"Germany's Next Topmodel" auf Pro Sieben Heidi sucht den schönsten Bus

Heidi Klum, Thomas Hayo (links) und Wolfgang Joop suchen wieder einmal Germany's Next Topmodel.

(Foto: Richard Hübner; Pro Sieben)

Schon wieder der gleiche Mist. Dieses Urteil drängt sich auf nach Folge eins, Staffel zehn von "Germany's Next Topmodel". Aber das ist zu einfach. Denn das Konzept wäre genial - würde die Sendung Automobile statt junge Frauen casten.

Von Johanna Bruckner

Hätte ein zehnjähriges Kind die gleiche horizontale Lernkurve wie Germany's Next Topmodel, wären die Eltern wohl versucht, es beim nächsten Urlaub am Rastplatz auszusetzen. Aber halt! Das klingt schon wieder wie eine dieser Verbalkeulen, die draufschlagen, ohne eine Perspektive aufzuzeigen. Die gab es in all den Jahren, die Heidi Klum nun schon auf Mädchenschau geht, zur Genüge. Bewirkt haben sie nichts. GNTM propagiert schamloser denn je fragwürdige Schönheitsideale.

Deshalb an dieser Stelle ein konstruktiver Vorschlag: Warum das Konzept nicht einfach übertragen - von Mädchen auf, sagen wir: Busse? Eine Pilot-Folge anbei. (Anmerkung: Sämtliche Sätze sind so in der aktuellen Sendung gefallen. Der Rest ist frei erfunden.)

Dezember 2014, ein Vorort von Bergisch Gladbach, Heidi Klum und Thomas Hayo stehen auf einem Industrieparkplatz und begutachten Busse.

Heidi: Ich würde am liebsten jetzt shoppen. Was ist denn das für ein geiler Laden?

Thomas: Ich hab' da total Bock drauf.

Heidi: Ich bin mal gespannt, was Wolle dazu sagt.

Thomas: Showtime.

Heidi zieht einen Hochglanzkatalog aus ihrer Hermès-Bag, mehrere Seiten sind mit Post-its markiert. Auf dem Cover: ein schwarzer Luxusliner.

Heidi: Auf dem Foto sieht sie super aus.

Thomas: Wir gucken gleich, ob se was drauf hat.

Heidi: Ich freu' mich. Freuste dich?

Gesucht: Germany's Next Topmobil

Was Heidi und Thomas nicht wissen: Beim heutigen Termin mit dem Produktionsteam geht es mitnichten darum, einen Tourbus für die nächste Castingreise durch Deutschland auszusuchen. Weil Pro Sieben in den vergangenen Jahren immer wieder Ärger wegen massiver Produktplatzierungen hatte, haben die Münchner das Format endgültig verkauft. Staffel zehn wird vom Verband deutscher Automobilhersteller ausgerichtet und als Dauerwerbesendung unter dem Titel Germany's Next Topmobil laufen. Gesucht wird der schönste Bus der Bundesrepublik.

Wolfgang "Wolle" Joop wurde soeben über das neue Konzept informiert. Seine empörte Stimme schallt quer über den Industrieparkplatz.

Wolle: Ich will auch nicht im Sarg Probe liegen!

Der Designer steht mit einer Gruppe aus Pro-Sieben-Produktionsleitung und sämtlichen Spartenchefs der führenden deutschen Autobauer zusammen. Als keiner reagiert, nimmt Wolle die Sonnenbrille ab, wirft einen letzten verächtlichen Blick in die Runde und macht auf dem Absatz kehrt. Er stürmt in Richtung Heidi und Thomas, so schnell ihn seine Cowboystiefel aus Echtschlangenleder über den angefrorenen Asphalt tragen.

Heidi und Thomas unisono: Du siehst super aus.

Wolle: Hier könnt ihr allein übernachten. Ich krieg' Zustände. Von wegen schnuckelig, du.

Heidi: Auch die Nächte im Bus sind nicht ohne.

Thomas: Du hast 'nen Pyjama dabei?

Heidi: Vor zehn Jahren fing alles an.

Wolle will gerade zu einem aufrüttelnden Appell ansetzen, da seine Kollegen den Ernst der Lage nicht zu begreifen scheinen (er weiß nicht, dass die beiden anderen noch völlig ahnungslos sind) - da klatscht Heidi mehrmals in die Hände.

Heidi: Ohne Witz jetzt, wir müssen gehen.

Heidi schiebt die beiden Männer in Richtung eines Luxusliners. Als die beiden am Treppenaufgang zögern, quetscht sie sich ungeduldig durch und besteigt als Erste den Bus.

Heidi: Wenn das Fernsehen da ist, kennt man seinen eigenen Namen nicht mehr.

Wolle: Das Schaukeln, da wird mir schlecht. Selbst 'ne große Yacht, das bisschen Schaukeln ist schlimmer als im Boot.

Heidi: Wo ist der Jacuzzi? Das ist so ein enger Bus.

Thomas: Hier ist zumindest mal 'ne Lounge.

Wolle: Mir wird nicht schlecht im Bus, mir ist nonstop schlecht. Meine Professionalität hält nur die dicken Sachen von der Kotze zurück.

Thomas ist zunehmend begeistert: Müssen wir noch mal im Bikini anschauen. Aber das Gesicht ist echt süß.

Heidi: Yay. Wow. Wow.

Wolle: Ich möchte jetzt eigentlich alle, an die ich mich gewöhnt hab', wiedersehen.

Heidi und Thomas unisono: Tolle Haare. Nehmen wir mit.

Daraufhin bricht Wolle in Tränen aus. Unter Schluchzen berichtet er seinen Kollegen von der Entscheidung des Senders. Immer wieder muss er in sein Taschentuch aus ägyptischer Baumwolle schneuzen, um überhaupt noch Luft zu bekommen. Mit seiner Nase ist schon länger etwas nicht in Ordnung. Auf den Schock beschließen die Drei, zur Imbissbude auf dem Parkplatz zu gehen. Die Dame hinterm Grill erkundigt sich nach ihren Wünschen.

Angetan vom Brathähnchen

Heidi: Wie in jedem Jahr suchen wir nicht nur nach perfekter Schönheit. Wir wollen auch von der Persönlichkeit unserer Mädchen umgehauen werden.

Wolle liebäugelt mit den Pommes: Ich suche 'ne kleine Dicke. Ich schmeiße Würstchen aus an 'ner Leine und ziehe sie zurück.

Heidi: Ich freu' mich so auf den Döner, das glaubste gar nicht!

Wolle schwenkt um, nun haben es ihm die Brathähnchen angetan: Ich hab'n hübsches Gesicht gesehen, aber darunter waren fette Beinchen.

Heidi: Manchmal ist es schon erstaunlich, wer sich alles zum Casting meldet.

Wolle starrt wie hypnotisiert auf das goldgelbe Hähnchen auf seinem Pappteller: Du hast nen tolles Profil. Totally model.

Heidi hat derweil schon den ersten Döner verputzt: Meinste, ich soll noch einen bestellen, lieber?

Tropentouriges und die Mama von irgendeiner

Wenig später: Heidi und Thomas fläzen gesättigt in der Lounge des Luxusliners, Wolle ist nicht in Sicht. Eine Produktionsassistentin steckt vorsichtig den Kopf zur Tür herein: Sie soll vorfühlen, wie das Trio denn nun zum neuen Sendungskonzept steht.

Thomas: Ich find' das schön, dass wir zu Karrieren inspirieren.

Heidi: Wolfgang muss gerade Kuchen essen.

Wie aufs Stichwort gesellt sich der Designer dazu, Kuchenteller in der Hand.

Heidi: Warum bist du noch nicht fertig?

Wolle: Ich muss meine Schularbeiten noch machen.

Heidi: Rede ruhig mit uns deutsch.

Wolle: Das Kleidchen finde ich für dich irgendwie komisch.

Heidi: Hinter dir, alle gucken unter deinen Rock.

Wolle: No Make-up. Come undone.

Heidi: Komisch, ne, die ziehen so 'nen Ding an, aber ziehen nicht den Bauch ein.

Wolle: Hier verbindet sich Schönheit mit Bildung und Intellekt.

Heidi mit verschwörerischem Augenzwinkern in Richtung Thomas: Das ist aber die Mama von irgendeiner, oder?

Wolle: Das Model ist nicht geschlechtsspezifisch festgelegt. A model is a model. Das wollte ich mal gesagt haben.

Heidi: Seid ihr alle gut drauf?

Wolle: Sag mal, geht's du auf die Sonnenbank?

Heidi: Das sieht so tropentourig aus.

Wolle: Wenn du keine Grimassen machst, hast du ein sehr viel schöneres Gesicht.

Heidi lächelt Wolle an, Wolle lächelt Heidi an (soweit erkennbar). Thomas ist eingeschlafen. Aber nachdem der im Notfall ohne Weiteres ersetzt werden kann, zieht sich die Produktionsassistentin beruhigt zurück. Die Motion-Sensor-Lichter sind bereits erloschen im Luxusliner, da ertönt ein letztes Mal diese Stimme.

Heidi: Gut' Naaacht, Thomas! Gut' Naaacht, ihr Lieben!