bedeckt München 11°
vgwortpixel

Bezahlung von Frauen in den Medien:Der Chef von Amazon mochte die Serie angeblich noch nie

Falls Birte Meier sich auf den Vergleich nicht einlässt, urteilt das Gericht am 1. Februar dieses Jahres. Birte Meier will sich in dieser Situation verständlicherweise nicht äußern. Auch das ZDF schickt "mit Dank für Ihre Anfrage" noch einmal ein Statement vom 10. Dezember.

Alles noch schlimmer als damals? Manches wird besser: Die Good Girls von 1970 mussten die Personalakten der Männer noch heimlich kopieren. Das ist vorbei. Bald. Im Oktober des vergangenen Jahres hat sich die Große Koalition in Deutschland auf einen Gesetzentwurf geeinigt, der unter Hinweis auf die europäischem Normen einen individuellen Auskunftsanspruch auf vergleichbare Gehälter vorsieht bei Unternehmen, die mehr als 200 Beschäftigte haben.

Kann sein, dass es viele ähnliche Fälle gibt im ZDF. Wahrscheinlich zählen sie in anderen Häusern, in den Medien und anderswo, auch schon bang nach, ob sie mehr als 200 Mitarbeiter haben.

Dass der Prozess für die Good Girls ein positives Ende nahm, wird der Zuschauer wohl nicht erfahren. Die Serie wurde abgesetzt. Weltweit hatte Good Girls Revolt zwar eine durchschnittliche Amazon-Zuschauerbewertung von 4,5 Sternen, Superkritiken sowieso, fast nur von Frauen geschrieben übrigens. Newsweek, der Schauplatz der Geschichte, nennt die Good Girls "eine der besten Serien 2016".

Trotzdem: Abgesetzt. An der Entscheidung bei Amazon, das hat die Showrunnerin Dana Calvo öffentlich gemacht, war keine einzige Frau beteiligt. Weil keine Frau im Raum war. Weil es auf dieser Entscheidungsebene bei Amazon gar keine Frauen gibt.

Megyn Kelly geht zu NBC, wo eine mutige Journalistin nicht mehr so auffällt

Roy Price, Chef der Amazon-Studios, mochte die Serie von Anfang an einfach nicht, heißt es, dabei hat er sie angeblich nicht einmal gesehen. Vielleicht mochte er den Gedanken nicht, dass eine Serie über das Jahr 1970 Frauen in seinem eigenen Laden im Jahr 2017 auf naheliegende und gute Gedanken bringen könnte. Man wünscht Amazon von Herzen, dass Netflix oder wer auch immer die zweite Staffel macht, und dass es der Erfolg des Jahrhunderts wird.

Und dann ist da noch der Fall von Megyn Kelly. Die wird zwar vermutlich gut bezahlt, wurde im Sommer aber auch in eine kleine Frauenrevolte gezwungen. Kelly ist die Journalistin, die gewagt hat, Donald Trump vor der Kamera zu fragen, ob seiner Meinung nach jemand Präsident in Amerika werden kann, der Frauen, die er nicht mag, "fette Schweine" nennt, "Hündinnen", "Schlampen" und "widerliche Tiere".

Der zukünftige Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika nannte Megyn Kelly einen Tag später "Bimbo" und sagte, aus ihren Augen und auch aus ihrer "Wo-auch-immer" habe Blut getropft. Megyn Kelly verlässt nun, das ist seit Dienstag bekannt, den Sender Fox News und geht zu NBC, wo eine gute, mutige Journalistin nicht mehr so sehr auffällt.

Was wäre eigentlich, wenn im neuen Jahr die Debatte darum, welcher Feminismus richtig reinknallt und welcher gar nicht, ersetzt würde durch: Solidarische Aktion? Der 1. Februar könnte dann schon mal im Kalender markiert werden. Und es ist egal, ob der Hashtag SaveGoodGirlsRevolt heißt, WirsindBirteMeier oder - noch einmal - Aufschrei.

© SZ vom 05.01.2017/pak
Zur SZ-Startseite