Gleichberechtigung Alle für einen Job

Bei der Tageszeitung "Le Parisien" haben sich 77 Frauen symbolisch gemeinsam auf eine vakante Führungsposition beworben. Andere Medien solidarisierten sich mit der Aktion und betonten den Vorbildcharakter von Medienunternehmen.

Von Joseph Hanimann

Bei der französischen Tageszeitung Le Parisien wird inoffiziell gerade ein neues Stellenbewerbungsverfahren ausprobiert. "Bewerbung aus Prinzip" heißt eine spontane Initiative von einigen Journalistinnen des dem Luxuskonzern LVMH gehörenden Blatts. Die Zeitung hat einen leitenden Redakteursposten für die Wochenendausgabe zu besetzen. "Wird wohl wieder ein Mann sein", sagten sich die Journalistinnen und beschlossen, sich in einem symbolischen Akt kollektiv für den Posten zu bewerben. Aus Prinzip. Keine von ihnen habe wohl genau das gesuchte Profil, geben sie zu, doch irgendeine geeignete Frau müsse irgendwo doch aufzutreiben sein.

Alle fünf leitenden Redaktionsposten der überregionalen Ausgabe und die Mehrzahl in den regionalen Ausgaben sind derzeit von Männern besetzt. Die einzige von einer Frau geleitete Redaktionsabteilung ist die des Frauenmagazins La Parisienne. Aus der spontanen Initiative wurde in wenigen Tagen eine Bewegung. Statt der zwei Dutzend erwarteten Unterzeichnerinnen der symbolischen Bewerbung wurden es 77. Weit über hundert Kolleginnen und Kollegen erklärten sich überdies solidarisch. Aus anderen Medien kommt Unterstützung, etwa aus dem Wochenmagazin Nouvel Observateur, bei dem sich 62 Journalistinnen dem Aufruf anschlossen. Ein Medienunternehmen sollte der gesellschaftlichen Entwicklung eher voraus sein als hinterherzuhinken, wird betont.