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Fernsehen:Grimme-Preis geht an "Männerwelten" und "Drinnen"

Spendierte Sendezeit von Joko und Klaas bei Pro Sieben für Sophie Passmann (r.), Palina Rojinski und das Thema sexualisierte Gewalt, das ist die Idee hinter "Männerwelten".

(Foto: Joko & Klaas/Youtube)

Im Corona-Jahr gibt es Preise für Produktionen über Lockdown, sexualisierte Gewalt und für herausragende Dokus. Besonders geehrt wird die Fernsehjournalistin Caren Miosga.

Bei den diesjährigen Grimme-Preisen dominieren die öffentlich-rechtlichen Sender. 14 der 16 Auszeichnungen gingen an Produktionen oder Akteure von ARD-Anstalten und des ZDF. Als einzige Netflix-Produktion wird Unorthodox ausgezeichnet, außerdem werden die Fernsehjournalistinnen Mai Thi Nguyen-Kim, Isabel Schayani und Caren Miosga geehrt.

Die Preisträgerinnen und Preisträger im Überblick:

Fiktion

Insgesamt fünf Produktionen werden in dieser Kategorie ausgezeichnet. Die Serien Parlament (Cinétévé/Artémis Productions/Cinecentrum fpr One/WDR) sowie Unorthodox (Studio Airlift/Real Film Berlin für Netflix) bildeten Realitäten über Grenzen hinweg ab, so die Jury.

Die Produktionen Für immer Sommer 90 (Florida Film für ARD Degeto) über eine Rückkehr nach Ostdeutschland, Wir wären andere Menschen (Akzente Film & Fernsehproduktion für ZDF) über gewalttätige Polizisten sowie Drinnen - Im Internet sind alle gleich (btf/eitelsonnenschein für ZDF - Das kleine Fernsehspiel/Quantum und ZDFneo) über das Home-Office erzählten deutsche Biografien zwischen Ost und West, Lockdown und Videokonferenz sowie Fassade und Trauma.

Information und Kultur

In dieser Kategorie geht der Preis an die Dokumentarfilme Loveparade - Die Verhandlung (DOCDAYS Productions/Arpa Films für WDR/ARTE), Der Ast, auf dem ich sitze (Bildersturm Filmproduktion für ZDF/3sat) und Vernichtet - Eine Familiengeschichte aus dem Holocaust (Schmidt & Paetzel Fernsehfilme für rbb/HR/NDR). Für Grimme-Direktorin Frauke Gerlach sind die Dokumentarfilme beste Beispiele dafür, "wie hervorragende Autorinnen und Autoren ganz unterschiedliche Zugänge finden, um gesellschaftliche Zusammenhänge zu erfassen und uns eindringlich, fokussiert und nuanciert zu informieren". Mit Blick auf die Debatte über die in Teilen nachgestellte Dokumentation Lovemobil wird die Grimme-Direktorin mit den Worten zitiert: "Angesichts der aktuellen Debatte um manipulierte Dokumentationen sind wahrhaftige Produktionen, die journalistische Standards strikt einhalten, wichtiger denn je."

Mit einem Grimme-Preis Spezial in dieser Kategorie wird Isabel Schayani ausgezeichnet, für "ihre kompetente, empathische und im deutschen Journalismus singuläre Berichterstattung aus Moria".

Kinder und Jugend

Auch in dieser Kategorie wurde das Wettbewerbsjahr als "besonders stark" wahrgenommen. Ausgezeichnet werden der Kurzfilm Masel Tov Cocktail (Filmakademie Baden-Württemberg für SWR/Arte) und unter den Kinderproduktionen Die Sendung mit dem Elefanten - Wir kriegen ein Baby (WDR/CMTZ/Flachbild Filmproduktion für WDR).

Den Grimme-Preis Spezial in der Kategorie Kinder und Jugend erhält in diesem Jahr die Schauspielerin Mina-Giselle Rüffer für ihre "herausragende Darstellung der "Nora" in Druck Staffel 5 (Bantry Bay Productions für funk/ZDF).

Unterhaltung

In der Kategorie Unterhaltung kürte die Jury Produktionen, die "durch ihre Unberechenbarkeit das Publikum überraschen und herausfordern". Dazu zählen Die Carolin Kebekus Show (btf/UnterhaltungsFlotte TV für WDR) sowie Noch nicht Schicht (Agentur ZweiR für ZDF/3sat).

Außerdem gehören erneut Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf zu den Preisträgern, für das Special 15 Minuten Joko & Klaas - Männerwelten (Florida Entertainment für Pro Sieben). In der Sendung geht es um sexuelle Gewalt und Übergriffe auf Frauen.

Besondere journalistische Leistung

Die Journalistin Mai Thi Nguyen-Kim wird ausgezeichnet, "für ihre sowohl wissenschaftlich hochkompetente als auch breitenwirksame Informationsvermittlung zum Thema Corona in ihrem Funk-Format maiLab (funk/SWR) sowie bei ihren Moderationen von Quarks - Corona in 5 Minuten (WDR/funk)", wie es von der Jury hieß. Die 33-Jährige war im vergangenen Jahr für ihre Aufklärungsarbeit bereits zur Journalistin des Jahres gekürt worden.

Der Publikumspreis der Marler Gruppe geht in diesem Jahr an Afghanistan. Das verwundete Land (Looksfilm für NDR/Arte). Die Marler Gruppe würdigte den Doku-Mehrteiler als einen "detailreichen historischen Exkurs, wie die Zuschauer*innen ihn eher selten zu sehen bekommen".

Die besondere Ehrung des Deutschen Volkshochschul-Verbandes geht an die Fernsehjournalistin Caren Miosga. "Als Anchor-Woman der Tagesthemen verschafft sie uns insbesondere mit ihren Interviews den bestmöglichen Überblick und das nötige Verständnis für das rasante und komplexe Geschehen in Deutschland und in der Welt", heißt es in der Begründung der Jury.

Der undotierte Grimme-Preis ist der renommierteste Fernsehpreis in Deutschland. Die Verleihung des 57. Grimme-Preises findet am 27. August statt.

© SZ/cag
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