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Fußball im TV:Live von zu Hause

Zum Champions-League-Finale verlässt sich Sky bei der Live-Übertragung ganz auf die von der Uefa gelieferten Bilder. Der Kommentator sitzt nicht im Stadion in Cardiff, sondern in der Senderzentrale in München. Das ist journalistisch zumindest bemerkenswert.

Von Stefan Fischer

Das mediale Interesse am Finale der Champions League im Fußball ist traditionell groß, gehört es doch zu den wichtigsten Sportereignissen eines Jahres. Zumindest erstaunlich ist daher eine Entscheidung des Senders Sky: Wolff-Christoph Fuss, der das Spiel zwischen Juventus Turin und Real Madrid für den Sender am Samstag live kommentieren wird, reist nicht an den Austragungsort Cardiff. Er wird den Job von der Münchner Zentrale aus erledigen - auf Basis der von der Uefa bereitgestellten Bilder und Töne.

Journalistisch heikel daran ist, dass Fuss nur etwas kommentieren kann, was bereits medial gefiltert ist. Wenn die Uefa Tumulte auf einer Tribüne nicht zeigen möchte, sieht sie auch der Sky-Kommentator nicht. Beim Sender sieht man das nicht so kritisch, auch weil Reporter Uli Köhler vor Ort sein wird, um Interviews und Informationen aus Cardiff zu liefern. Auf ihn als unmittelbaren Zeugen kann der Kommentator im Zweifel zurückgreifen. Das Konstrukt sei "eine sehr seltene Ausnahme", erklärt ein Sprecher. Da Sky die Übertragungsrechte am Finale nicht exklusiv hat - das ZDF zeigt das Spiel ebenfalls - und keine deutsche Mannschaft beteiligt ist, rechnet man mit vergleichsweise verhaltenem Zuschauerinteresse. Und spart ein wenig am Aufwand. Wirklich lohnend sind Übertragungsrechte für Sky nur, wenn sie exklusiv sind: Der Sender ist derzeit bemüht darum, ebenso wie der Streamingdienst Dazn, das frei empfangbare Fernsehen mit viel Geld aus dem Wettbewerb um die Übertragung hinauszudrängen

© SZ vom 02.06.2017
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