Frankreich Palme Nummer zwei

Die TV-Messe in Cannes ist weitgehend unglamourös; im nächsten Jahr soll dann der Glamour kommen.

(Foto: AFP)

Cannes kündigt einen Ableger seines berühmten Festivals an - für TV-Serien. Mit dem Plan ist die Stadt allerdings nicht allein. Auch Paris und Lille konkurrieren.

Von Karoline Meta Beisel

Am Montagabend feierte auf der Fernsehmesse in Cannes die Serie Riviera mit Julia Stiles und Lena Olin Premiere. Die erfüllt alle Erwartungen, die man als geneigter Bunte-Leser mit der Côte d'Azur verbindet: teure Autos, Partys auf Yachten, schöne Ehefrauen reicher Männer, die mit dem Privatjet zum Shoppen nach New York fliegen - in Riviera sind wertvolle Gemälde das Luxusgut der Wahl. Die Serie wird noch in diesem Jahr bei Sky zu sehen sein.

Der Schauplatz der Premiere, das Fernsehbranchentreffen MipTV, auf der Fernsehschaffende aus aller Welt ihre Ware feilbieten, spielt zwar auch an der Riviera, ist bislang aber eine weitgehend unglamouröse Veranstaltung, mehr Messe als Festival. Im "Palais des Festivals" riecht es nach Teppichkleber, immer dudelt irgendwo ein Bildschirm mit einer Pleiten-Pech-und-Pannen-Show aus Südkorea oder Uruguay, und wer das Codewort für die exklusive Pop-Up-Bar in einem der teuren Hotels an der Croisette weiß, findet da doch nur betrunkene Holländer, die andere Gäste zu Aufklebtattoos überreden wollen. Zwischendurch glimmert es zwar auch auf der MipTV ein bisschen, siehe Julia Stiles und Lena Olin, davon abgesehen könnten hier genauso gut auch Schrauben verkauft werden. Aber das soll sich ändern.

Gerade erst erhielt doch Lille den Zuschlag für eine solche Schau?

Vom kommenden Jahr an soll gleichzeitig mit der Fernsehmesse in Cannes ein internationales, einwöchiges Fernsehserienfestival stattfinden - "prestigeträchtig, künstlerisch und glamourös", wie es der Bürgermeister von Cannes, David Lisnard, am Montagnachmittag der Presse erklärte. Eine international besetzte Jury soll in einem Wettbewerb aus zehn neuen Serien die besten auswählen, der Gewinner bekommt wie beim Filmfestival eine Palme. Darüber hinaus soll es allerlei Veranstaltungen für die Öffentlichkeit geben, mehr als 200. Das wäre tatsächlich ein Novum: Die Fernsehmesse ist bislang eine reine Branchenveranstaltung.

Dass Lisnard so ein Festival gern hätte in seiner Stadt, war bekannt. Das Timing ist dennoch interessant: Vor ein paar Tagen erst hat das französische Kulturministerium der Stadt Lille im Norden den Zuschlag gegeben, mit staatlicher Förderung ein internationales Serienfestival auszurichten; nach einem Wettbewerb, an dem auch Cannes teilgenommen hatte. Nun ist die frühere Kulturministerin Fleur Pellerin Mitgründerin von "Cannes Series", wie das neue Festival heißen soll. Und auch Paris hat in "Series Mania" ein etabliertes Festival, in der nächsten Woche beginnt die "achte Staffel", wie sie es nennen. Zwei sogar, wenn man das auf europäische Produktionen spezialisierte Treffen "Series Series" mitrechnet, das Ende Juni auch schon zum sechsten Mal vor den Toren der Stadt in Fontainebleau stattfindet. In der französischen Presse wurde das Rennen um das schönste Serienfest schon selbst mit einer Serie verglichen. Das ist wie bei Game of Thrones, findet Télérama. Wie bei Dallas, schreibt La Croix.

David Lisnard ficht all das nicht an. Er habe den Plan schon vor seinem Amtsantritt vor drei Jahren gehabt, jetzt wolle er dem auch Taten folgen lassen, sagte er am Montag in einer Ansprache, die auch sonst eher nach Parteitagsrede und Standortmarketing klang als nach großer Liebe zum Genre: Gleichzeitig mit dem Festival soll auch die Universität mit neuen Kursen für die neue Fernsehwelt fitgemacht werden. Das Budget für das Festival soll um die vier Millionen Euro betragen.

Nur als er bei der Pressekonferenz gefragt wurde, wie sich "Cannes Series" zu all den anderen französischen Serientreffen verhalten wolle, klang Lisnard tatsächlich wie eine Figur aus einer Drama-Serie: "Wir haben noch nie jemanden um Erlaubnis gebeten, bevor wir solche Entscheidungen getroffen haben."