"Günther Jauch" zur Ukraine-Krise "Heftig im Herzen, schwach im Verstand"

Nachgeben oder Härte zeigen? Wolf Biermann diskutiert mit Gabriele Krone-Schmalz, Matthias Platzeck und Alexander Graf Lambsdorff über Russlands Präsident Putin in der ARD-Sendung "Günther Jauch".

(Foto: dpa)

Günther Jauch lässt über die Ukraine-Krise debattieren, und lädt mit Wolf Biermann und Matthias Platzeck zwei Gäste ein, die kürzlich Schlagzeilen produzierten. Der eine rudert zurück, der andere gibt den Unruhestifter.

Von Paul Katzenberger

Da war er wieder: der Wladimir Putin, von dem niemand so genau weiß, wer dieser Mann eigentlich ist. Vor einer Woche strahlte die ARD in der Talkshow "Günther Jauch" ein Interview aus, das der NDR-Journalist Hubert Seipel mit dem Kreml-Chef geführt hatte. Wer konnte danach von sich behaupten, sie oder er wisse nun, was Putin im Schilde führe?

Auch die Medien waren sich in ihrer Einordnung auffallend uneins. Von erwartbaren Aussagen der Springer-Presse abgesehen ("Kreml-TV") zeigten sich liberale Blätter von dem Interview enttäuscht ("braves Frage-Antwort-Spiel"), während andere Erkenntnisse gewonnen haben wollten: Seipel sei es gelungen, einen Dialog abseits vom pseudokritischen Allerlei zu entwickeln, so das Handelsblatt. Die FAZ schrieb: "Im Gespräch mit Hubert Seipel konnte Putin ganz in Ruhe sein Argumentationsmuster entwickeln."

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Schlagzeilenträchtige Sendungsgäste

Günther Jauch schob seinem Interview-Coup von letzter Woche also nun eine Sendung hinterher, in der geklärt werden sollte, wie mit dem mysteriösen Staatsmann im Osten zu verfahren sei: "Wie sollte der Westen auf Putins Handeln reagieren - nachgiebig oder eisern?", lautete die Frage, die die vier geladenen Gäste beantworten sollten: der Polit-Rentner Matthias Platzeck, der Barde Wolf Biermann, der EU-Parlamentarier Alexander Graf Lambsdorff und die frühere ARD-Russland-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz.

Letztere äußert sich seit Ausbruch der Ukraine-Krise regelmäßig in Talkshows zum Thema, weswegen man die Sorge haben konnte, dass diese Jauch-Sendung keine allzu neuen Erkenntnisse erbringen würde. Denn die Argumente zwischen den "Eisernen" und den "Nachgiebigen" im Umgang mit Russland wurden schon dutzendfach ausgetauscht.

Trotzdem vertraute Günther Jauch auf dieses altbekannte Strickmuster, was wohl an den Schlagzeilen lag, für die zwei seiner Gäste in jüngster Zeit gesorgt haben. Matthias Platzeck, der neben Krone-Schmalz die Fraktion der "Russland-Versteher" bildete, war in der vergangenen Woche mit der Forderung zitiert worden, die Annexion der Krim durch Russland im Westen anzuerkennen. Diese Aussage hatte der frühere SPD-Vorsitzende zwar kurz darauf relativiert, doch als Quotenbringer taugt er allemal.