Süddeutsche Zeitung

Getötete Kriegsfotografin:Bewegende Trauerfeier für Anja Niedringhaus

Mehr als 600 Menschen sind gekommen, um Anja Niedringhaus auf ihrem letzten Weg zu begleiten: Angehörige, Freunden und Kollegen aus dem In- und Ausland nehmen Abschied von der Fotografin, die in Afghanistan getötet wurde. Ihre verletzte Kollegin meldete sich mit einem Brief zu Wort.

Der Sarg ist mit weißen Frühlingsblumen geschmückt. 600 Menschen sind zur Trauerfeier in die Abteikirche des Klosters Corvey im westfälischen Höxter gekommen. Es sind Angehörige, Freunde und Kollegen von Anja Niedringhaus, die vor einer Woche in Afghanistan erschossen wurde.

Die 48-Jährige, die als Fotografin für die US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP) über die Präsidentenwahl berichtet hatte, wurde am Freitag vor einer Woche in der afghanischen Unruheprovinz Chost nahe der Grenze zu Pakistan von einem Polizisten erschossen. Als Motiv soll er Rache für Nato-Luftangriffe auf sein Dorf angegeben haben.

Niedringhaus' kanadische Kollegin Kathy Gannon, 60, wurde schwer verletzt. Sie wird noch in einer Klinik in Frankfurt am Main behandelt. In einem in der Kirche verlesenen handgeschriebenen Brief sandte Gannon einen letzten Gruß an Niedringhaus, mit der sie jahrelang zusammen auf Reisen war.

"Grauenvolle Fratze" des Krieges gezeigt, aber auch Hoffnung

Niedringhaus sei preisgekrönt nicht nur als Fotografin von Kriegen, sondern auch für ihre "Botschaft der Menschlichkeit", sagte der in Höxter lebende ehemalige Leiter des UN-Umweltprogramms Unep, Klaus Töpfer, in einer Ansprache. Sie habe in ihren Bildern die "grauenvolle Fratze des Hasses und Krieges" gezeigt, aber auch Mitleid und Hoffnung. Niedringhaus habe immer einen Blick für die Gefahren ihrer Arbeit gehabt, sich aber dennoch verpflichtet gefühlt, Kriege ins Bewusstsein zu bringen. Töpfer zitierte Worte der getöteten Fotografin: "Wenn ich es nicht fotografiere, wird es nicht bekannt."

AP-Chefredakteurin Kathleen Carroll erinnerte daran, dass Niedringhaus immer großes Mitgefühl für Menschen gezeigt sowie Mut und Hoffnung verbreitet habe. Pfarrer Bernd Müller betonte in seiner Predigt, die Öffentlichkeit sei heute daran gewöhnt, immer schnell und unmittelbar Fotos von Ereignissen zu bekommen. "Nur selten denken wir an die Person, die unsichtbar für uns hinter der Kamera steht."

Niedringhaus hatte seit den neunziger Jahren aus Kriegs- und Krisengebieten wie Bosnien, Nahost, Irak und Afghanistan berichtet. Für ihre Arbeit erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter gemeinsam mit anderen Fotografen 2005 den amerikanischen Pulitzer-Preis für ihre Bilder aus dem Irak-Krieg.

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dpa/olkl
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