Gregor Gysi im Interview Gysi über Böhmermann: "Habe ihm gesagt, dass ich das Gedicht unmöglich finde"

Gregor Gysi als erster Böhmermann-Gast nach der Fernsehpause? Passt gut - ist aber dennoch Zufall.

(Foto: Michael Kappeler/dpa)

Der Politiker ist Gast in Jan Böhmermanns erster Sendung nach der Erdoğan-Affäre. Er kritisiert und verteidigt den Satiriker zugleich.

Interview von Cornelius Pollmer

Weil Gregor Gysi der erste Gast von Jan Böhmermann bei dessen TV-Rückkehr ist, wollen alle mit ihm reden. Gysi sieht darin sogar Parallelen zum Leben.

SZ: Herr Gysi, in der ersten Sendung von Jan Böhmermann nach dem Erdoğan-Wahnsinn sind Sie zu Gast, ein obrigkeitsfrecher Jurist. Das kann kein Zufall sein.

Gregor Gysi: Es ist leider ein völliger Zufall, denn ich hatte ihm schon vor Wochen zugesagt, als es den ganzen Vorfall noch gar nicht gegeben hatte. Ich sah jetzt aber auch keinen Grund, nicht hinzugehen.

War es ein für Sie seltsamer Besuch, weil neben Böhmermann gegenwärtig nur Nebenrollen zur Verfügung stehen?

Es war schon ein bisschen komisch, aber nicht wegen der Nebenrolle, sondern weil ich gerne auch über sein Gedicht sprechen wollte. Wollte er aber weniger, habe ich aber trotzdem gemacht.

Wie?

Ich habe ihm gesagt, dass ich das Gedicht unmöglich finde, weil es alle Vorurteile bedient, wenn man das Wort "Erdoğan" mal durch "Muslim" oder "Türke" ersetzt. Ich habe gesagt, dass die Meinungs-, Presse- und Kunstfreiheit unbedingt zu schützen ist. Und drittens, Erdoğan ist nicht souverän. Ich bin auch schon mal beleidigt worden, aber da habe ich keinen Strafverfolgungsantrag gestellt. Das heißt aber nicht, dass mich jetzt alle beleidigen sollen!

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Wenn Böhmermann Ihr Mandant wäre, was würden Sie ihm raten?

Ich habe ihm gesagt: Wenn ich Ihr Anwalt wäre, ich würde Ihnen die Leviten lesen - und nach außen ganz klar Ihren begründeten Freispruch fordern.

Bei der Aufzeichnung gab es Taschenkontrollen und Polizeischutz. Eher schwierige Bedingungen für eine lustige Sendung.

Ach, das habe ich alles gar nicht mitgekriegt, meine Taschen wurden jedenfalls nicht kontrolliert. Für mich war nur einer vom BKA dabei. Und im Publikum war wirklich gute Stimmung, die jungen Leute haben gefeiert!

Sie sind nicht gerade selten im Fernsehen. Ist Ihnen ein Auftritt in Erinnerung, der so viel Interesse nach sich gezogen hätte?

Eher nicht, und der Witz ist, dass es ja keine Sendung ist, die bislang von staatspolitischer Bedeutung gewesen wäre.