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Güner Balci & Thilo Sarrazin bei "Aspekte":Von den Richtigen gehasst, von den Falschen geliebt

In einem Neuköllner Hinterhof beugt sie sich über den Lavendel einer Grünfläche, ein Geruch aus ihrer Jugend. Zwischen Hermann-Straße und Karl-Marx-Straße ist sie aufgewachsen, sie kennt die Menschen hier und ihre Geschichten. Zum Beispiel die vom Jungen mit den heroinabhängigen Eltern. Oder jene von Dennis J., der kriminell wurde und 2009 von Polizisten im brandenburgischen Schönfließ erschossen wurde. Während sie erzählend durch die Straßen Neuköllns geht, kommt ein kleiner, grauer Mann vorbei. Dessen Sohn, erzählt die Journalistin, brach vor Jahren auf dem Sportplatz zusammen und war sofort tot. Der Mann nickt ihr zu, sie grüßt auf Türkisch zurück.

Die Journalistin weiß, was sie den Menschen hier mit ihrer Arbeit zumutet. Und auch, was sie sich zumutet. Die einen betrachten sie als Nestbeschmutzerin: eine Türkin, die Türken kritisiert. Viele davon vermuten fälschlicherweise, sie sei Kurdin, eine klassische Verräterin eben. Aktuell wird ihre Arbeit auf der Webseite turkishpress.de in einen Zusammenhang mit dem Massenmord in Norwegen gestellt. Balci sagt, von den Richtigen gehasst zu werden, sei eine Bestätigung für ihre Arbeit, aber nicht die einzige.

Schwierig ist es für sie, von den Falschen geliebt zu werden. NPD-Mitglieder hätten ihre Schulhof-Reportage verlinkt, erzählt Balci. Schließlich ging es um kriminelle Ausländer. Doch die Journalistin lässt sich nicht beirren. "Meine Aufgabe ist es zu zeigen, was schief läuft," Dann verschwindet sie im bunten Getümmel der Karl-Marx-Straße. In ihre Heimat, die ihr Thema ist.

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