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Glossar zum Dschungelcamp:Tarzan und Shame

Dschungelcamp, Sonja Zietlow und Daniel Hartwich

Diabolische Beobachter: die Dschungelcamp-Moderatoren Daniel Hartwich und Sonja Zietlow.

(Foto: RTL / Stefan Gregorowius)

Die einen hassen es inbrünstig. Die anderen gucken es - ironisch, versteht sich. Aber ignorieren lässt sich das Dschungelcamp in den kommenden 16 Tagen kaum. Eine Gebrauchsanweisung.

Anschauen? Niemals, never ever, nur über meine Leiche: meistgehörter Satz in Fahrstühlen, wenn das Gespräch auf -> Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!, auch bekannt als das Dschungelcamp, kommt. Schließlich geht es hier um das Hassobjekt schlechthin aller Kulturpessimisten: Der festgebackene Bodensatz der Prominenz feiert auf RTL (RTL!!!) eine 16-tägige Orgie des Banalen, und lässt sich dabei beobachten.

Camp: liegt in einer australischen -> Urwald-Kulisse. Besteht aus einer Feuerstelle und kameratauglich darum verteilten Pritschen. Weitere Drehorte: das Klohäuschen (dient zur Verrichtung der körperlichen Notdurft) und das -> Dschungeltelefon (dient zur Verrichtung der seelischen Notdurft).

Dr. Bob: erklärt den Kandidaten die Gefahren ihrer Dschungelprüfungen und hat bei resultierender Hyperventilasis ein Mittelchen parat. Der Busch-Doktor in Cargohose ist natürlich genauso ausgedacht wie die Bedrohung durch Schlangen und Spinnen. Dr. Bob heißt in Wirklichkeit Robert McCarron und ist ausgebildeter Maskenbildner (unter anderem war er schon für Das Piano und Matrix tätig).

Ekelprüfung: ein Grund für das schlechte Image der Show - aber auch für den Erfolg beim Zuschauer (-> Schadenfreude und Scham). Wenn die Kandidaten als Tagesaufgabe in Truthahn-Hoden beißen, dass es spritzt, hält die Kamera genüsslich drauf. Tatsächlich gibt es aber weniger Ekelprüfungen als mancher Kritiker unterstellt. Bei den Kandidaten sind die Herausforderungen an den eigenen Würgereflex durchaus beliebt: Wer hier nicht zimperlich ist, hat erfahrungsgemäß gute Chancen auf den Titel -> Dschungelkönig/in.

Feuilleton: verachtet das Dschungelcamp im Gros immer noch (-> Anschauen? Niemals, never ever, nur über meine Leiche). Vereinzelt wagten sich in den vergangenen Jahren aber Intellektuelle vor, die die Metaebene des Formats goutieren: Wohl keine andere Sendung im deutschen Fernsehen ist eine so akkurate wie bitterböse Persiflage auf die Medienmaschinerie (hier ein Gastbeitrag von Roger Willemsen zum letztjährigen Dschungelcamp).

Gefahr: ist im australischen Fernsehdschungel omnipräsent - aber nicht in Tierform. Die öffentliche Blamage ist nur einen Einspieler entfernt. Die Macher geben mit Vorliebe solche Kandidaten dem Spott preis, die denken, sie hätten die Mechnismen der Show verstanden und könnten sie für ihre Zwecke nutzen. So gab sich Comedian Tanja Schumann im vergangenen Jahr dröge bis apathisch, in der Hoffnung, die Sendung ohne Gagenverlust möglichst schnell verlassen zu können. Doch RTL mobilisierte die Zuschauer - und Schumann wäre fast unfreiwillig -> Dschungelkönigin geworden.

Hoden: stehen eigentlich auf der Speisekarte (-> Ekelprüfung). Können aber dann und wann auch unter einem T-Shirt hervorbaumeln.

Ich bin ein Star, holt mich hier raus: heißt die Sendung offiziell. Wer diesen Satz in der Show ruft, darf vorzeitig zurück in die Zivilisation. Und gilt beim Publikum im besten Fall als Weichei.

Jo-Jo-Effekt: kann nach dem Dschungel auftreten, nicht nur weil die Reis-Bohnen-Hoden-Diät zu Ende ist. Dünn, dick, dünn - so entwickelt sich auch die Geschäftslage der allermeisten Teilnehmer.

König/in: Titel, den es am Ende der 16 Tage zu gewinnen gibt. In Staffel neun geht es von Freitag an um die Thronfolge von Ex- Bachelor-Kandidatin und Erotikunternehmerin Melanie Müller.