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Fernsehen:Grimme-Preis geht erstmals an zwei Netflix-Produktionen

Szene aus How to Sell Drugs Online (Fast)

Die Netflix-Serie How to Sell Drugs Online (Fast) wurde mit einem Grimme-Preis ausgezeichnet.

(Foto: Netflix)

"Skylines" und "How to Sell Drugs Online (Fast)" werden mit je einem Grimme-Preis ausgezeichnet. Außerdem werden Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt geehrt.

Erstmals werden beim Grimme-Preis zwei Netflix-Produktionen ausgezeichnet: Die Serie How to Sell Drugs Online (Fast) und die Dramaserie Skylines. Außerdem erhalten Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf, die gerade mit Fälschungsvorwürfen zu einer ihrer anderen Sendungen konfrontiert werden, einen Grimme-Preis für ihr Format Joko & Klaas Live - 15 Minuten.Die Preisträger im Überblick:

Fiktion

Neben der von der Kritik gelobten Krimiserie Der Pass (Sky) mit Julia Jentsch werden zwei weitere Serienproduktionen ausgezeichnet: Das Drogen-Drama Skylines (Netflix) und die deutsch-französische Serie Eden (SWR/Arte/Arte France/ Degeto), die sich mit Schicksalen von Migrantinnen in Europa befasst. Die Macher der Serie erhalten den Grimme-Preis Spezial für "das Konzept einer europäischen Erzählung".

Die Filme, die in der Kategorie Fiktion ausgezeichnet wurden, sind der Episodenfilm "The Love Europe Project" (ZDF/ARTE) und das Drama "Hanne" (NDR/ARTE) von Regisseur Dominik Graf, Letzteres als einziger Fernsehfilm. Die Direktorin des Grimme-Instituts, Frauke Gerlach, lobt in Grafs Film "Diversität, innovative Erzählformen und den kritischen gesellschaftlichen Diskurs". Den wünsche man sich als Institut für alle Formate deutlich konsequenter, zumal im Fernsehfilm.

Information und Kultur

In dieser Kategorie geht der Preis an den Dokumentarfilm "Dark Eden" (3Sat/ZDF). Der Film thematisiert die Umweltverbrechen des 21. Jahrhunderts am Beispiel der Ölindustrie in Kanada. Außerdem ausgezeichnet wird der Film "Die Unerhörten - Über den Landtagswahlkampf in der Prignitz" (RBB) sowie die Dokumentation "Wie 'Holocaust' ins Fernsehen kam" (WDR/NDR/SWR).

Das Thema Seenotrettung, das im vergangenen Jahr unter anderem durch die Festnahme von Carola Rackete in den Medien besonders präsent war, wird im Dokumentarfilm "SeaWatch3" (NDR) verhandelt: 21 Tage lang begleiteten die Filmemacher Nadia Kailouli und Jonas Schreijäg Rackete an Bord. Die Jury begründete die Auszeichnung damit, dass der Film alle Geschehnisse in die große Politik einordne und zugleich "dramaturgisch kunstvoll gemacht, aber immer der Wahrheit verpflichtet" sei.

Kinder und Jugend

Die Drehbuchschreiber und Regisseure des Dokumentarfilms "Ab 18! Die Tochter von ..." (ZDF/3sat) werden in der Kategorie "Kinder und Jugend" ausgezeichnet. Einen Grimme-Preis erhält auch die Netflix-Produktion "How to Sell Drugs Online (Fast)". Es ist das erste Mal, dass das Streamingportal für zwei Produktionen mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wird.

Den Grimme-Preis Spezial in der Kategorie Kinder und Jugend erhalten in diesem Jahr Bürger Lars Dietrich und Marti Fischer für die "herausragenden Doppel-Moderationen" der Musikcomedy Leider laut (ZDF).

Unterhaltung

Erstmals wird eine Datingshow mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet, die Produktion Prince Charming (TVNOW), die laut Jury "echte Vielfalt" vermittle.

Außerdem erhält die Sendung Joko & Klaas Live 15 Minuten (ProSieben) einen Grimme-Preis. Die Moderatoren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf sowie die Redaktion geben in der Sendung unter anderem Aktivisten gegen Rechtsextremismus eine Plattform. Moderator Kurt Krömer wird mit seiner Talkshow Chez Krömer (RBB) ebenfalls ausgezeichnet.

Besondere journalistische Leistung

Der Journalist Georg Restle wird stellvertretend für die Redaktion von Monitor (WDR) ausgezeichnet, "für die kontinuierliche und haltungsstarke Berichterstattung über Rechtsextremismus und Rechtsterrorismus", wie es von der Jury hieß. Restle ist seit 2012 Moderator des Programms und wurde im vergangenen Jahr nach einem AfD-kritischen Kommentar von Rechtsextremisten bedroht.

Der Publikumspreis der Marler Gruppe geht in diesem Jahr an die Satire "Der König von Köln" (WDR). Die Marler Gruppe würdigte besonders die darstellerische Leistung von Serkan Kaya, Judith Engel und Joachim Król und nannte den satirischen Film "bestes politisches Kabarett".

Die besondere Ehrung des Deutschen Volkshochschul-Verbandes geht an den Autor und Regisseur Dr. Heinrich Breloer.

Der undotierte Grimme-Preis ist der renommierteste Fernsehpreis in Deutschland. Die Verleihung des 56. Grimme-Preises findet am 27. März in Marl statt.

© SZ.de/tmh
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