"Team Wallraff" auf RTL:Entscheidend ist der Skandal

Lesezeit: 4 min

RTL will aus dem Pilotfilm wohl eine Serie machen. Wallraff sagt, das hänge von den Themen ab, preist aber die junge Reporterin. "Das sind Kollegen, die gewerkschaftlich orientiert sind und die was riskieren." Gewerkschaftsnähe hat RTL noch niemand unterstellt.

So oder so, es ist ein guter Film geworden, soweit man das anhand der teilweise unvertonten Version sagen kann, die am Sonntag vorab zu sehen war. Am Rest wurde noch geschnippelt. Wallraff macht sich derweil in der Gartenlaube schon Gedanken, was der Film bewirken wird. "Man erreicht zumindest den anderen Blick", sagt er. Die Leute würden mit anderen Augen ins Hotelzimmer gehen. Das zumindest. Vielleicht würde sich die Politik auch stärker darum kümmern, dass Tarife eingehalten werden, könnte die Staatsanwaltschaft mal ermitteln.

Die aber begann im vergangenen Jahr erstmal gegen Wallraff selbst zu ermitteln, ein ehemaliger Mitarbeiter hatte ihm vorgeworfen, ihm zu wenig gezahlt zu haben. Wallraff hat mit den Jahren eine gewisse Routine entwickelt, gegen all die Angriffe, gegen seine Methode, seine Person. "Es fällt letztlich auf die zurück, die sich auf meine Kosten profilieren wollten."

"Ich will nicht im Mittelpunkt stehen"

Wallraff hat immer Leute aufgenommen in sein Haus, hat Asyl gegeben, ein Zimmer, Aufbauhilfe in ein neues Leben. Zuletzt einem iranischen Sänger, aber auch schon ehemaligen Knackis. Einmal hat er wohl nicht genau hingeschaut, einen Mann als Mitarbeiter eingestellt, der Probleme hatte, der ihn erpresste. Von den Vorwürfen ist offenbar nichts geblieben.

Außer der Diskussion darüber, dass Wallraff nicht immer alles alleine aufschreibe, was er erlebt hat, ohne die Mitarbeit kenntlich zu machen. Das monierte auch das Zeit Magazin, das Wallraff wieder eine große Bühne gab, nachdem er viele Jahre lang nicht sehr präsent gewesen war, auch wegen einer Krankheit. "Im entscheidenden Bereich, da kann mir keiner helfen, da bin ich Darsteller und Regisseur in einer Person", sagt Wallraff.

Ein bisschen was scheint sich aber doch verändert zu haben, seit der Diskussion. Neben das Ich hat sich ein Wir gestellt, wird deutlich sichtbarer. "Ich will nicht im Mittelpunkt stehen", sagt er. "Team Wallraff" heißt das Format bei RTL, zusammen mit anderen hat Wallraff das Projekt Work-Watch gegründet, das sich um die üblen Drückerbranchen kümmern will. Ein Buch soll erscheinen, dessen Erlöse den Betroffenen zugutekommen. So viele Projekte, fast hört es sich nach einem Franchise-System der Marke Wallraff an.

Hören Sie mir auf, sagt Wallraff in seinem Garten. "Die Methode darf nie Selbstzweck sein." Entscheidend sei doch der Missstand, der Skandal, den es aufzudecken gilt. Wallraff hat neue Rollen im Kopf, in die er schlüpfen wird. Rollen, die anstrengend sind, die weh tun. Wallraff sagt, er sei ein schlechter Schüler gewesen, sei nur dann gut, wenn er die Dinge selbst erfahre. "In einer Rolle bin ich oft mehr ich selbst, als wenn wir hier sitzen. Als ein anderer bin ich präsenter und konzentrierter, und kann wie ein Kind alles fragen und in- frage stellen." Kinder lachen vielleicht etwas mehr, aber Wallraff sieht so jung und frisch aus wie lange nicht mehr. Er hat sie gefunden, die Rolle seines Lebens.

Team Wallraff: 21.15 Uhr, RTL

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