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Gespräch mit Katia Saalfrank:"Ich hätte Lust auf andere Sendungen"

TV-Pädagogin Katia Saalfrank über Trotzphasen, den Dauerbrenner "Super Nanny" und ihre Pläne.

sueddeutsche.de: Sie sind bekannt durch die RTL-Sendung Die Super Nanny. Nun gibt es noch ein Katia Saalfrank Spezial. Dort besuchen Sie wieder Familien, aber die Sendung hat mit Die Super Nanny nichts zu tun, richtig?

Katia Saalfrank: Ja, es handelt sich eher um eine Art Erziehungs-Magazin. Ich gehe in mehrere Familien und informiere über bestimmte Entwicklungen von Kindern, etwa über die sogenannte Trotzphase. Oder auch die Frage: Wie kann ich meine Kinder bei den Hausaufgaben gut unterstützen?

sueddeutsche.de: Könnten Sie sich dieses Format als neue Serie vorstellen?

Saalfrank: Das ist jetzt erst mal eine einmalige Sache, aber für mich wäre so etwas regelmäßig vorstellbar. Das hängt natürlich beim Sender davon ab, auf wie viel Interesse das beim Zuschauer stößt. Ich möchte Verständnis für Kinder und Jugendliche und deren Entwicklungsphasen wecken. Ein Verhalten wird ja bei uns schnell pathologisch gedeutet. Zum Beispiel das Sich-auf-den-Boden-Werfen. Kinder müssen sich aber auch auf den Boden werfen. Es gehört zur Ablösungsphase. Wenn wir verstehen, warum sich ein Mensch verhält, wie er sich verhält, dann haben wir eine Chance, unseren Blick darauf zu verändern.

sueddeutsche.de: Können Sie sich noch andere Formate vorstellen? Etwa einen Talk?

Saalfrank: Generell hätte ich Lust auf andere Sendungen, aber es müsste sich eben vor allem um pädagogische Arbeit handeln, nicht nur um Fernsehen des Fernsehens willen. Wenn ich inhaltlich für das Thema Kinder etwas bewegen kann, ist Fernsehen für mich ein gutes Medium.

sueddeutsche.de: Hört man die Generation der Großeltern, dann haben sich ja Kinder früher nicht auf den Boden geschmissen.

Saalfrank: Das möchte ich mal bezweifeln. Ich glaube, dass sich noch jedes Kind auf den Boden geschmissen hat. Aber man hatte natürlich andere Methoden, damit umzugehen. Die Pädagogik war noch nicht so weit. Früher ging es eher darum, das Verhalten zu unterdrücken und Kinder in den Griff zu bekommen. Das ist aus meiner Sicht problematisch. Gerade die Trotzphase ist wichtig für die Entwicklung von Kindern. Da erfahren sie, dass das eigene Handeln eine Konsequenz hat. Sie entdecken das Wort Nein. Das ist natürlich dann anstrengend für Eltern - die Kinder machen nicht mehr einfach das, was wir wollen! Wenn wir aber verstehen, welche Entwicklung dahintersteckt, haben Eltern dann oft einen Aha-Effekt.

sueddeutsche.de: Der Neurobiologe Gerald Hüther hat in einem Gespräch mit sueddeutsche.de gerade das Erziehungskonzept von Die Super Nanny kritisiert. Sein Vorwurf: Die Kinder werden konditioniert.

Saalfrank: Wahrscheinlich hat er die Sendungen von 2004 gesehen.

sueddeutsche.de: Da gab es die ersten Super Nanny-Sendungen in Deutschland. Wie hat sich die Sendung in den sechs Jahren von damals bis heute geändert?