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Gerichtsurteil in Äthiopien:Elf Jahre Haft für schwedische Journalisten

Die Schweden Martin Schibbye und Johan Persson sollen mit einer Terrororganisation kooperiert haben: So sieht es ein äthiopisches Gericht, das den Reporter und den Kameramann zu elf Jahren Haft verurteilt hat. Schwedens Ministerpräsident Reinfeldt fordert ihre Freilassung, der Journalistenverband nennt das Urteil politisch motiviert.

Zwei Journalisten aus Schweden sind von einem äthiopischen Gericht zu elf Jahren Haft verurteilt worden.

Johan Persson (l.) und Martin Schibbye wollen ihrem Anwalt zufolge, gegen das Gerichtsurteil Berufung einzulegen.

(Foto: AFP)

Martin Schibbye und Johan Persson seien illegal in das Land eingereist und hätten die Rebellengruppe ONLF unterstützt, sagte ein Richter am Dienstag zur Begründung. Einem Bericht des britischen Senders BBC zufolge sagte Richter Shemsu Sirgaga, das Strafmaß sei für das Vergehen angebracht. Die Staatsanwaltschaft hatte bis zu 18 Jahre Gefängnis gefordert.

Dem Anwalt der beiden zufolge erwägen die Journalisten Berufung einzulegen. Gespräche über ein Gnadengesuch gebe es bislang nicht, sagte der Verteidiger zur Nachrichtenagentur Reuters.

Der Reporter Schibbye und der Fotograf Persson waren im Juli festgenommen worden, nachdem sie mit einer Gruppe von ONLF-Kämpfern über Somalia nach Äthiopien eingereist waren. Die beiden Journalisten haben eingeräumt, illegal eingereist zu sein, alle anderen Vorwürfe aber zurückgewiesen.

Vergangene Woche wurden die Journalisten schuldig gesprochen. Das Gericht urteilte, es sei "sehr unwahrscheinlich", dass die beiden Reporter gemeinsam mit bewaffneten Rebellen ins Land gekommen seien, um lediglich zu recherchieren. Schwedens Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt sagte kurz nach dem Schuldspruch: "Aus unserer Sicht waren sie als Journalisten im Land unterwegs. Sie sollten so bald wie möglich freigelassen werden und zu ihren Familien zurückkehren dürfen." Außerdem kündigte er eine sofortige Kontaktaufnahme mit der äthiopischen Regierung an.

Der schwedische Journalistenverband nannte das Urteil politisch bedingt. Es gebe keine Hinweise auf terroristische Aktivitäten. Äthiopien wolle offenbar Reporter davon abhalten, zu mutmaßlichen Menschenrechtsverletzungen in der Ogaden-Region zu recherchieren.