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Fritz Wepper zum 70.:Karriere unter Nonnen

Jahrelang fuhr er den Wagen vor und lieferte Derrick Stichwörter, doch Fritz Weppers wahrer Erfolg begann erst nach dem Ende der Krimiserie. Nun schenkt ihm die ARD zum 70. ausgerechnet einen Kriminalfilm - mit einigen Anspielungen und einem Geburtstagsversprechen.

Katharina Riehl

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Der ewig 'Harry': Fritz Wepper wird 70

Quelle: dpa

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Jung geblieben: Fritz Weppers zweite Karriere begann mit dem Ende von "Derrick". Nun schenkt ihm die ARD zum 70. ausgerechnet einen Kriminalfilm - mit einigen Anspielungen. Und einem Geburtstagsversprechen.

Es war schon ein paar Monate her, dass Horst Tappert im Herbst 1997 dem Ermittler-Duo Stephan Derrick und Harry Klein den Ruhestand verordnet hatte, als er sich in einem Interview besorgt über seinen Assistenten äußerte. 24 Jahre lang hatte Fritz Wepper als Harry Klein dem Ermittler Derrick Autos geholt und Stichwörter geliefert - bis Tappert befand, dass er und Derrick getrennte Wege gehen sollten. In besagtem Interview, im Mai 1998, sagte Tappert, er habe deshalb ein schlechtes Gewissen: Wepper werde mit Harry identifiziert - und er, Tappert, habe Wepper schon lange geraten aufzuhören, bevor es zu spät sei.

Bildauswahl: sueddeutsche.de/cag

HORST TAPPERT UND FRITZ WEPPER

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Fritz Wepper war damals 57 Jahre alt, und Horst Tappert fürchtete wohl, die Karriere des Kollegen nun beendet zu haben - vor allem nachdem das ZDF Weppers sanfte Vorstöße in eigenen Interviews, ihn doch zu Tapperts Nachfolger zu machen, überhörte und Derrick durch Peter Kremer als Siska ersetzte.

Fritz Wepper wird 65

Quelle: SZ

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Doch Wepper, der an diesem Mittwoch 70 Jahre alt wird, gelang das, was man eine zweite Karriere nennen würde: Er wechselte zur ARD, übernahm Hauptrollen in Um Himmels Willen, der laut Sender erfolgreichsten deutschen Hauptabendserie, und einer Krimireihe - und bekommt nun zum runden Geburtstag einen Film geschenkt, in dem er sich selbst auf den Arm nehmen darf. Lindburgs Fall erzählt von einem Fernsehkommissar, der - ja genau - seine Sendung verliert und sich ganz plötzlich neu orientieren muss.

Um Himmels Willen

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Fritz Wepper ist mit der Nonnen-Serie Um Himmels Willen (im Bild mit Serienkollegin Jutta Speidel), die bald zehn Jahre läuft, für die ARD ein zentrales Sendergesicht geworden. Deshalb sind, an einem der wenigen richtig heißen Sommerabende in diesem Jahr, sogar Programmdirektor Volker Herres und Degeto-Chefin Bettina Reitz in Alfons Schuhbecks Lokal am Münchner Platzl gekommen, um Wepper zu feiern und Lindburgs Fall der Presse vorzustellen. Zur Krimi-Persiflage gibt es Zander und Milchkalb und Herres lobt Weppers komödiantisches Talent und den Film als eine gelungene Hommage. Und Wepper selbst macht ein wenig den Eindruck, nicht genau zu wissen, was er davon halten soll.

Lindburgs Fall

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Die Karriere des Fritz Wepper begann in den fünfziger Jahren mit Kindersendungen für den BR und mit Märchenfilmen. Der Sohn eines Juristen kam 1941 in München zur Welt, der Vater blieb im Krieg, Fritz und sein drei Jahre jüngerer Bruder und späterer Schauspielkollege Elmar wuchsen bei der Mutter auf. Seinen ersten großen Erfolg hatte er mit Bernhard Wickis vielfach ausgezeichnetem Antikriegsfilm Die Brücke. Da war Wepper gerade einmal 18 Jahre alt, fünf Jahre später gewann er den Bundesfilmpreis für Unternehmen Reiher. 1972 trat er gemeinsam mit Liza Minnelli in der oscargekrönten Musical-Verfilmung Cabaret auf. Ein Münchner in Hollywood, es folgten weitere nationale und internationale Filmproduktionen. Im deutschen Fernsehen, gerade im Vergleich zu seinem Bruder Elmar, spielte er oft eher bürgerlichen Rolle. Vor allem, als er 1968 den Part als Harry erst in Der Kommissar und 1974 in Derrick übernahm.

Lindburgs Fall

Quelle: ARD Degeto/NDF/Oliver Feist

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Fritz Wepper, das ist an diesem Abend in München schwer zu übersehen, ist trotz der langen Karriere und der vielen Erfolge stets ein Zweifler geblieben. "Ich bin sehr selbstkritisch", sagt er, und man merkt das auch daran, wie wichtig es ihm ist zu betonen, dass Lindburgs Fall  nicht deshalb gedreht wurde, weil er Geburtstag hat, sondern nur eben jetzt zu diesem Datum ausgestrahlt wird, obwohl der Film natürlich sehr danach aussieht. Eine Hommage, so wirkt es, ist ihm prinzipiell eher peinlich.

ARD-Film 'Lindburgs Fall'

Quelle: dapd

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In dem von der ARD Degeto produzierten Film erfährt Peter Lindburg aus dem Fernsehen, dass seine Sendung abgesetzt wird; sein Assistent (Mike Häusl) ist so verzweifelt wie er, denn er war ja immer nur Lindburgs Assistent. So weit, so parallel, doch Lindburg beginnt keine Karriere als Fernsehbürgermeister unter Nonnen: Er beobachtet einen echten Mord und macht die Miss Marple: Was bei Derrick unfreiwillig komisch war (wenn der Chef den Assistenten mit den immer selben Sätzen durch die Episoden zog), wird zum Gag. Manchmal ist das lustig, etwa wenn Barbara Schöneberger als Boulevardschnecke hinter Ecken lauert. Öfter ist es aber ein wenig bemüht. Fritz Wepper selbst sorgte sich dabei vor allem um die Frage, wie realistisch es sei, dass Normalbürger ein Verbrechen beobachten und sich an die Polizei wenden. Er habe deshalb einen befreundeten Kommissar gefragt, ob solche Dinge vorkommen. "Der sagte mir, dass sie jede Woche 20 solche Anrufe kriegen." Da war Fritz Wepper, der Zweifler, beruhigt.

Fritz Wepper wird 70 und fuehlt sich 'wunderbar'

Quelle: dapd

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Fritz Wepper dreht derzeit die elfte Staffel seiner ARD-Serie Um Himmels Willen. Im Presseheft zu Lindburgs Fall erklärt Programmdirektor Herres, im Gegensatz zu seiner Figur müsse Wepper sich keine Sorgen machen, vom Sender vor die Tür gesetzt zu werden. Wepper sagt, es sei nun einmal so wie im Film gezeigt: "Man ist sehr schnell weg vom Bildschirm." So ist das Versprechen vielleicht das eigentliche Geburtstagsgeschenk.

Lindburgs Fall, ARD, Freitag, 20.15 Uhr

© SZ vom 17.08.2011/cris/cag

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