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Gratis-Fotos von Getty:Geschenke für alle

Couple Kisses During Vancouver Riot

Zwei Jugendliche küssen sich während der Eishockey-Ausschreitungen 2011 in Vancouver. Das Foto kann jetzt jeder kostenlos auf seiner Webseite zeigen.

(Foto: Rich Lam/Getty/AFP)

Von Youtube lernen: Jetzt zeigt auch die Bildagentur Getty, warum Teilen im Netz ein Geschäftsmodell sein kann. Die Blogger freut's - fürs Erste.

Die World Press Photo Awards sind für Fotografen das, was die Pulitzer-Preise für ihre schreibenden Kollegen sind. Mehr geht eigentlich nicht. Die Fotografen der Bildagentur Getty haben allein in den vergangenen acht Jahren 30 davon gewonnen.

Das erzählt einiges über das Niveau, das bei Getty herrscht. Die Bildagentur gehört, was Reportagefotografie betrifft, in eine Kategorie mit AFP und Reuters, darüber hinaus besitzt oder vermittelt sie gigantisch viele Rechte an Stock-Fotos, also an Aufnahmen, die zum Beispiel im Marketing oder in Werbeanzeigen ihre Verwendung finden.

Getty ist also eine Universalagentur, sie lebt davon, diese Bilder weltweit zu lizenzieren, es also Redaktionen, Unternehmen oder auch Privatpersonen gegen Geld zu erlauben, die Bilder zu verwenden. Von den Einnahmen werden wiederum die Fotografen bezahlt.

Doch Anfang März hat sich Getty dazu entschieden, Millionen Bilder allen gratis zur Verfügung zu stellen, die mit den Fotos kein Geld verdienen wollen. Darunter sind aktuelle Reportageaufnahmen, wunderbare Bilder, die jede Zeitung schmücken würden, von Barack Obamas Staatsbesuchen bis zu Bildern von klassischen Konzerten. Sogar einige der preisgekrönten Aufnahmen sind kostenlos zu haben. Das ist im Bilder- und im Rechtegeschäft ein ziemlich radikaler Wandel. Dass Getty ihn mutig vollzieht, sagt viel darüber aus, wie im Netz Geld verdient werden kann.

Denn anders als das Wort "gratis" suggeriert, wird es am Ende wohl die Agentur sein, die von ihrer Entscheidung am meisten profitiert. Getty wurde 1995 von Mark Getty mit den Öl-Milliarden seines Vaters gegründet. Die Agentur geht gerne innovative Weg im Digitalgeschäft.

Attraktiv für Blogger

Zuallererst dämmt Getty ein gewaltiges Problem für das eigene Geschäftsmodell ein. Bilder sind im Netz im Bruchteil einer Sekunde kopiert. Wer eine Aufnahme der Agentur ohne zu bezahlen auf einer kleinen, nicht besonders beachteten Webseite verwenden wollte, der konnte das Bild bislang ohnehin ohne großen Aufwand klauen. Exakt deshalb mahnen Bildagenturen bislang vollkommen zu Recht Tausende Nutzer ab, wenn sie die unrechtmäßige Verwendung eines Bildes entdecken. Das ist teuer und ruiniert auf Dauer das Image. Dieses Problem ist fürs Erste gelöst.

Gerade für die Blogger-Zielgruppe, die oft wenig Geld, dafür aber einen großen Bedarf an guten Bildern für ihre Blogs, ist der neue Gratisdeal extrem attraktiv.

Doch Getty wäre nicht halb so innovativ, wenn man dem Prinzip nicht einen doppelten Boden verliehen hätte: Wer die Bilder nutzen möchte, darf sie nicht einfach kopieren. Stattdessen stellt die Firma auf ihrer Webseite eine Option zur Verfügung, mit der man die Bilder auf anderen Seiten einbetten kann. Dort erscheinen sie dann als normales Bild, aber ergänzt um einen Hinweis und einen Link auf Getty.

Bei Youtube abgeguckt

So dürften gerade im semiprofessionellen Bereich immer mehr Menschen von Getty erfahren und zum ersten Mal auf die Seite der Bildagentur gelangen. Gleichzeitig bleibt die Kontrolle über das Bild an sich beim Rechtevermittler und nicht bei demjenigen, der das Bild anzeigt.

Sollte Getty das Bild löschen oder es sich anders überlegen, verschwindet es einfach von allen Seiten, auf denen es gerade eingebettet ist. Und sollte Getty sich eines Tages entschließen, zusammen mit den Bildern Werbung anzuzeigen, hat die Agentur eine neue Einnahmequelle mit extrem hoher Reichweite.

Abgeguckt hat sich die Bilderfirma dieses Prinzip fraglos bei Youtube. Die Google-Tochter erlaubt schon lange das Einbetten ihrer Videos auf externen Webseiten, solange der Rechteinhaber des Videos (typischerweise der Nutzer, der es auf Youtube geladen hat), nichts dagegen hat.

Mit dem Prinzip macht Youtube bislang gute Erfahrungen: Marke und Inhalte sind so auch bei jenen Nutzern bekannt, die selbst nicht auf Youtube gehen würden. Könnte gut sein, dass es eines von mehreren Geschäftsmodellen der Zukunft ist.