US-Medienkrieg Wer hat Angst vorm Fox-News-Mann?

Der Nachrichten-Ticker an der Fassade der Fox-News-Zentrale in New York

(Foto: REUTERS)
  • Von Juni an wollen sich die demokratischen Bewerber für die US-Präsidentschaft in zwölf TV-Debatten den Wählern präsentieren.
  • Der Sender Fox-News soll diesmal allerdings keine Debatte veranstalten.
  • Als Grund für die Absage nennen die Demokraten einen New-Yorker-Artikel über die enge Verbindung zwischen dem Sender und Donald Trump.
Von Hubert Wetzel

Der Spott ließ nicht lange auf sich warten. "Wer sich vor Shep Smith fürchtet, der sollte vielleicht lieber nicht Präsident werden", ätzte am Donnerstag Jack Shafer, der Medienkolumnist der Zeitschrift Politico. Das war Shep Smith gegenüber nicht sehr nett, der ein grundsolider, vernünftiger Journalist ist, auch wenn er für den rechtskonservativen Sender Fox News arbeitet. Vor allem aber war es ein Hieb zwischen die Augen für die Demokraten, die am Tag zuvor verkündet hatten, keine ihrer zwölf Kandidatendebatten von Fox News veranstalten zu lassen. Die Antwort aus der Branche war recht einhellig: Angsthasen!

Aber der Reihe nach: Alle vier Jahre wählen die Amerikaner ihren Präsidenten. Seit Jahrzehnten ist es Usus, dass der demokratische und der republikanische Kandidat sich zuvor in Fernsehdebatten duellieren, die von den großen Sendern veranstaltet und von deren wichtigsten Journalisten moderiert werden. Weil die Zuschauerzahlen dabei enorm sind und die Parteien auf diese Weise kostenlose Fernsehzeit bekommen, wurde das Format erweitert. Inzwischen werden auch die parteiinternen Vorwahldebatten übertragen, also jene Streitgespräche, in denen sich die Präsidentschaftsbewerber einer Partei beharken, bevor es dann in die Hauptwahl gegen die andere Partei zur Sache geht.

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Bei den Demokraten ist dieser Vorwahlkampf derzeit besonders interessant. Es gibt mindestens ein halbes Dutzend ernsthafter Bewerber und Bewerberinnen, die Präsidentschaftskandidat werden und nächstes Jahr gegen den Republikaner Donald Trump antreten wollen. Von Juni an wollen sich diese Bewerber in zwölf TV-Debatten den Wählern präsentieren - allerdings nicht allen. Fox News werde keine Debatte veranstalten dürfen, entschied das Democratic National Committee (DNC), die Parteizentrale in Washington.

Nun hat jede Partei das Recht, sich auszusuchen, welche Sender als Gastgeber für ihre Debatten fungieren dürfen. Und mit Fox News fremdeln die Demokraten schon lange. Dass ihre Kandidaten dort nicht debattieren, ist eigentlich die Regel. Und es ist verständlich. Fox News wurde 1996 von Rupert Murdoch als konservatives Gegenstück zu CNN gegründet, inzwischen sind viele Shows jedoch regelrechte Propagandasendungen für Trump. Fox-Moderatoren wie Sean Hannity, Lou Dobbs, Tucker Carlson und Laura Ingraham verteidigen den Präsidenten bedingungslos.

Erst vor ein paar Tagen legte der New Yorker in einer großen Geschichte dar, wie eng die Beziehung zwischen Fox News und Trump ist. So soll der Sender 2016 die Geschichte über Trumps Schweigegeldzahlungen an die Pornodarstellerin Stormy Daniels begraben haben, um dessen Kandidatur nicht zu gefährden. Diesen Artikel nannte das DNC nun auch als Grund für die Absage an Fox. Das war seltsam, denn dass Fox Trump hofiert, weiß man nicht erst, seit der New Yorker es geschrieben hat.

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An diesem Punkt allerdings kommt wieder Shep Smith ins Spiel. Er war einer der Journalisten, die Fox dem DNC als möglichen Gastgeber für eine Kandidatendebatte vorgeschlagen hatte. Und Smith gehört eben nicht zu den verbissenen Trump-Apologeten, die überall linksradikale Verschwörungen gegen Amerika wittern. Im Gegenteil: Smith ist, wie auch die anderen Moderatoren und Moderatorinnen, die Fox den Demokraten angeboten hatte, ein normaler, gemäßigt konservativer Journalist. Die demokratischen Kandidaten hätten von ihm vermutlich solide, wenn auch nicht liebedienerische Fragen bekommen. Insofern hat der Kommentator Jack Shafer schon recht: Wer Angst hat, sich Shep Smith zu stellen, ist für das Amt des Präsidenten der USA vielleicht ungeeignet.

Zumal der Fox-Boykott auch eine verpasste politische Chance ist. Zwar schauen wohl nicht viele demokratische Parteianhänger, die in den Vorwahlen über ihren Präsidentschaftskandidaten abstimmen, den rechten Sender. Das Publikum, das die Bewerber dort erreichen, ist ihnen überwiegend feindlich gesonnen. Aber ein Auftritt bei Fox wäre eine Gelegenheit gewesen, um zu zeigen, dass die Partei alle Amerikaner ernst nimmt und anspricht, nicht nur jene Bürger, die NBC, CNN oder ABC schauen und von denen die Demokraten annehmen, dass sie ihre Meinungen teilen.

Donald Trump wäre natürlich nicht Donald Trump, hätte er sich nicht sofort auf Twitter in die Debatte eingemischt. Wenn die Demokraten Fox News schnitten, dann werde er vielleicht später bei den Debatten vor der Hauptwahl die "Fake News Networks" boykottieren, kündigte er an. Damit meint er vor allem CNN und den linksliberalen Kabelsender MSNBC. Muss man das ernst nehmen? Eher nicht. Trump ist viel zu sehr Fernsehprofi, um sich einen mehrstündigen, landesweit ausgestrahlten Gratis-Auftritt zur besten Sendezeit entgehen zu lassen.

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