Franchise der "Rosenheim-Cops" im ZDF Gestorben wird im Alpenvorland

Mit "Soko"-Serien in sieben Städten hat das ZDF ein Franchise-Prinzip für Krimis entwickelt. Nun gibt es neben den "Rosenheim-Cops" bald die "Garmisch-Cops". Es gilt die Losung fröhlicher Regionalkrimi - all die Heiterkeit soll vor allem das jüngere Publikum ansprechen.

Von Jörg Seewald

Die Geschichte beginnt im Jahr 1969 und ihr erster Hauptdarsteller war Der Kommissar. Erik Ode ermittelte als Kommissar Keller in München, und als sein Assistent Harry Klein, gespielt von Fritz Wepper, 1973 samt Rollenname die Serie wechselte, um künftig Derricks Wagen vorzufahren, war im Zweiten Deutschen Fernsehen das Franchise-Prinzip geboren. Und der Erfolg von Derrick stellte den des originalen Kommissars in den Schatten.

Kommissar vor Garmischer Bergpanorama: Anton (Thomas Unger) und seine Frau (Franziska Schlattner).

(Foto: ZDF / Bavaria Fernsehproduktion)

Bei der TV-Variante des Franchise-Prinzips werden keine Burger-Konzessionen an Fast-Food-Gastronomen verkauft, sondern aus einer starken Fernsehmarke möglichst zahlreiche Ableger gezogen. In den USA gibt es das System unter anderem bei Star Trek (Raumschiff Enterprise, Deep Space Nine, Raumschiff Voyager), Law & Order (Special Victims Unit, Verbrechen im Visier, Trial by Jury) oder CSI mit seinen Ablegern in amerikanischen Großstädten. In England gingen aus dem legendären Dr. Who-Format der BBC seit 1963 elf Doktoren hervor. Beim ZDF ist aus der alten Münchner SOKO 5113 seit 1978 ein ganzer Wirtschaftszweig geworden, mit Ablegern in Leipzig (2001), Kitzbühel (2001/2003), Köln (2003), Wismar (2004), Wien (2005) und Stuttgart (2009), die dem ZDF passable Quoten am Vorabend bescheren.

Ähnlich, aber doch anders liegt der Fall bei den Rosenheim-Cops, dem nächsten großen Quotenbringer im ZDF, der bald zum 250. Mal läuft. Hier lief das Vorbild, Der Bulle von Tölz, viele Jahre bei Sat 1, bevor man auf dem Mainzer Lerchenberg beschloss, dem Urbullen Ottfried Fischer das Urviech Joseph Hannesschläger entgegenzusetzen. Der eine ermittelte im Lüftlmalerambiente an der Isar, der andere seit 2002 am Chiemsee. Das Prinzip korpulenter Bayer vor mörderischer Landschaft ließ sich ziemlich problemlos ins öffentlich-rechtliche Fernsehen übersetzen.

Irgendwann in den vergangenen Jahren, als Hannesschläger krankheitsbedingt pausieren musste und sich die Produktion mit Ersatzkommissaren wie Andreas Giebel behalf, die beim Zuschauer genauso gut ankamen wie das Original, reifte beim zuständigen ZDF-Redakteur Johannes Frick-Königsmann der "simple Gedanke", dass "wir da ein Gefäß haben, das vom Grundgedanken so viele Möglichkeiten lässt. Wir dachten, es könnte doch Spaß machen, eine Variation zu erzählen". Man tue sich leichter, weil man auf einer Marke aufbaue, die man sonst erschaffen müsse.

Reminiszenz an Monaco Franze

Also setzte man sich mit dem Bavaria-Produzenten Alexander Ollig ins Auto und klapperte die bayerischen Regionen ab. Für Garmisch-Partenkirchen habe man sich spontan entschieden, weil die Berge so nah seien und man trotzdem in der Stadt Geschichten erzählen könne. Nun musste man noch die "Tonalität" und einige kleine Zutaten aus den Rosenheim-Cops unter die Zugspitze verpflanzen und schon standen Die Garmisch-Cops. Fernsehproduktion nach dem Baukastenprinzip.

Wie beim ZDF-Erstling sorgt auch in Garmisch eine geschwätzige Sekretärin für Klatsch und ein Kriminaloberwachtmeister für die nötige bayerische Erdung auf der Wache. Dass der in Reminiszenz an den Darsteller des legendären Monaco-Franze-Cops Manni Kopfeck Obermayr heißt, könnte man als Teil der ZDF-Schmunzel-Strategie verstehen.

Beim ZDF hofft man mit all der Heiterkeit, vor allem das jüngere Publikum anzusprechen, ganz ähnlich wie die Kollegen von der ARD, die seit einiger Zeit mit ziemlich fröhlichen Regionalkrimis ihre Quoten am frühen Abend aufbessern wollen - was bislang eher mittelmäßig gelang. Redakteur Frick-Königsmann jedenfalls findet, das ZDF müsse natürlich jünger werden und nicht älter wie zuletzt. 7,7 Prozent der Zuschauer von Rosenheim-Cops sind unter 50 ("Das ist für ZDF-Verhältnisse sehr jung"). Helfen soll ein junges Team um Hauptkommissar Anton Wölk (Thomas Unger) und seine Gattin, Staatsanwältin Claudia (Franziska Schlattner). Von 10. Oktober an versucht das ZDF mittwochs um 19.25 Uhr, ob auch dieser Spinoff sein Publikum findet.

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