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"Game of Thrones"-Finale von Staffel 6:Ein Mountain gegen Daenerys' Drachen

Was der Episodentitel bedeutet:

"Die Winde des Winters" sind wohl jene Winde, auf denen ein weißer Rabe in Richtung Norden fliegt. Schicken die Gelehrten in Old Town einen weißen Raben zu den Fürsten, dann bedeutet das, dass es Winter ist. Also endlich Schluss mit "Winter is coming", wie es Papa Stark "immer versprochen hat".

So wird man sich an diese Episode erinnern:

Als die Episode, nach der der Autor dieses Textes bereut, schon die "Schlacht der Bastarde" vergangene Woche als eine der besten der Serie bezeichnet zu haben. Dort war es noch der großartige Kniff, eine mittelalterliche Schlacht mal nicht als hurrapathetisches Happening sondern als Ansammlung grausamer Kriegstraumata zu zeichnen, der die inhaltlich etwas überraschungsarme Folge so weit über den Durchschnitt hob. Die "Winde des Winters" aber - ebenfalls von Regisseur Miguel Sapochnik - erinnern endlich wieder daran, warum die Serie so viele Fans hat: Weil ihre Macher es bisweilen meisterhaft verstehen, sehr komplexe politische und emotionale Zusammenhänge in wunderbaren und wortlosen Bildern zu erzählen, anstatt dem Zuschauer in platten Dialogen zu erklären, was er jetzt bitte verstanden haben sollte.

Game of Thrones "Game of Thrones" als interaktive Grafik
Personen-Atlas zu "Game of Thrones"

"Game of Thrones" als interaktive Grafik

In der siebten Staffel endgültig den Überblick verloren? Unsere interaktive Grafik bringt Ordnung ins Beziehungschaos zwischen Menschen, Drachen, Riesen und Zombies - mit einstellbarem Spoiler-Grad.   Von Matthias Huber und Steffen Kühne

Bester Auftritt:

Olenna Tyrell, schon wieder. Zum Glück ist sie ein paar Wochen vor Cerseis Wildfeuer-Exzess aus King's Landing abgereist und vergnügt sich jetzt im sonnigen Dorne mit den Nachfahren von Matschkopf Oberyn Martell, diesen unerträglich görigen Mädchen, die sich die "Sandschlangen" nennen. Aber Olenna wäre nicht die Dornenkönigin, wenn sie deren Highschool-Gezeter nicht haushoch überlegen wäre: "Wie war noch gleich dein Name? Barbaro?" Freuen wir uns also auf ein Wiedersehen in Staffel sieben zwischen Olenna und Tyrion im Beraterstab von Königin Daenerys!

Wir mochten Arya Stark lieber, als sie noch ...

... nicht ein viel zu kostengünstig einsetzbares Plot-Werkzeug war. Ihr erster Auftritt als gesichtswechselnde Meuchelmörderin, die den Mord an ihrer Mutter und ihrem Bruder rächt, mag sich zwar gut angefühlt haben - erst recht, weil sie bei dieser Gelegenheit auch noch ungeahnte Talente als Köchin offenbart. Aber die Verlockung, vermeintlich unlösbare Drehbuchprobleme in Zukunft per Arya-ex-machina zu lösen, ist groß.

Wen wir vermisst haben:

Varys, den Meister der Spione und Geheimdiplomaten von Daenerys. Ja, er hat einen Auftritt. Aber es ist schon sehr verschwenderisch, ausgerechnet den scharfzüngigen Eunuchen Varys nur mal schweigend mit strenger Miene ins Bild zu stellen. Das hätte Berufslangweiler Grey Worm auch geschafft.

Wie es weitergeht:

Krieg. Vermutlich gleich mehrere davon. Nicht, dass das etwas neues in "Game of Thrones" wäre, gab ja schon einige zünftige Schwerthauereien. Aber dieses Mal könnte vielleicht sogar mal etwas gut ausgehen. Denn es steht viel auf dem Spiel: Daenerys ist unterwegs nach Westeros, hat sich bereits mit den mächtigen Häusern Martell und Tyrell verbündet, und wird wohl in Staffel sieben auf King's Landing marschieren (Grey Worms Unsullied-Armee) beziehungsweise reiten (Daenerys' Dothraki) beziehungsweise fahren (die Flotte der Greyjoys) beziehungsweise fliegen (die Drachen natürlich). Königin Darth Cersei hat all dem höchstens ihren frankenstein'schen Leibwächter entgegenzusetzen. Während frau sich im Süden die Köpfe einschlägt, kämpft Jon Snow-Stark-Targaryen im Norden gegen die Untoten des Nachtkönigs um das Schicksal der Menschheit. Aber bis es soweit ist, dauert es noch etwas: 42 Wochen ohne "Game of Thrones".