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Expansion von Fox News:Ausweitung der Kampfzone

"Wir wollen sicherstellen, dass unsere Zuschauer weltweit ihre vertrauenswürdige Quelle für Nachrichten und hintergründige Analyse sehen können" - Fox-News-Chefin Suzanne Scott.

(Foto: Fox News)

Der Nachrichtensender Fox News Media expandiert im großen Stil - auch nach Deutschland. Das hat wirtschaftliche Gründe. Und politische.

Von Jürgen Schmieder

Wer wissen will, warum der Medienkonzern Fox News Media mit mehreren TV-Sendern als Streamingportal in die Länder Mexiko, Spanien, Großbritannien und Deutschland expandiert, der sollte sich noch einmal das Interview anhören, das US-Präsident Donald Trump kürzlich der Station Fox Sports Radio gegeben hat. Es ging um China, ums Niederknien während der Nationalhymne, gesellschaftliches Engagement von Sportlern der Basketballliga NBA und endete mit den Worten: "Die NBA ist in großen Schwierigkeiten."

Unabhängig von den abgespulten Hits aus Trumps Buch der Halbwahrheiten - eines daran ist richtig: Die Zahl der Zuschauer ist im Gegensatz zur Vorsaison ernüchternd gesunken. Die NBA-Playoffs der Vorsaison fanden im Frühling statt, die aktuelle ist wegen der Coronavirus-Pandemie in den Sommer verschoben worden. Die NBA ist in Schwierigkeiten, aber nicht wegen des Kulturkampfes, der sich dort angeblich abspielt. Die Leute sehen einfach weniger auf klassische Art fern. Einer Studie der Analysefirma Nielsen zufolge macht Streaming mittlerweile 25 Prozent der TV-Nutzung aus, vor einem halben Jahr waren es noch 19 Prozent gewesen. Man könnte eher sagen: Das lineare TV ist in großen Schwierigkeiten.

Das ist der Hintergrund, vor dem der Konzern nun expandiert.

Fox News Media ist eine Sparte von Fox Corporation, jenem Rest des Medien-Imperiums von Rupert Murdoch, den Disney im März 2019 für 71,3 Milliarden Dollar übernommen hat. Der rechtskonservative Nachrichtensender Fox News versorgt die Trump-Anhänger mit Meinung, die hin und wieder sogar auf Fakten basiert; zur besten Sendezeit schafft Fox News durchschnittlich 3,29 Millionen Zuschauer und liegt damit deutlich vor den Konkurrenten MSNBC (2,04) und CNN (1,34).

Bis zum Ende des Jahres sollen es 20 Länder sein. Das Abo kostet sieben Euro im Monat

Seit vergangener Woche sind nun Inhalte von Fox News und Fox Business auf dem Streamingportal Fox News International in Mexiko zu sehen, am 17. September werden Spanien, Großbritannien und Deutschland folgen, bis zum Ende des Jahres sollen es 20 Länder sein. Das Abo kostet sieben Dollar im Monat, die Leute haben dann nicht nur auf TV-Geräten Zugang zu Inhalten wie "Hannity", "Lou Dobbs Tonight" oder "Wall Street", sondern auch auf Mobilgeräten. "Wir wollen sicherstellen, dass unsere Zuschauer weltweit ihre vertrauenswürdige Quelle für Nachrichten und hintergründige Analyse sehen können", sagt Fox-News-Media-Chefin Suzanne Scott: "Wir wollen nicht, dass unsere treuen Zuschauer irgendwas verpassen."

Am 3. November ist Präsidentschaftswahl. Gewinnt Trump, dürfte Fox News noch mehr Haus-und-Hof-Sender des Präsidenten werden, der dann den Kanal noch stärker vereinnahmen dürfte. Gewinnt Joe Biden, dann wird die Sendergruppe umschalten in den Attacke-Modus. Es heißt, dass Trump dann seine Rolle als Wüterich meistbietend an einen TV-Sender versteigern dürfte. Derzeit favorisiert Trump den Sender One America News Network, eine Art Fox News mit noch weniger Skrupel und Fakten, dafür noch angriffslustiger und verschwörungstheoretischer. Es ist keineswegs gesichert, dass Fox News bei den Trump-Anhängern im linearen TV die Nummer eins bleibt.

Man kann die Expansion also auch so sehen, dass Scott nicht will, dass Fox Corporation irgendwas verpasst.

Streaming funktioniert weltweit, das haben Netflix und Amazon bewiesen, und zahlreiche US-Portale planen derzeit die Expansion ins Ausland: Disney zum Beispiel will das bereits sehr erfolgreiche Portal Disney Plus (mehr als 60 Millionen Abonnenten seit dem Start im November vergangenen Jahres) nach Europa bringen und so die Abo-Zahl bis 2024 auf 90 Millionen anheben. ViacomCBS will die Plattform CBS All Access erst einmal in Lateinamerika und Australien testen und dann über Skandinavien nach Europa bringen.

Es ist finanziell heute lohnenswerter, ein Streamingportal aufzusetzen als einen TV-Kanal zu starten, Fox Corporation hat dafür Ende April den Streamingservice AVOD OTT Tubi für 490 Millionen Dollar gekauft. Es gibt derzeit auch keine Lizenzprobleme, die Rechte an den 20 Sendungen, die verbreitet werden sollen, gehören Fox News Media, und zunächst ist nur geplant, diese Inhalte auch international verfügbar zu machen. Es entstehen also keine zusätzlichen Kosten für Produktionen in den jeweiligen Ländern.

Fox News Media möchte nun auch dort die rechtskonservative Nische besetzen, zunächst aber nur mit Inhalten aus den USA.

Das kann sich ändern. Und was das dann für das Nachrichtengeschäft bedeuten würde, das zeigt das berühmteste Zitat des langjährigen und berüchtigten Fox-News-Chefs Roger Ailes: "Wahrheit ist das, was die Leute glauben."

© SZ/tyc

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