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Frauen im Social Web:Zähne wie Heidi, Haut wie Dagi

Medien ET 29.01.2019

In sozialen Medien sind Mode und Beziehungstipps Frauensache. Youtuberinnen wie Dagi Bee präsentieren sich laut Studien vor allem häuslich. Männer wie die Lochis streben als Abenteurer nach draußen.

(Foto: Jörg Carstensen/DPA, Dagi Bee/youtube; Illustration: SZ)

Eine neue Furtwängler-Studie zeigt: Auch in Sozialen Medien sind Frauen unterrepräsentiert und erfüllen veraltete Geschlechterrollen.

Noch größer als der Irrglaube, dass früher alles besser war, ist wohl nur der, dass morgen alles von allein besser wird. 2017 veröffentlichte die Malisa-Stiftung von Schauspielerin Maria Furtwängler und ihrer Tochter Lisa eine Studie, in der es um die Darstellung von Geschlechterrollen im deutschen Film und Fernsehen ging. Die Ergebnisse waren vernichtend: Männer tauchen mehr als doppelt so oft in Hauptrollen auf wie Frauen. Und wenn es Protagonistinnen gibt, dann meist im Rahmen von Beziehungen und Partnerschaft.

Viel Häme gab es damals für das vermeintlich alte, müde Medium Fernsehen. Im Internet, bei den jungen Menschen, die ihre Inhalte selbst produzieren, so stellte man sich das zumindest vor, da wird alles besser sein. Leider entspricht diese Vorstellung auch nicht im Geringsten der Realität.

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Die Malisa-Stiftung hat am Montag die Ergebnisse von drei unterschiedlichen Studien präsentiert, die sich mit weiblicher Selbstinszenierung in Social Media beschäftigen. Die Erkenntnis: Wie im TV und Kino sind Frauen auf Plattformen wie Youtube und Instagram deutlich unterrepräsentiert. Bei den 100 beliebtesten Youtube-Kanälen und den 100 beliebtesten Instagram-Accounts Deutschlands kommen auf jede Frau zwei Männer. Und besonders auf Youtube reproduzieren sich veraltete Geschlechterrollen. Frauen bedienen Formate, die als stereotyp weiblich gelten: Beauty, Mode, Food, Beziehungstipps. Im Vergleich zu Männern thematisieren sie häufiger ihre eigenen Emotionen, präsentieren ihre Tätigkeit mehr als Hobby denn als professionelles Können und zeigen sich auf ihrem Kanal vermehrt im Privaten - und damit nicht etwa als Abenteurerinnen in der Öffentlichkeit.

Das klingt nach einem quasi-demokratischen Votum: Die Menschen wollen lieber Männer sehen - und wenn Frauen, dann in klassischen Rollen. Aber so einfach ist es nicht. In einer der Studien erzählen Youtuberinnen etwa von Hürden, die es ihnen erschweren, aus dem Themenfeld Beauty auszubrechen und sich männlich dominierte Genres wie Comedy oder Politik zu erschließen. Die Zuschauererwartungen seien eng und äußerten sich in mitunter bösartigen Kommentaren, sobald Frauen den Erwartungen widersprechen, heißt es in den Antworten.

Dass alte Geschlechterstereotype so funktionieren, hat mit gesellschaftlichen Strukturen zu tun, die in sozialen Medien reproduziert werden. Dieselben, deretwegen es auch weniger Frauen in Führungspositionen gibt. Welche Macht diese Normen haben, zeigt etwa die Studie über weibliche Selbstinszenierung auf Instagram: Mädchen (und auch Jungs) orientieren sich bei der Bearbeitung ihrer Bilder an den Schönheitsstandards, die ihnen von Influencern und Influencerinnen vermittelt werden. Wer Heidi Klum auf Instagram folgt, hellt mit beinahe doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit die eigenen Zähne auf Bildern auf. Und 100 Prozent der befragten Mädchen, die Dagi Bee folgen, "optimieren ihre Haut".

Ernüchterndes Fazit aus alldem: Es gibt keine fortschrittlichere Welt im Netz. Einzig in einem Punkt, in Sachen Diversität, sind die sozialen Medien laut Studien weiter als die klassischen: Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund ist zumindest auf Youtube deutlich höher als in anderen Medien wie dem guten alten Fernsehen.

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