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Hamburger Nachrichtenmagazin:Neuausschreibung der Ressortleiterposten führte zum Eklat

Erst im vorigen Sommer hatten die Gesellschafter Büchner vom Chefredakteursposten bei der Nachrichtenagentur dpa abgeworben. Er sollte Print und Online beim Spiegel zusammenführen und reformieren. Stattdessen brachte er schon vor Amtsantritt am 1. September 2013 die mächtigen Ressortleiter gegen sich auf. So holte er den Bild-Mann Nikolaus Blome gegen alle Widerstände als Mitglied der Chefredaktion zum Magazin.

Zum entscheidenden Eklat führte dann in diesem August seine Ankündigung, alle Ressortleiterposten neu auszuschreiben und Zuständigkeiten für Print und Online einzuführen - das wurde als Plan verstanden, sich mächtiger Gegner zu entledigen. 86 Prozent der Mitarbeiter stellten sich danach in einer Resolution gegen die Umsetzung von Büchners Konzept Spiegel 3.0. Es ging zuletzt in Hamburg oft weniger um Sach- als um Stilfragen. Zuletzt gab es im Gesellschafterkreis keine Einigkeit über das Konzept, vor allem die Zusammenlegung der Ressorts von Print und Online stieß auf Ablehnung.

Erwünschte Führung

Brinkbäumer arbeitet seit 1993 beim Spiegel, seit 2011 als stellvertretender Chefredakteur. Er hat Sportjournalismus ebenso gemacht wie Krisenberichterstattung oder den Job als New-York-Korrespondent. Harms ist seit 2004 in verschiedenen Funktionen für Spiegel Online tätig. Zuvor war der studierte Islamwissenschaftler und Politologe unter anderem bei taz und Süddeutscher Zeitung.

Der Kampf, den große Teile der Redaktion gegen Büchner führten, könnte Brinkbäumer sogar helfen. Alle beim Spiegel wissen, dass es nun keine Zeit zu verlieren gibt, um die bevorstehenden Veränderungen zu bewältigen. Zudem ist es unwahrscheinlich, dass die Spiegel-Leute noch Lust und Energie für internen Zwist haben. Die Einsicht, dass Print und Online zusammenkommen müssen, ist in der Realität bei dem Magazin längst da. Das Duo Brinkbäumer/Harms könnte eine Führung werden, die wirklich erwünscht ist.

© SZ.de/mkoh/rus
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