"Frauchen und die Deiwelsmilch" im Ersten Irgendwie sogar sympathisch

Daniela Katzenberger im ARD-Film "Frauchen und die Deiwelsmilch" .

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Das Erste zeigt einen Spielfilm mit Daniela Katzenberger. Doch zu schelten ist nicht sie - ihr gelingt eine überraschend unfallfreie Vorstellung - sondern die ARD, ganz grundsätzlich.

Von Cornelius Pollmer

Vor einer Weile wurde der Fernsehsachverständige Hugo Egon Balder zur Quotengläubigkeit der TV-Branche befragt, für seine Antwort reiste Balder gedanklich nach Brasilien. Dort, erzählte er, gebe es eine Sendung, in der der Moderator die Quote live verfolgen könne. Sinke diese, unterbreche der Moderator die Show und dann spazierten "acht heiße Sambatänzerinnen" ins Studio. Eine so erfrischend offensive Form der Selbstaufgabe lässt sich hierzulande noch nicht beobachten, aber das Prinzip ist der ARD-Programmplanung offenbar bekannt: An diesem Donnerstag läuft im Ersten ein Spielfilm mit der Schauspieler-Darstellerin Daniela Katzenberger in der Hauptrolle. Frauchen und die Deiwelsmilch heißt er, eine Pfälzer Krimikomödie soll er geworden sein.

Es geht in dem Film um den Filz in der dörflichen Pfalz, um einen erdölreichen Weinberg und um den gutmenschlichen Impetus der Sparkassen-Schönheit Miri Marxer, den Klüngel zu zerschlagen. Marxer und das Kapital, das ist eine leider viel zu nette Idee, die jeden der drei Ansprüche nur kümmerlich zu tragen versteht. Es fehlt am Krimi, es fehlt an der Komödie und was die Regionalisierung angeht, verliert sich der Versuch von Thomas Bohn (Regie) und Holger Badura (Drehbuch) zu sehr im Rainer-Brüderle-haften, er gleicht einem etwas zu langen Besuch beim Weinfest.

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Ordentlich ist der Schnitt, herrlich die leider singuläre Idee, im eichenfurnierten Büro von Bürgermeister Runge ein Porträt des Kanzlers der Einheit zu hängen. Aber sonst? Viel Mittelmaß, von dem nur die überraschend unfallfreie Vorstellung von Daniela Katzenberger erwähnenswert scheint. Badura sagt, er habe ihr die Rolle "auf den Leib" geschrieben. Was das bedeutet, erfährt man nach zwei Minuten, da gibt es die erste Totale der Brüste, und wieder nach 2:27 Minuten, als ein Mann der Katzenberger das erste Mal auf den Hintern schaut. Es dauert dann nicht lang, da fordert sie ein balzendes Büroäffchen schon auf, seine Tanzkarte anzunehmen. Katzenberger erträgt diese Erwartbarkeit, sie wirkt nur halb so neondusselig wie sonst, ja, irgendwie wirkt sie sogar: sympathisch.

Als Miri Marxer karikiert Katzenberger jene Kunstfigur, die sie im Rest-Fernsehen darzustellen versucht. Streng genommen ist das ein Konstruktionsfehler, der unter Zuhilfenahme von Robert Gernhardts Feldtheorie des Komischen nachzuweisen wäre. Das führte aber zu nichts. Weil für Katzenberger die Rechnung trotzdem aufgeht - durch den Primetime-Auftritt im Öffentlich-Rechtlichen bekommt sie ein paar Gramm Gravitas. Und weil die ARD viel grundsätzlicher zu schelten ist: Sie hat sich mal wieder in strafbarer Weise für den leichtesten Weg entschieden, den der Unterforderung.

Frauchen und die Deiwelsmilch, ARD, 20.15 Uhr