bedeckt München 20°
vgwortpixel

Game of Thrones Episode "Jenseits der Mauer" im Recap:Olympische Spiele von Westeros

Game of Thrones Season 7 im Recap

Der Nachtkönig beweist ungeahntes olympisches Potential.

(Foto: Jessy Asmus)

In der neuen Folge von "Game of Thrones" ist der beste Speerwerfer des Kontinents womöglich auch noch Hellseher. Der beste Triathlet hingegen hätte sich das Gerenne auch sparen können.

Die Wartezeit war dieses Mal besonders lang: Mit Verspätung startete am 17. Juli die siebte und vorletzte Staffel der HBO-Serie Game of Thrones. Die Episoden sind immer in der Nacht von Sonntag auf Montag auf Sky erstmals zu sehen, später auch auf Amazon Prime und iTunes. Auf SZ.de besprechen wir die einzelnen Folgen jeden Montag für Fans nach. Aber Achtung: Spoilergefahr!

Episode 6: Jenseits der Mauer

Was wir erwartet haben:

Die Snowcean's Seven machen sich auf den Weg, einen Eiszombie zu fangen: Jon, Jorah, Tormund, Beric, Thoros, Gendry und der Hound. Und weil Game of Thrones ja Game of Thrones ist, rechnet wohl keiner damit, dass auch alle glorreichen Sieben wieder lebend von jenseits der Mauer zurückkehren werden. In den Wettbüros von Braavos ist Beric der Quoten-KingInDaNorf: Wer erfolgreich auf seinen Tod setzt, gewinnt nicht viel, bei Thoros sind die Aussichten kaum besser. Nur Jon Snow dürfte auch hier wieder eine undurchdringliche Storyrüstung tragen. So eine könnte auch Sansa brauchen, die wird nämlich der heimlichen Supermörderin Arya in dieser Episode erklären müssen, warum sie in einem Brief den gemeinsamen Papa als Verräter bezeichnet hat.

Was passiert ist:

Und wirklich: Sansa kriegt Ärger. Arya ist gar nicht begeistert über das, was sie in der Rabenpost gefunden hat. Also stellt sie die große Schwester zur Rede. Und will dabei keine Ausreden hören, von wegen "Ich war noch ein Kind" oder "Ich wurde gezwungen". Immerhin weckt der Streit mit Arya bei Sansa den Ehrgeiz, nicht das einzige verbliebene Stark-Kind zu sein, das noch notdürftig gesellschaftsfähig ist.

Also fragt sie - wenigstens dem Anschein nach - ausgerechnet Littlefinger um Rat, was sie denn jetzt tun solle. Der ist überraschend hilfreich: Brienne "Big Woman" von Tarth habe doch geschworen, beide Stark-Töchter zu beschützen. Sie werde doch bestimmt den Streit schlichten können. Ein Vorschlag, der in den Ohren selbst misstrauischer Zuschauer unbedenklich gut klingen sollte. Kein Wunder, dass Sansa prompt das Gegenteil macht und Brienne nach King's Landing schickt. Arya durchblickt das Intrigantenstadl der großen Schwester ebensowenig wie das Publikum und gibt ihre beste Hannibal-Lecter-Imitation. Ein paar unverhohlene Drohungen später ist Sansa um einen Dolch und jede Menge Verwirrung reicher. Und Littlefinger lacht sich vermutlich irgendwo ins Fäustchen, weil sein Plan, die beiden Stark-Schwestern gegeneinander aufzubringen, so wunderbar klappt. Oder?

Aber weg von den seltsamen Stark-Schwestern und hin zum eigentlichen Höhepunkt der Episode: Die Expedition der Sieben Samurai, von denen nur einer pflichtgemäß Man-Bun trägt. Thoros beschwört neben der Frisur auch den Geist von Toshiro Mifune. Jon und Jorah schwelgen in Erinnerungen an Jeor Mormont und beschließen, dass das Mormont'sche Familienschwert nicht in Danys Freundschaftszone versauern sollte. Gendry, der einst von Beric und Thoros an Melisandre verhökert wurde, gibt sich noch immer nachtragend. Und der Hound und Tormund stellen fest, dass sie eine gemeinsame Bekannte haben: Brienne von Tarth. "Ich will Kinder mit ihr machen", gesteht der rothaarige Riese mit leuchtend verliebten Augen. "Riesige Monster, die die Welt erobern."

Aber auch der Spaß der schönsten Winterwanderung endet, wenn ein untoter Eisbär und eine ganze Armee von Zombies auftauchen. Ersterer schnappt sich gleich zwei der namenlosen Wildling-Begleiter, die vor ihrem unglücklichen Ableben weder ein rotes Hemd noch eine kurze Sprechrolle spendiert bekommen haben, wie es eigentlich zum guten Ton gehört, wenn im Fernsehen eine Expedition in unendliche Weiten ansteht.

Und die Zombie-Armee ist zuerst nur ein kleiner Stoßtrupp, begleitet von einem Weißen Wanderer. Eine gute Gelegenheit also eigentlich, sich einen einzelnen Zombie zu greifen und schnell wieder in wärmere Gefilde abzuhauen. Praktische Erkenntnis am Rande: Mit dem Tod eines Weißen Wanderers zerfallen auch die zugehörigen Zombies in sich zusammen. Grund genug, im Lauf der Episode noch gefühlt acht Mal darauf hinzuweisen, dass man ja einfach nur den Nachtkönig umbringen müsste, dann würde sich das Problem mit den Zombiehorden von selbst erledigen. Als Andeutung der Dinge, die in zukünftigen Episoden und Staffeln noch kommen mögen, war das in etwa so subtil wie die wiederholten Hinweise auf Daenerys' angebliche Unfruchtbarkeit.

Literatur Wenn sich Autoren in ihrem eigenen Werk verirren
Literatur und Serien

Wenn sich Autoren in ihrem eigenen Werk verirren

Wer epische Romanserien wie "A Song of Ice and Fire" liest, muss sich immer wieder die Frage stellen: Wer hat da noch mal was mit wem getan? Aber das geht nicht nur Lesern so.   Von Nicolas Freund

Aber wir schweifen ab: Der Zombie steht also plötzlich allein da, kriegt einen Sack auf den Kopf und Fesseln um die Hände. Für einen Schrei, der die gesamte Armee des Nachtkönigs alarmiert, reicht es aber noch. Und wie schnell die sich auf einmal bewegen kann: In den vergangenen zwei Staffeln, seit der Schlacht von Hardhome, ist sie zwar nur einen Steinwurf weit gekommen, während Jon Snow den Kontinent mehrmals abgereist hat. Aber wenn es um einen untoten Kameraden geht, haben es die Zombies plötzlich eilig. Nicht so eilig allerdings wie Gendry, der nach vier Staffeln Ruderei jetzt den zweiten Teil des Westeros-Triathlon angeht und den Langstreckenlauf zurück zur Mauer in Rekordzeit zurücklegt.

Indes große Klopperei: Weil der Hound das mit der Steinwurfweite ganz genau wissen wollte, müssen sich die verbleibenden sechs Avengers - Dr. Strange Thoros ist inzwischen seinem Bärenbiss und der Kälte erlegen, ebenso wie ein weiteres Mitglied von Haus Redshirt - erst mehrmals gegenseitig das Leben retten, ehe die geschuppte und fliegende Kavallerie von Daenerys herbeirauscht.

Allerdings hat selbst sie mit ihren Drachen die Präzision und Durchschlagskraft der Langstrecken-Speere des NK - in diesem Fall "Nachtkönig", nicht "Nordkorea" - unterschätzt. Also: Hektische Flucht auf dem Drachenrücken, ohne Jon Snow und Viserion. Ersterer wird von ein paar Eiszombies zum Tauchgang gezwungen, letzterer (auch wenn sein Name nicht genannt wird, deutet alles darauf hin, dass es Viserion ist, der blauäugig zurückbleibt) vom tödlichen Speerwurf des Nachtkönigs. Immerhin dürfen die Buchmacher von Braavos aufatmen, als Jon Snow wieder zurück an der Oberfläche das gleiche tut. Fehlt nur noch der allerletzte und selbstopfernde Auftritt von Onkel Benjen - übrigens der einzige Stark, bei dem Jon Snow mit seinem Wissen über das gemeinsame Verwandtschaftsverhältnis nicht falsch liegt.