"Frösche petzen nicht" in der ARD Teure Resterampe

Eddie (Pierre Besson) ist hin und weg vom Anblick der hübschen Viola (Claudia Hübschmann).

(Foto: NDR/Reiner Bajo)

Das Erste versendet den letzten der Filme, für die die frühere NDR-Fernsehspielchefin Doris Heinze verantwortlich war. Sie war 2012 zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden. Trotz beachtlicher Produktionskosten verhebt sich "Frösche petzen nicht" jedoch am Anspruch, mehr sein zu wollen als ein amüsantes Genrestück.

Von David Denk

Alles muss raus. Genau wie Einzelhändler bei Geschäftsaufgabe ihre Lagerbestände restlos zu verscherbeln versuchen, trennt sich der NDR fünf Jahre nach der Drehbuchaffäre nun von den letzten Hinterlassenschaften seiner früheren Fernsehspielchefin.

Im Vorspann zur Verschwörungsthrillerfarce Frösche petzen nicht von 2009 taucht zum wohl letzten Mal der Name jener Frau auf, die dem Sender systematisch Drehbücher aus eigener Feder und der ihres Mannes unter Pseudonym unterjubelte und 2012 wegen Bestechlichkeit, Betrugs und Untreue zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurde: Doris J. Heinze.

Anders als Einzelhändler für Restposten macht das Erste für Frösche petzen nicht kaum Werbung, es versendet ihn in der Sommerpause des "Filmmittwochs" zwischen Wiederholungen.

Der NDR drückt es auf Nachfrage anders aus: Der Genrevielfalt wegen müsse sich das Angebot der Redaktion "auch in absehbarer Zukunft aus aktuellen Produktionen und Filmen, die nicht kurz vor der Ausstrahlung gedreht wurden, zusammensetzen". Den Film nicht zu zeigen, könnte man dem Gebührenzahler schlecht erklären, kostet so ein 90-Minüter doch locker Einskommanochwas Millionen Euro. Und mehr schlechte Presse kann der Sender wirklich nicht gebrauchen.

Im Fall von Frösche petzen nicht wäre das Geld eigentlich ganz ordentlich angelegt gewesen, wenn sich der absurde Plot von Routinier Manfred Stelzer (auch Regie) und Thomas O. Walendy am Ende nicht im Abstrusen verlieren würde. Pierre Besson als Privatdetektiv Eddie Klever ist trotz des Sparwitznamens ein Sympathieträger - ein Antiheld, so notorisch bierdurstig wie pleite.

Mit der Buddel in der Hand stolpert er in einen Fall, der eigentlich eine Nummer zu groß ist für ihn (und leider auch für den Film): Klever wird Zeuge des Attentats auf einen Geschäftsmann (Andreas Leupold), der danach spurlos verschwindet. Außer Klever will niemand den Vorfall beobachtet haben.

Ein schönes "odd couple"

Mit dessen undurchsichtiger Gattin (Katja Flint) macht er sich auf die Suche und gerät in eine Weltverschwörung, die allerdings so hanebüchen hergeleitet wie lieblos abgefrühstückt wird. Dabei sind Besson und Flint ein schönes odd couple, und auch viele Nebenfiguren (Thorsten Merten, Peter Kurth) überzeugen. Dass der sonst so großartige Georg Friedrich als Oberbösewicht enttäuscht, zeigt die Schwächen des Buchs: Er weiß einfach nicht, wen, respektive was er da spielen soll - und lässt als Ablenkungsmanöver die Qigong-Kugeln umso fleißiger in der Hand klackern.

Frösche petzen nicht will mehr sein als ein amüsant inszeniertes und liebevoll fotografiertes (Kamera: Alexander Fischerkoesen) Genrestück mit Film-noir-Anleihen - und verhebt sich daran: Warum müssen wieder geldgierige Großkonzerne Schuld sein? Wieso braucht jede Geschichte eine Moral - und sei es auch nur so eine billige? Ist das der viel zitierte öffentlich-rechtliche Anspruch? Alles Fragen, die man der verantwortlichen Redakteurin nicht mehr stellen kann.

Frösche petzen nicht, ARD, 20.15 Uhr.