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Hannelore Elsner im Gespräch:"Wo etwas Wahres getroffen ist, habe ich kein Problem."

SZ: Ist es heute nicht fast schon eine gesellschaftliche Verpflichtung, glücklich zu sein? Und ist das nicht anstrengend?

Elsner: Das ist total anstrengend. Aber ich würde Ihnen jetzt öffentlich nicht erzählen, zu wem ich gehe und sage: "Es geht mir schlecht." Das wäre am Ende doch nur ein larmoyantes Sich-Zurschaustellen. Diese Leute, die in Talkshows rumhängen und sagen, wie schlecht es ihnen ergangen ist, ich meine, das ist doch alles ganz furchtbar! Die Verpflichtung zum Glücklichsein hat ja nur einer, der sich dauernd darstellen will. Mein inneres, also privates Glück oder Unglück geht keinen was an. Und zwar nicht, weil ich was zu verheimlichen habe. Sondern weil das meins ist. Es fällt mir auch schwer zu ertragen, wie mein Leben in Magazinen montiert wird, zum Beispiel diese verschiedenen Männer an meiner Seite: Nummer eins, zwei, drei und so weiter. Über Nummer sechs steht dann: "Jetzt ist sie endlich glücklich!" Und ich denke: Was? Wirklich?

SZ: An Sie als Schauspielerin: Kann Lob auch langweilen?

Elsner: Lob langweilt mich nie, das brauche ich ja. Man ist doch unsicher genug. Wenn man sich so hinein begibt in eine Figur, dann ist es schon eine Freude, wenn jemand sagt: "Das hat mich berührt." Mich macht das stolz. Übrigens: Auch, wenn ich einen Preis kriege. Ich finde das absolut zynisch, wenn die Leute fragen: Ja, interessiert Sie das überhaupt noch? Das ist doch verlogen, ein Konstrukt. Natürlich freut es mich, wenn ich einen Preis kriege! Man hat sich doch auch Mühe gegeben und ist kreativ gewesen. Wir beide müssen doch jetzt auch unheimlich kreativ sein, damit wir hier etwas zustande kriegen, das die Leute interessiert.

SZ: Wir arbeiten hart daran.

Elsner: Nur werde ich auch dann, wenn ich schon tot bin, immer noch darauf festgelegt, was ich heute gesagt habe. Das ist schrecklich.

SZ: Da müssten wir jetzt aufhören.

Elsner: Das tun wir aber nicht, oder?

SZ: Befürchten Sie manchmal, dass man bei Ihnen nicht mehr so genau hinsieht? Dass Sie einfach so durchgewunken werden?

Elsner: Das wäre furchtbar. Aber es ist schon ein Thema: Dass viele denken, ich kann alles. Eine echte Belastung. Als ich ganz jung war und Theater spielen sollte und keine Lust hatte, bin ich nach Hause gekommen zu meiner Mutter. Ich wollte eigentlich heulen und sagen: Ich will da weg. Ich kann das nicht! Und sie sagte: "Aber Kind, du kannst doch immer alles." Ich bin ausgeflippt. "Nein! Ich kann nicht immer alles!"

SZ: Sie hat den Druck noch erhöht.

Elsner: Genau.

SZ: Hören Sie eigentlich oft von Freunden: Stress dich nicht wieder so rein, das ist doch nur eine Rolle?

Elsner: Hä? Mit Rollen gehe ich so nicht um. Ich denke nicht drüber nach, wie großartig das werden kann oder wie kleinartig. Es hat zunächst was mit Empathie zu tun. Ich habe ein Mitgefühl für die Person, die ich spiele. Aber ich belästige die Leute nicht damit. Sondern ich werde ganz still und behalte es für mich.

SZ: Wenn so viel von einem selbst in einer Figur steckt, nimmt man Kritik dann zwangsläufig persönlich?

Elsner: Es kommt drauf an. Mir ist schon bewusst, wo man mich auch ablehnen kann. Ich weiß, was ich alles gemacht habe, das belanglos war. Aber das kann man mir nicht vorwerfen. Ich habe ein Leben lang mich und die meinen selber versorgt, ich musste ja auch Geld verdienen. Egal. Wo etwas Wahres getroffen ist, habe ich kein Problem.