ARD-Film:Was für Männer

Freunde

"Wenn wir jetzt noch kiffen, sind wir 16" - Malte Klingsor (Ulrich Matthes, li.) und Patrick Laubenstein (Justus von Dohnányi) grooven sich ein.

(Foto: HR)

"Freunde" ist ein Kammerspiel, das aus der Pandemie-Not geboren wurde - und ein Glücksfall an Rhythmus und Eleganz.

Von Claudia Tieschky

Der Mann sieht in seinem Anzug zerzaust aus, da liegen Blumen von einem Begräbnis, da ist Whiskey mit sehr vielen Schlaftabletten. Jetzt ist der Moment da, denkt er. Falsch.

Fröhlich wie der gestiefelte Kater steht ein Gast vor dem Tor in der Sonne, er weiß genau, wie man hineinkommt in das verwilderte Grundstück, er schlendert auf das Haus zu, ein Leichtfuß. In der Tasche hat er die Spielfigur, die in dem Kickertisch drinnen fehlt und die, weil der Film vom Hessischen Rundfunk kommt, Grabowski heißt.

So treffen in Freunde (Regie: Rick Ostermann, beeindruckende Kamera: Leah Striker) Patrick und Malte nach mehr als dreißig Jahren wieder aufeinander, für einen Abend, eine Nacht, einen verkaterten Morgen, im falschesten und zugleich richtigsten Moment. Patrick (Justus von Dohnányi) macht ein Gesicht wie die Missmut in Person, Malte (Ulrich Matthes) grinst unverdrossen dagegen an. Aber die Story nimmt überraschende Wendungen, ein bisschen wie beim Kickern. Es kommt mehr als eine Wahrheit ans Licht.

Die ungewöhnliche Dichte des Films verdankt sich seltsamerweise der Pandemie. Freunde sollte an mehreren Orten im Rheintal spielen, das ging aber nicht. So ist dieses Kammerspiel daraus geworden, das von Dohnányi und Matthes zu einem feinen Leuchten bringen. Und so kam der Film zu seinem dritten Hauptdarsteller: einer Villa, die noch genau so ist wie 1965 oder so, matt glänzende Sachlichkeit, die einmal Reichtum ausdrückte, Nature morte. Im abgelassenen Innenpool steht ein Sessel, seit Patrick mit Anja, seiner Frau, wieder ins Elternhaus eingezogen ist, um den Nachlass zu regeln. Nur kurz, dachten sie, aber nun ist Anja gestorben und Patrick allein mit den Dingen um ihn herum.

Da war doch was: Fisschstäbchen im Baumhaus und abgelaufene Miracoli-Nudeln

Ein Gefühlsmensch wie er passt hier nicht herein, passte schon früher nicht hierher, versteht man. Plötzlich ist also Malte wieder da, sitzt schrecklich gut gelaunt im Sessel auf dem Poolboden, labert von den Fischstäbchen, die sie als Kinder im Baumhaus aßen und von seiner Buchhandlung in Stuttgart, bringt Patrick dazu, vor Jahrzehnten abgelaufene Miracoli-Nudeln zu kochen und aus dem abgeschlossenen Weinkeller des Vaters mit langem Arm Lambrusco zu angeln: "Wenn wir jetzt noch kiffen, sind wir wieder 16."

Freunde hat einen wunderbaren Rhythmus, auf Provokation folgt Spiel und dann Ausruhen bis zur nächsten Runde. Nach und nach kommt Patrick aus seinem Trauer-Loch. Eigentlich nämlich geht es bei allem um Anja, die zuerst Maltes Freundin war. Drehbuchautor David Ungureit hat schon in dem Film Bist du glücklich - der Geschichte eine Paares, das sich gerade trennt, - gezeigt, wie gut er Dramen ins Offene führen kann. Auch in Freunde gelingt es ihm, die Choses de la vie federleicht zu erzählen - als etwas bittersüß Tröstliches. Freunde ist ein Film von seltener Eleganz, durchflutet von Jazz, Verrücktheiten und Licht.

Freunde, Das Erste, 20.15 Uhr.

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