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Gegensätzliche Tarife:Eine Frage des Gehalts

Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) plädiert dafür, die Gehälter zu kürzen. Zwischen 3681 und 10405 Euro verdienen Redakteure monatlich in der ARD. Wieso zahlen Öffentlich-Rechtliche so unterschiedlich?

Bekommen Mitarbeiter bei den Öffentlich-Rechtlichen zu viel Geld? Diese Frage hat die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) aufgeworfen. Sie empfiehlt laut einem Entwurf eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags um 86 Cent von derzeit 17,50 Euro auf 18,36 Euro. Und plädiert dafür, die Gehälter zu kürzen.

Zwischen 3681 und 10 405 Euro verdienen Redakteure monatlich in der ARD. Die KEF stützt ihre Position auf ein Gutachten, das das Vergütungsniveau bei mehreren Anstalten als überproportional gut bezeichnet. Allerdings: nicht bei allen in gleichem Maße. Beim internen Vergleich liegen fünf Sender oberhalb des Durchschnitts, nämlich ZDF, BR, HR, SR - und besonders der WDR. Bei dem stellten die Gutachter "ein deutlich erhöhtes Gesamtvergütungsniveau" fest.

Nicht leicht zu beantworten: Warum ist das Vergütungsniveau beim WDR besonders hoch?

Grundlage des Gutachtens ist ein Vergleich mit dem öffentlichem Dienst, der Wirtschaft und anderen Medien. ARD und ZDF haben vor allem eine - nicht ganz schlüssige - Begründung für die vergleichsweise hohen Gehälter: das Durchschnittsalter. Weil aus Spargründen in den vergangenen Jahren kaum jemand mehr angestellt wurde, seien die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei ihnen älter als im öffentlichen Dienst, entsprechend verdienten sie mehr. Also teuer, weil alt? Wenn man sich das Durchschnittsalter bei den Landesrundfunkanstalten anschaut, stellt man fest: Die Begründung greift nicht ganz. Denn nach dieser Logik müsste man ja meinen, dass der WDR, mit seinem besonders hohen Vergütungsniveau, der Sender mit den ältesten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist. Das stimmt aber nicht. Beim WDR liegt das Durchschnittsalter bei 49,2 Jahren, beim SWR etwa sind die Mitarbeiter mit 50,47 Jahren noch ein wenig älter. Der SWR allerdings wird im Gutachten nicht genannt.

Abgesehen von der Frage, wie diese vergleichsweise alten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das jüngere Publikum erreichen sollen, das den Öffentlich-Rechtlichen so dringend fehlt, scheint noch einiges anderes unklar. Die ARD hat ein Ergänzungsgutachten in Auftrag gegeben. Dieselbe Beratungsfirma, die das ursprüngliche Gutachten für die KEF erstellte, sollte dabei das Alter der Sender-Mitarbeiterschaft berücksichtigen. Das mag den Vergleich außen erklären. Aber nicht die Unterschiede der Sender untereinander.

Warum also ist das Vergütungsniveau beim WDR besonders hoch? Antworten zu finden, ist nicht leicht. Auf Nachfrage sagt der Sender, dass auch der Standort eine Rolle spiele. Es gebe ein Ost-West-Gefälle, zudem verweist der WDR auf ein höheres Vergütungsniveau "in den Ballungszentren - wo der WDR fast ausschließlich seine Standorte hat". Andere Sender hätten zwar ihren Hauptsitz in einer Großstadt, seien aber stärker "in weniger teuren Standorten in der Fläche vertreten".

Beim BR gibt es einen München-Zuschlag für feste Redakteurinnen und Redakteure

In der Tat hat der WDR überwiegend Studios in Ballungsräumen wie Köln, Düsseldorf und Bonn. Nun ist es aber nicht so, dass feste Mitarbeiter an unterschiedlichen Standorten unterschiedlich viel verdienen. Wie in anderen Rundfunkanstalten auch gilt ein hauseigener Tarif. Eine festangestellte Reporterin in Köln bekommt gleich viel Geld wie ihre Kollegin in Kleve mit gleicher Berufserfahrung. Beim Bayerischen Rundfunk, wo ein anderer Tarif gilt, gibt es etwa einen Zuschlag für feste Redakteurinnen und Redakteure, die im teuren München arbeiten. Beim WDR, so offenbar die Logik, bekommen dagegen alle mehr, weil viele in Ballungsräumen arbeiten.

Die durchschnittlich besonders hohen Gehälter erklärt das nicht komplett. Der WDR ist die größte der ARD-Anstalten, auch darin sieht man dort einen Grund für das durchschnittlich hohe Vergütungsniveau. Beim ZDF, wo das Durchschnittsalter bei "rund 50 Jahren" liegt, verweist ein Sprecher darauf, dass man keine Regionalprogramme und kein Radio, "insbesondere keine Popwellen" anbiete. Als sei es Naturgesetz, dass Redakteure im Regionalen und beim Radio weniger verdienen.

Bislang hielt die KEF die Argumente der Sender für nicht stichhaltig. Vorab war zu hören, bei einem Treffen mit der KEF wollten die Sender erneut darauf dringen, einige Punkte noch zu berücksichtigen.