Gottschalk-Nachfolge bei Wetten dass ..?:Topjob mit Risiken

Wetten, dass ..? findet nicht selten einen publizistischen Widerhall, der an die Dimension aktueller Krisenberichterstattung erinnert. Die Fernsehshow ist alles andere als einfach. Hape Kerkeling hat das erkannt - das Risiko des Scheiterns als Gottschalk-Nachfolger überlässt er anderen.

Hans Hoff

Macht er's oder macht er's nicht? Diese Frage hat die Deutschen in den vergangenen Wochen so stark bewegt wie das Rätsel, ob Griechenland pleitegeht. Übernimmt also Hape Kerkeling Wetten, dass . . . ? im ZDF? Oder übernimmt er es nicht?

Wetten, dass..?

Thomas Gottschalk und Hape Kerkeling am Samstag bei Wetten, dass...?. Kerkeling macht es nicht.

(Foto: dapd)

Die Antwort gab der Unterhalter, der auch viel bei RTL oder Sat 1 zu sehen war und als Buchautor die Bestsellerliste dominierte, am Samstag in der ZDF-Show gleich selbst: Er sagte ab. Kerkeling will sich lieber auf andere Projekte konzentrieren. Und damit setzt das bundesweite Quiz erneut ein, ob es überhaupt jemanden gibt, der Thomas Gottschalk, 61, ersetzen könnte - jenen Mann, der mehr als zwei Jahrzehnte lang die Sendung moderiert hat.

Das Nachfolge-Thema behält damit seine Brisanz. Es wird wohl in den nächsten Wochen noch mehr diskutiert werden als die Frage, ob Peer Steinbrück wirklich der beste aller möglichen Kanzlerkandidaten der SPD sei. So ist das nun einmal bei Wetten, dass . . . ?, der letzten der einst großen Samstagabend-Shows, die das Volk vor dem Bildschirm vereinten. Sie ist bislang eine deutsche Institution - und neben Tatort und Fußball-Länderspielen das letzte Lagerfeuer, an dem sich Generationen noch begegnen. Die letzte Ausfahrt vor dem Internet, wo sich die Interessen aufteilen auf Tausende Blogs, Websites und Portale.

Sieben Millionen Zuschauer und mehr lockt Gottschalk noch immer, auch wenn es früher viel mehr Zuschauer waren. Und noch immer findet Wetten, dass . . . ? nicht selten einen publizistischen Widerhall, der an die Dimension aktueller Krisenberichterstattung erinnert. Das ist eben keine einfache Fernsehshow. Der kluge Kerkeling hat das erkannt und sich lieber nicht dem Risiko des Scheiterns auf der ZDF-Bühne ausgesetzt.

Jeder, der sich diese Moderation aufhalst, könnte leicht scheitern. Diese Erfahrung hat der weitgehend vergessene Wolfgang Lippert gemacht, der 1992 für kurze Zeit Gottschalk ersetzen musste. Über kurz oder lang wird der Neue gemessen werden an den ganz großen Zeiten von Wetten, dass . . . ?, am schlagfertigen Gottschalk, der mit seinem Spontan-Witz wie kein anderer große Freiräume bespielen kann. Kerkeling wäre eher ein solider Handwerker gewesen, kein kreativer Goldschopf. Bleibt also die Frage, wer es stattdessen machen könnte, wie also der "Plan B" des ZDF aussieht.

Einer, der in diesem Plan vorkommen könnte, ist Markus Lanz. Er arbeitet schon fürs ZDF, als Talker in späten Abendstunden und müht sich dort nach Kräften, seine gelegentlich penetranten Nachfragen frech erscheinen zu lassen. Dem Südtiroler könnte, wie zuletzt bei Wetten, dass . . . ? gehabt, die Schweizerin Michelle Hunziker assistieren.

Immer wieder taucht in möglichen Besetzungslisten auch Barbara Schöneberger auf, wobei stets vergessen wird, dass sie noch keiner Show zu Quotenerfolg verholfen hat. Genannt wird auch Anke Engelke, mit Verweis auf ihre souveräne Arbeit beim Eurovision Song Contest. Die ZDF-Kraft Jörg Pilawa ist ebenfalls im Gespräch, obwohl er sich bislang wenig geneigt zeigte. Und Zeit hätte auch Johannes B. Kerner, der seine Sat-1-Show zum Jahresende abgibt, und der vorher beim ZDF gewirkt hat. Aber auf dem Lerchenberg, der Senderzentrale in Mainz, wirkt er wie ein Held von gestern. Also Markus Lanz?

Was ist aber, wenn Thomas Gottschalk mit seiner Vorabendsendung in der ARD im nächsten Jahr scheitert? Dann kommt bestimmt einer auf die Idee, der Mann solle zurück zu jener Fernseh-Show, die sein Leben war.

© SZ vom 07.11.2011/plin
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