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Glossar zum Dschungelcamp:Lagerfeuer, Nacktschnecke, Palazzo Versace

Lagerfeuer: darf nicht ausgehen - allein schon, weil der Feuerschein das einzige kosmetische Hilfsmittel ist, dass die Bewohner im Dschungel haben. Außerdem eignet sich die Atmosphäre wunderbar für Geständnisse aller Art. Süffige Bettgeschichten (Brigitte Nielsen), traumatische Kindheitserinnerungen (Olivia Jones) oder die Rückschau einer verurteilten Totschlägerin (Ingrid van Bergen) - nichts hilft mehr beim Zuschauervoting (-> -XX).

Moderatoren: heißen Sonja Zietlow und Daniel Hartwich. Letzterer ersetzt seit 2013 den verstorbenen Dirk Bach - und ist zur Überraschung manches Beobachters ein durchaus würdiger Nachfolger (hier ein Porträt der "Moderations-Maschine" von RTL). Und Zietlow? Sagt herrlich diabolische Sätze wie diese (nach dem Finalsieg von Joey Heindle beim Dschungelcamp 2013): "Man führe ihn vor - nein, das haben wir ja schon getan. Man führe ihn zu uns."

Nacktschnecke: ursprünglich der Spitzname von Ex-Kandidatin Micaela Schäfer (2012). Die Rolle wird aber jedes Jahr neu besetzt - so wie die des TV-Tarzans. Was wäre eine stolze Trash-Sendung wie das Dschungelcamp schließlich ohne Möpse und Muskeln?

öffentlich: wird hier alles. Von Magen-Darm-Problemen bis zu medialen Erzähllogiken. So spielen die Macher und -> Moderatoren ganz ungeniert Gott über Prominenz und Image der Kandidaten - und thematisieren das auch. Grandios.

prominent: ist hier niemand. Auf der aktuellen Kandidatenliste stehen unter anderem die Tochter eines Schlagerstars (Patricia Blanco), eine Ex-Glücksfee (Maren Gilzer) und der Ex-Assistent eines Showmoderators (Walter Freiwald).

Quote: ist - dafür, dass die Sendung offiziell kaum einer guckt - überraschend hoch. Im vergangenen Jahr schauten durchschnittlich 7,95 Millionen Menschen zu; in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 59-Jährigen lag der Marktanteil bei knapp 40 Prozent.

Regen: neben Hunger und Langeweile für die Kandidaten ein weiteres Übel des Dschungels. Aus Zuschauersicht ist das Wetter eine weitere Variable, die das Dschungelcamp zur spannenden Sozialstudie macht. Wer trotzt dem Regen? Und wer trotzt rum?

Schadenfreude & Scham: mutmaßlich Hauptmotivationen, um einzuschalten. Vermehrt zu hören: "Gucke ich eigentlich nie. Und wenn, dann ironisch."

Telefon: erlaubt den Kandidaten die Kontaktaufnahme mit der Außenwelt. Meint in diesem Fall: mit den Zuschauern.

Urwald-Kulisse: ist vor allem ein theoretisches Konzept. Angeblich liegt der Drehort des Dschungelcamps im australischen Bundesstaat New South Wales: Dort gibt es tatsächlich Urwald - doch das Naturstudio, in dem unter anderem auch die britische Ausgabe des Formats gedreht wird, ist selbstverständlich frei von störendem Unterholz und gefährlichen Tieren.

Versace, Palazzo: Sehnsuchtsort der Campbewohner. In das äußerst geschmacklose Luxushotel geht es zurück, wenn die Zuschaueranrufe (-> -XX) nicht gereicht haben und der Kandidat fliegt.

Wasserfall: gibt es natürlich auch in der -> Urwald-Kulisse. So ein Wasserfall liefert bei kluger Kandidatenvorauswahl (-> Nacktschnecke) ohne großes Zutun erotikfilmchenfähiges Material.

-XX: steht für die jeweilige Durchwahl des Kandidaten, die fett auf jedem Oberbekleidungsstück prangt. Neben Werbung (-> Quote) verdient RTL auch über die täglichen Zuschauervotings.

Zicke: vielleicht die wichtigste Rolle im Camp. Ohne Zicke kein Zoff. Wie man diesen Part brillant erfüllt, machte im vergangene Jahr Larissa Marolt vor. Die fühlte sich am Ende verpflichtet, das eigene Genie einzuordnen: "Ich bin normalerweise nicht so. Bei seriösen Projekten könnt's mich echt noch buchen."

© SZ.de/cag/lala
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