"Gottschalk Live" in der ARD Es wird immer enger

Thomas Gottschalks Vorabend-Wagnis versinkt immer mehr im Quotentief, in der ARD mehren sich kritische Stimmen. Die Produzenten versuchen, die Lage glattzubügeln: Kurzfristig soll es kein neues Konzept für "Gottschalk Live" geben, stattdessen solle sich die Sendung stetig weiterentwickeln. Man weiß, wie so etwas endet.

Von Christopher Keil

Über das Gerücht im Besonderen und über Spekulationen wird gerade wieder philosophiert. Der bedeutende Fußball-Klub FC Bayern München, in Person seines Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge, verbietet sich künftig beispielsweise jeglichen "Gerüchte-Journalismus". Das ist aus vielen Gründen komisch, auch wegen der Wort-Koppelung.

Thomas Gottschalk kann sich live noch so anstrengen und gute Miene zum bösen Spiel machen - Sendung und Sendeplatz scheinen einfach nicht zu passen.

(Foto: dapd)

An diesem Dienstag mischte sich Ute Biernat unters Volk. Die Geschäftsführerin von Grundy Light Entertainment hat sich als Produzentin von Deutschland sucht den Superstar oder Das Supertalent einen guten Namen gemacht. Sie wurde in Talkshows wie Maybrit Illner zum Stand der Unterhaltung im deutschen Fernsehen vernommen. Derzeit ist sie verantwortlich für die Late Light Show, die Thomas Gottschalk seit dem 13. Januar im Vorabend der ARD moderiert.

Bisher läuft Gottschalk Live nicht rund, obwohl Gottschalk das macht, was er immer macht. Die Quote ist niedrig. Dafür ist der Bedarf groß, der Sendung Profil zu verpassen. Am kommenden Montag werde alles anders, vermeldete ein Branchendienst, ein Relaunch sei geplant. Jetzt teilt die Produzentin öffentlich mit: "Entgegen anderslautender Spekulationen in den Medien wird es kurzfristig kein vollkommen neues Konzept geben, sondern die Sendung soll sich langsam aber stetig weiterentwickeln."

Konzept bis zur Sommerpause? Von wegen!

Man könnte spekulieren, etwa darauf, dass Biernat sich und die Redaktion vor erneut zu großen Erwartungen schützen möchte. Als Gottschalk Live erstmals lief, schauten viereinhalb Millionen Menschen zu. An diesem Montagabend waren es 1,34 Millionen. Das ist mittlerweile der Standard.

Deshalb wurde vor drei Wochen Markus Peichl als neuer Redaktionsleiter engagiert. Mit seiner Verpflichtung wurde die Selbstfindungsphase der Show symbolisch für beendet erklärt. Peichl, früher Redaktionsboss bei der ARD-Talkshow Beckmann, versprach umgehend, bis zur Sommerpause ein Konzept zu schmieden, das sich im Herbst auf die Quoten auswirke.

Doch damit ist beinahe nicht mehr zu rechnen, damit, dass Gottschalk Live noch bis Herbst zu sehen ist. Offenbar gibt es eine Intendantenmehrheit im Ersten, die das Experiment am Vorabend beenden möchte, ausdrücklich nicht aber die Zusammenarbeit mit Gottschalk. Zwei Monate nach Sendestart hat sich bei vielen Senderchefs die Ansicht verfestigt, Gottschalk Live stehe so stabil bei fünf Prozent, dass mit mehr Marktanteilen auch auf Dauer nicht zu rechnen sei.

Plötzlich ist wieder davon die Rede, dass Monika Piel, Chefin des Westdeutschen Rundfunks (WDR) und bis Dezember Vorsitzende der ARD, Gottschalks Verpflichtung als fast persönliche Angelegenheit geführt hatte. Man widersprach ihr damals zwar nicht, doch es gab Vorbehalte. Die wuchsen, als wegen Gottschalk Live der Vorabend umgebaut werden musste, was im Ergebnis Verluste brachte.

Ute Biernat, die Produzentin, erklärt: "Dass man es nicht jedem Zuschauer auf Anhieb Recht machen kann, liegt in der Natur der Sache, wenn man es wagt, alte Sehgewohnheiten aufzubrechen. Mit Unterstützung des WDR wird das Team von Gottschalk Live weiter daran arbeiten, eine unterhaltsame Sendung mit einem erfahrenen Moderator zu etablieren, der sich (. . .) traut, neues Terrain zu erobern." Das klingt, als habe Biernat das Gottschalk-Live-Barometer gelesen und auf ihm schwere Tiefausläufer erkannt.

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