bedeckt München 25°

"Germany's Next Topmodel":Armutszeugnis für die Show

Luisa Hartema aus Leer setzte sich als Favoritin gegen die drei anderen Finalistinnen Kasia, Sarah-Anessa und Dominique durch. Und in der Tat sieht sie mit ihrer hochgewachsenen, klassisch schlanken Modelfigur und den besonders langen Beinen ohne irgendeinen erkennbaren Makel nicht nur jetzt schon aus wie ein echtes Model. Die starken Augenbrauen, die zarte Nase, die verschmitzten Augen, die breiten Wangenknochen und vollen Lippen, umrahmt von reichlich blondem Haar: Ein Gesicht mit starkem Wiedererkennungswert, ohne dabei aufdringlich zu sein oder allzu sehr von der Mode abzulenken, die es in einem solchen Job krönen soll.

Finale der Fernsehshow 'Germany's next Topmodel'

So sieht die Siegerin aus: Luisa Hartema nach ihrem Erfolg im Finale der Castingshow Germany's Next Topmodel.

(Foto: dapd)

Außerdem scheint die 17-jährige Ostfriesin trotz ihres jugendlichen Alters schon einen einigermaßen gefestigten Charakter zu haben, strahlte während der Staffel stets Vernunft aus und verbreitete, komplett allürenfrei, meist eine große Ruhe unter den Kandidatinnen und bei fast jedem Auftritt. Wofür - der nächste Punkt - das Publikum sie geradezu liebte. In der Abschluss-Show führte das zu netten Szenen: Bei jedem Auftritt von Luisa wurde laut gejubelt, so laut, dass die schüchterne Blondine es selbst kaum glauben konnte. Das war nicht gespielt, sondern einer der seltenen authentischen Momente in der Show. Heidi Klum bescheinigte ihr daraufhin zu Recht: "Vielen sagt man ja, sie sollen auf dem Boden bleiben. Du hingegen könntest ruhig ab und zu ein bisschen abheben."

Immer schon hat die GNTM-Jury nach genau diesem Typ gesucht: Groß, schlank, blond, kurzhaarig, von edler Gestalt und leicht elitärer Ausstrahlung, dabei aber bodenständig und auch noch ein kleines bisschen jugendlich-naiv sollte sie sein. Ein ganz ähnlicher Typ war die Siegerin der ersten Staffel, Lena Gercke, die auch die Einzige war und blieb, die mit ihrem auffallend hübschen Gesicht zumindest in Deutschland einigermaßen erfolgreich wurde. Vom Typ her in diese Schublade gesteckt wurde auch Jenny Hof, die aus ansonsten unerfindlichen Gründen zur Siegerin der dritten Staffel gekürt wurde, sich aber danach nie wieder sehen ließ. Außer Heidi Klum selbst, die einen Narren an der Blondierten gefressen hatte, fand schon während der Sendung so gut wie keiner der Kunden Gefallen an der leicht verstockten Kandidatin.

Nun wurde also endlich der lange ersehnte Prototyp gefunden - ein Glücksfall für die Jury, denn Luisa hat anscheinend tatsächlich Talent für eine etwas größere Karriere abseits des üblichen Showmiefs. Sie räumte während der Staffel ständig neue Jobs ab und wird wohl auch noch in fünf Jahren ein Typ sein, der die Modewelt begeistert. Damit könnte sie die Sendung adeln.

Doch sie wirkt zugleich so sympathisch, dass ihre Fangemeinde schon vor dem Staffelende über Facebook öffentlich darum bettelte, Luisa möge doch bitte nicht siegen - damit ihr der weitere Weg durch den Klum'schen Kosmos erspart und sie ein nettes, unabhängiges Mädchen bleibe, das ohne Knebelverträge und Vereinnahmungsaktionen vielleicht selbst ihren Weg machen könnte. Ohne GNTM.

Was für ein Armutszeugnis für die Show, wenn selbst GNTM-Fans ihrer Favoritin wünschen, sie möge der Sendung unbeschadet entkommen. Die Macher sollten sich gut überlegen, ob sie das Format wirklich so fortführen wollen. Es gibt inzwischen Studien, die belegen, dass selbst kleine Mädchen durch das unnatürliche Frauenbild der Sendung schon ihre Essgewohnheiten verändern. Das Ziel, "Germany's Next Topmodel" zu finden, wurde ja jetzt vielleicht erreicht. Und Heidi Klum ist ohnehin in den USA viel beliebter als sie es in Deutschland mit ihrer Show jemals war. Warum also nicht aufhören, wenn es gerade inhaltlich am besten ist?

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite