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Aus für "Goldene Kamera":Aus der Zeit gefallen

Aus für Goldene Kamera als Fernsehpreisgala

2006 lieferte der von einer Krebserkrankung gezeichnete Rudi Carrell bei der "Goldenen Kamera" mit leiser Stimme seine letzte große Show.

(Foto: Peer Grimm/dpa)

Die "Goldene Kamera" war einmal ein richtig großer Preis, wichtige Momente der Fernsehgeschichte ereigneten sich hier. Doch die Verfallserscheinungen waren in letzter Zeit unübersehbar.

Jetzt steht Bambi auf der roten Liste. Jetzt da man weiß, dass das Kitz bald allein im Mediendschungel klarkommen muss. Bisher konnte Bambi darauf vertrauen, dass im Frühjahr die Hörzu im ZDF ihre Goldene Kamera vergibt, bevor im Herbst die Kitz-Verleihung in der ARD erfolgt. Seit Donnerstag weiß man nun, dass die Zweisamkeit der bekanntesten deutschen Medienpreise endlich ist: Die Funke-Mediengruppe gab bekannt, dass die für den 21. März 2020 geplante Verleihung der Goldenen Kamera die letzte sein wird.

Es sei an der Zeit, neue Optionen für die Marke Goldene Kamera auszuloten, hieß es aus dem Essener Verlag, der die Veranstaltung 2013 durch den Ankauf der bis dahin stets von Springer herausgegebenen Hörzu übernommen hatte. Über neue Optionen spricht man ja gern, wenn man ein historisches Kapitel abschließt, aber noch keine Ahnung hat, was man weiter will, dafür aber weiß: wie bisher bloß nicht. Dabei war die Goldene Kamera mal ein richtig großer Preis, einer, über den man in Deutschland sprach.

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Sicher noch nicht nach der ersten Verleihung, die 1966 vor 100 geladenen Gästen in einem Hamburger Hotel stattfand. Hans-Joachim Kulenkampff und Inge Meysel wurden damals als beliebteste TV-Stars prämiert, in Abwesenheit von TV-Kameras. 752 vergebene Trophäen vermelden die Ausrichter inzwischen, nicht wenige sind mit großen Momenten der Fernsehgeschichte verbunden.

Einer davon war 2006 der Auftritt von Rudi Carrell. Von seiner Krebserkrankung gezeichnet, stand der Entertainer auf der Bühne und lieferte mit leiser Stimme seine letzte große Show. "Es war eine Ehre, in diesem Land und vor diesem Publikum Fernsehen machen zu dürfen", sagte er. Ein paar Monate später starb Rudi Carrell.

Ein Affentanz, ein falscher Ryan Gosling, ein dicker SUV: Der frühere Glanz ist Vergangenheit

Irgendwie war jedoch damals schon klar, dass ein Preis wie dieser über kurz oder lang aus der Zeit fallen würde. Man hat das absehbare Ende dann noch eine Weile ganz gut kaschiert, hat Preise vergeben an jeden Hollywood-Star, der zufällig in der Gegend war, hat Galas ausgerichtet, vom ZDF übertragen.

Spätestens 2017 wurden die Verfallserscheinungen dann unübersehbar. Da definierten auf der Bühne die Schauspieler Annette Frier und Matthias Matschke mit einem Affentanz den Begriff Fremdscham neu. Sie tanzte um ihn herum, er machte Grunzlaute, die US-Kollegen Nicole Kidman und Colin Farrell im Publikum machten ratlose Gesichter. Und dann führten Joko und Klaas die Organisatoren am Nasenring durch die Showmanege. Die Comedians hatten einen Doppelgänger von US-Schauspieler Ryan Gosling eingeschmuggelt, hatten durchgesetzt, dass der eine Goldene Kamera nur fürs Erscheinen erhielt und den Preis vollends entzaubert.

In diesem Jahr ging er an Greta Thunberg. Die warb für einen Wandel in der Umweltpolitik, bevor eine Nachwuchsschauspielerin einen dicken SUV als Geschenk erhielt. Prominente Gäste zu gewinnen wurde immer schwieriger, in Zeiten, da sich alle bei Instagram nahbar machen wollen, funktionieren Glitter und Glamour auf großer Bühne immer weniger. Die Quoten schmolzen, immer wieder wurde Kritik laut, der Sender lasse sich für Verlags-PR einspannen. Lange wäre die Zusammenarbeit von Funke Mediengruppe und ZDF wohl nicht mehr gutgegangen. Da wirkt es wie ein Befreiungsschlag der Essener Manager, die Reißleine gezogen zu haben.

Für die letzte Veranstaltung hat man als Trauerredner Thomas Gottschalk eingeladen. Wird nun auch ums Bambi gezittert, das ebenfalls massiv Zuschauer verliert? Im November wird es wieder verliehen, erstmals in Baden-Baden. Burda-Vorstand Philipp Welte sagt, dass es Bambi auch in Zukunft geben wird.

Anm. d. Red.: In einer früheren Version dieses Textes wurde gemutmaßt, Burda könne sich über die Zukunft des Bambi sorgen. Dies hat der Verlag dementiert. Die entsprechende Stelle ist deshalb geändert.

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