Bis drei zählen, darauf läuft alles hinaus. Drei: die Zahl der Beine eines Hundes, der einem korrupten kolumbianischen Polizisten gehörte und in einer Nacht im Jahr 1998 sein viertes verlor. Drei: Tuuli, Felix und Svensson, die sich gerade bei der Arbeit in einem Hilfsprojekt kennengelernt haben, den Hund mit sich nehmen - und so leben, als sei drei nicht zu viel (für die Liebe) oder zu wenig (für den Hund) - sondern ganz einfach richtig. Natürlich hinkt der Hund trotzdem.
Es ist ein Journalist - oder eher ein verzweifelter Stalker -, der diese Beziehung zwölf Jahre später unbedingt verstehen will. Denn Svensson ist inzwischen Schriftsteller geworden (natürlich ein menschenscheuer und keine Betriebsnudel) und hat ein gefeiertes Buch über zwei Männer und eine Frau, über Liebe und Verlust geschrieben - eine Art moderne Version von Henri-Pierre Roché, der einst seine eigene Dreiecksbeziehung beschrieb, die unter dem Namen Jules und Jim weltberühmt wurde. Als also der Journalist Daniel ( Albrecht Schuch) im Flieger zufällig Tuuli (Alina Tomnikov) kennenlernt und über sie Zugang zu dem verschlossenen Svensson (Friedrich Mücke) am italienischen Ortasee bekommt, findet er bei ihm in dem mit gefährlichen Rissen durchzogenen Palazzo nur noch Trümmer des Traums von den drei Liebenden: Svensson lebt dort eher neben als mit seiner amerikanischen Freundin Kiki. Und Felix (Daniel Sträßner), der mit Tuuli in Berlin-Zehlendorf einen Sohn aufzog, ist tot. Über diesen Tod gibt es Gerüchte.

Zeitsprünge und eingeblendete Jahreszahlen gehören zum groben Besteck vieler eher mittelguter Serien der Streamer. Funeral for a Dog, produziert für Sky, springt ebenfalls in der Zeit, aber tut das mit einer beeindruckender Raffinesse. Die Serie erzählt mehrere Phasen dieser Liebesgeschichte gleichzeitig, kreist sie aus unterschiedlichen Perspektiven ein, setzt die Version aus Svenssons Buch gegen die Beobachtungen des Journalisten Daniel, zeigt Brüche und den Moment von Verletzungen, verwischt Spuren und legt andere.
Vorlage ist der gleichnamige Roman von Thomas Pletzinger, der das Drehbuch zusammen mit den Autoren Hanno Hackfort und Bob Konrad schrieb - die für tatkräftige Plots wie bei 4Blocks bekannt sind. Aber Funeral for a Dog ist in der Inszenierung von David Dietl und Barbara Albert eine atmosphärische Serie geworden, in der immer auch grandios über Bilder und Licht erzählt wird: Wie Tuuli, Felix und Svensson den Jahrtausendwechsel in Finnland feiern und ihnen alles im Leben offensteht, wie sie nach New York ziehen und am 11. September 2001 ein Kind bekommen, das zwei Väter hat. Wie sie sich dann verlieren, in Berlin wiederfinden, am See in Italien verabreden. Und wie der Journalist Daniel, der zu Hause seiner Ehe hilflos beim Scheitern zusieht, von seinem Idol Svensson ein Interview und Trost will, nur um zu erfahren: so läuft das nicht.
Ähnlich wie im Klassiker Jules und Jim übrigens ist die Frauenfigur Tuuli selbständig und rätselhaft, verhandelt werden hauptsächlich die Gefühle der Männer. Das ändert keineswegs etwas daran, dass Funeral for a Dog ein gewaltiges melodramatisches Epos geworden ist über das Scheitern der Idee, dass Liebe eine Verschwörung für immer ist.
Funeral for a Dog, acht Folgen, bei Sky.
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