mich dann doch interessiert. Natürlich möchte ich auch ergründen, wie mein Image funktioniert. Aber dann steht da doch nur wieder: "Hannelore Elsner: 65 und keine Angst vorm Alter." Ich sollte jetzt wirklich abbestellen.

SZ: Frau Elsner, in unserem Archiv der letzten zehn Jahre habe ich keinen einzigen richtig bösen Artikel über Sie gefunden. Im Gegenteil. Man wirft sich vor Ihnen in den Staub, dass es auch schon wieder ganz grässlich ist.

Elsner: Finden Sie? Wenn ich zum Beispiel was Gutes über mich lese, denke ich: Huiiii... Und muss das erst mal weglegen. Ich freue mich dann wahnsinnig, aber - ob Sie das jetzt glauben oder nicht - ich werde auch sehr scheu. Vielleicht ist doch was dran an dem, was Sie sagen. Und jetzt mal ehrlich: Die Unberührbare, Mein letzter Film oder Alles auf Zucker, das waren ja auch wirklich tolle Filme.

SZ: Da wir eingangs vom Spielen gesprochen haben, wer waren Sie jetzt eigentlich? Die Frau, die Sie sind, oder die Frau, die Sie gerne wären?

Elsner: Sagen wir so: Ich bin hier trotz Grippe und Kopfschmerzen, ich bin konzentriert, ich habe mir Mühe gegeben. Aber ich möchte schon auch cool sein, ganz klar.