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Angriffe auf Journalisten:Ein Handbuch für Hilfe

1. Mai in Berlin - Übergriff auf Kamerateam

Die Übergriffe auf Journalisten haben in Deutschland zugenommen.

(Foto: Christoph Soeder/picture alliance/dpa)

Journalistenvereinigungen und Beratungsstellen legen Kodex für Medienhäuser vor

Journalisten sollen mit einem neuen Regelwerk besser vor Gewalt und Bedrohungen geschützt werden. Dazu haben mehrere Organisationen am Donnerstag in Berlin einen "Kodex für Medienhäuser" vorgestellt. Von verbalen oder körperlichen Angriffen betroffene Medienschaffende sollen so frühzeitig Unterstützung etwa von ihren Arbeitgebern erhalten.

Vorgesehen sind laut dem Kodex die Benennung fester Ansprechpersonen bei den Arbeitgebern sowie eine externe, psychologische und juristische Unterstützung von Journalisten, wenn sie aufgrund ihrer Berichterstattung zum Ziel von rechten, rassistischen, antisemitischen, frauenverachtenden oder anderweitig politisch motivierten Bedrohungen, Angriffen oder Gewalttaten geworden sind. Ebenfalls geplant sind die Kostenübernahme von Personenschutz, die Begleitung von Sicherheitspersonal bei Dreharbeiten sowie Hilfe und Kostenübernahme bei etwaigen Wohnungswechsel infolge der Veröffentlichung einer Privatadresse, wie Monique Hofmann von der Deutschen Journalistinnen und Journalisten Union (dju) sagte.

Ein Mittel gegen Einschüchterung soll der Kodex sein

Zu den Initiatoren des Kodex zählen neben der dju auch die Neuen deutschen Medienmacher, "Reporter ohne Grenzen", der Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt und der Deutsche Journalisten-Verband (DJV). Dem Kodex haben sich den Angaben zufolge bereits die Deutsche Presseagentur (dpa), die Frankfurter Rundschau, die tageszeitung, der Spiegel, Die Zeit und Zeit Online angeschlossen. Die vereinbarten Maßnahmen sollen für fest angestellte und freie Kollegen gelten. Weitere Medienhäuser seien aufgerufen, sich anzuschließen.

"Was wir unbedingt vermeiden müssen ist, dass sich Redaktionen und Journalisten in ihrer Arbeit eingeschüchtert fühlen und sich nicht mehr trauen, ihren Job auszuführen", sagte der stellvertretende Chefredakteur von Zeit Online, Sebastian Horn. Für betroffene Kollegen seien Bedrohungen etwa per E-mail oder in sozialen Medien "auf jeden Fall zermürbend". Zuletzt hatte "Reporter ohne Grenzen" für 2020 bundesweit 65 Angriffe auf Medienschaffende und damit eine Verfünffachung gegenüber 2019 registriert. Deutschland wurde in der "Rangliste der Pressefreiheit" von der Kategorie "gut" auf "zufriedenstellend" herabgestuft. Gehäuft Angriffe auf Medienschaffende habe es in den vergangenen Monaten bei der Berichterstattung über die Proteste von Gegnern der Corona-Maßnahmen gegeben, hieß es. Besonders freie Journalisten, die oft wichtige Hintergrundrecherche im Feld Rechtsextremismus machen, seien seit Jahre von rechten Gewalttaten betroffen. Einzelne Journalisten seien akut gefährdet gewesen, erklärte das Bündnis für den Schutzkodex. Medienschaffende, die über Themen wie Flucht und Migration, Rechtsextremismus, Feminismus oder die Corona-Pandemie berichten, "laufen besonders Gefahr, Ziel von Anfeindungen zu werden, die darauf abzielen, ihre Berichterstattung einzuschränken", hieß es.

© SZ/epd
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