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"Guardian":Nummer kleiner

Bald nicht mehr im "Berliner" Format? Der "Guardian" soll angeblich handlicher werden.

(Foto: Leon Neal/AFP)

Erscheint die Zeitung demnächst im Tabloid-Format wie die britischen Boulevard-Blätter? Das berichtet jedenfalls der "Daily Telegraph".

Von Alexander Menden

Der Printausgabe des britischen Guardian steht anscheinend eine Metamorphose bevor. Wie der Daily Telegraph berichtet, wird die letzte verbliebene linksliberale Tageszeitung des Landes demnächst im sogenannten "Tabloid"-Format gedruckt. Der Guardian würde damit vom Berliner Format, 315 mal 470 Millimeter, auf 285 mal 400 Millimeter schrumpfen. Diese Größe haben im Vereinigten Königreich traditionell Boulevardzeitungen (tabloids) wie die Sun und der Daily Mirror; aber auch die Times erscheint bereits seit 2003 in dem handlicheren Umfang. Deutsche Beispiele sind die Hamburger Morgenpost oder das Handelsblatt.

Dem Bericht des Telegraph zufolge befindet sich der Guardian derzeit in Verhandlungen über die Auslagerung des Drucks an die Verlagsgruppe Trinity Mirror. Sie betreibt Druckerpressen an fünf Standorten in England und Schottland. Damit sollen offenbar die hohen Betriebsverluste des Guardian aufgefangen werden, die zwischen April 2016 und April 2017 etwa 38 Millionen Pfund betrugen. Seit 2005, als der Guardian als erste und einzige britische Zeitung auf das Berliner Format umstellte, ist seine gedruckte Auflage von durchschnittlich 341 000 auf 154 000 Exemplare gefallen. Alle Inhalte der gedruckten Zeitung sind gratis auf der Guardian-Website abrufbar. Um neue Einnahmen zu generieren und Leser an sich zu binden, hat das Blatt 2014 eine Mitgliedergemeinschaft gegründet. Im März feierte die Redaktion das 200 000. Mitglied.

Der Guardian selbst hat sich zu den Plänen noch nicht geäußert. Der Telegraph zitiert jedoch einen Mitarbeiter, demzufolge der Schritt als "finanziell sinnvoll" angesehen wird: Es gebe "trotz sinkender Auflagen nach wie vor eine erheblich Nachfrage nach Qualitätsjournalismus in gedruckter Form".

© SZ vom 13.06.2017
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