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Gefälschte Interviews bei "Neon":Alles in Butter bei Beyoncé

Gespräche über Butterpreise: Ein gefälschtes Interview mit Beyoncé Knowles bei Neon und dem Schweizer Tages-Anzeiger bringt die Blätter in Schwierigkeiten.

Auf dem Tisch des Neon-Chefredakteurs Timm Klotzek liegt, so sagt er, das von Neon bezahlte Flugticket nach Berlin. Der Grund: Sein Redakteur Ingo Mocek wollte ein Interview mit der Sängerin Beyoncé Knowles führen. Hat er aber nicht - stattdessen wurde, wieder einmal, ein Interview erfunden. Es erschien in der Januar-Ausgabe des Jung-Gesellschaftmagazins.

Die Sache kam nur auf, weil das Interview in einem US-Blog diskutiert wurde - und so wiederum wurde das amerikanische Management von Beyoncé auf den Plan gerufen. Ein Interview mit ihrem Star in Deutschland? Das Management wandte sich an Neon und meldete Zweifel an. So erzählt es Chefredakteur Klotzek.

Fünf Fakes

Am vergangenen Montag bekam er diesen Anruf - und damit begann für den Journalisten eine Recherchewoche im eigenen Haus. Auf den Anruf hin, so Klotzek, "sind wir alles durchgegangen - und auf fünf Interviews beziehungsweise Zitate gestoßen, bei denen wir nicht sicher sein konnten, dass sie dem Autoren so gegeben wurden".

War es das wirklich? Auf die Zahl Fünf will Klotzek die Phantasmagorien seines nun fristlos gekündigten Mitarbeiters beschränken. Alle anderen Texte von Ingo Mocek bei Neon seien "nach bestem Wissen nachrecherchiert worden".

Erinnerungen an Hitlers Tagebücher im Stern

Somit hat der Großverlag Gruner + Jahr aus dem Bertelsmann-Reich ein kleines Problem. Schließlich ist Neon schwesterlich mit dem Magazin Stern verbunden, das sich im Wettbewerb mit Spiegel gehaupten will und 1983 den Skandal um gefälschte Hitler-Tagebücher bewältigen musste. Die Arbeitsweise des jetzigen Fake-Autors erinnert an den sogenannten Borderlinejournalisten Tom Kummer, der einst für das SZ-Magazin Interviews frisiert und toupiert hatte. Mocek habe sich, so der Neon-Chefredakteur, "bei der Aufarbeitung auch sehr kooperativ" gezeigt und seinen Erfindungsreichtum recht bald eingeräumt.

Bei dieser publizistischen Panne - die von der Chefredaktion so freimütig eingeräumt wird - bleibt jedoch unklar: Wieso hat der Autor das Beyoncé-Interview nicht geführt - und stattdessen Antworten frei erfunden?

War die Wahrheit nicht gut genug? Musste Buntes dazugemixt werden?