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Hass im Netz:Journalist Gutjahr erhebt schwere Vorwürfe gegen BR-Intendanten

Richard Gutjahr bei der Verleihung des Grimme Online Award 2016 in der Kölner Flora Köln 24 06 201

Richard Gutjahr erhebt schwere Vorwürfe gegen seinen früheren Arbeitgeber, den Bayerischen Rundfunk.

(Foto: Future Image/imago)

Sein Arbeitgeber habe ihn im Kampf gegen Hass und Hetze allein gelassen, kritisiert der Journalist - und bezichtigt den Intendanten, die Unwahrheit gesagt zu haben. Der Bayerische Rundfunk widerspricht.

Der Journalist Richard Gutjahr erhebt schwere Vorwürfe gegen den Intendanten des Bayerischen Rundfunks, Ulrich Wilhelm. In einem offenen Brief, in dem der langjährige BR-Mitarbeiter auch das Ende seiner Beschäftigung bei der Rundfunkanstalt thematisiert, wirft Gutjahr der BR-Führung vor, ihn angesichts des Hasses und der Hetze, denen er sich seit Jahren massiv ausgesetzt sehe, "allein gelassen" zu haben.

Der Journalist kritisiert, dass der BR seine Bitte nach Unterstützung in der juristischen Gegenwehr gegen seine "Angreifer aus dem Netz" immer wieder abgelehnt habe - mit Verweis darauf, dass freien Mitarbeitern keine Rechtsberatung zustehe. Nach Gutjahrs Schilderung kündigte ihm seine eigene Rechtschutzversicherung nach einem Jahr gerichtlicher Auseinandersetzungen die Police, was dazu geführt habe, dass "die Prozesskosten uns über den Kopf wuchsen".

Abgesehen von einer Einmalzahlung - "weniger als ein Monatsgehalt", wie er schreibt - ist Gutjahr nach eigener Schilderung mit der Bitte um Unterstützung in der Führungsetage des Bayerischen Rundfunks immer wieder abgeblitzt. Dabei bezögen sich die "Verschwörungstheoretiker, Neonazis und Reichsbürger, die meine Familie und mich bis zum heutigen Tag terrorisieren" in ihren Bedrohungen eindeutig auf Gutjahrs Tätigkeit als BR-Reporters.

Die Vorwürfe des langjährigen TV-Journalisten reichen jedoch weiter. Er wirft Wilhelm vor, in Sitzungen des Rundfunkrats "wiederholt die Unwahrheit gesagt beziehungsweise das Kontrollgremium des Bayerischen Rundfunks in die Irre geführt" zu haben, einerseits in Bezug auf besagtem Streit um Prozesskosten, andererseits um eine angebliche Entschuldigung Wilhelms gegenüber Gutjahr. Dabei geht es um den Umgang mit Videomaterial des Terroranschlags 2016 in Nizza und den Folgen. Richard Gutjahr, der sich zufällig privat in Nizza aufhielt, hatte das spontan aufgenommene Material dem BR geschickt; von dort wurden die Bilder über die Social-Media-Kanäle verbreitet.

Bayerischer Rundfunk weist Vorwürfe zurück

Der Shitstorm, der auf die Veröffentlichung folgte, richtete sich auch gegen Gutjahr und seine Familie. Spätestens seitdem war der Journalist immer wieder Ziel heftiger Anfeindungen und Drohungen aus dem Netz. Der Umstand, dass Gutjahr eine Woche nach dem Anschlag von Nizza vom OEZ-Amoklauf in München berichtete, rief Verschwörungstheoretiker auf den Plan.

Der Bayerische Rundfunk wies Gutjahrs Vorwürfe am Mittwoch entschieden zurück. "Die wiederkehrende öffentliche Kritik von Richard Gutjahr enthält keine neuen Aspekte und ist im Kern nicht zutreffend", hieß es in einer Mitteilung. "Der BR weist insbesondere den Vorwurf der Lüge und Täuschung durch den Intendanten strikt zurück." Die Geschäftsleitung und der Vorsitzende des Rundfunkrats hätten sich in den vergangenen drei Jahren "mehrfach und intensiv mit allen Facetten des Falles" beschäftigt. "Herr Gutjahr erhielt finanzielle Unterstützung auch im Hinblick auf ihm entstandene Prozesskosten."

Gutjahr hatte den offenen Brief an Wilhelm auf seinem Blog veröffentlicht. In den Post baute er einige Beispiele ein von Nachrichten, die er aufgrund seiner Arbeit bekommen habe. Die Beispiele enthalten starke, teils antisemitische, Beleidigungen gegen den Journalisten.

"Der Hass, der Richard Gutjahr seit drei Jahren im Netz entgegenschlägt, ist beschämend", heißt es dazu vom BR. "Die Verschwörungstheorien sind absurd, die Drohungen Herrn Gutjahr gegenüber erschütternd."

Der BR ist eine von neun Landesrundfunkanstalten, die zusammen mit der Deutschen Welle das Programm der ARD produzieren, und wird vor allem durch Rundfunkbeiträge finanziert. Die größte der Sendeanstalten, der WDR, ist in den vergangenen Tagen wegen eines Kinderchor-Videos in die Kritik geraten, WDR-Mitarbeiter wurden geschmäht und massiv bedroht.