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US-Nachrichtensender Fox News:Trumps Lieblingssender macht plötzlich Journalismus

Americans Watch As Results Come In On Election Day

Trump-Anhänger verfolgen die Wahlnacht auf Fox-News.

(Foto: RICARDO ARDUENGO/AFP)

Lange war Fox News für seine Treue zum Präsidenten bekannt - in der Wahlnacht berichtet es nahezu objektiv. Im Weißen Haus ist der Zorn groß.

Von Kathleen Hildebrand

Am Morgen des Wahltags stellte Donald Trump sich in der Sendung "Fox & Friends", also im Frühstücksfernsehen des Nachrichtensenders Fox News selbst eine Frage: "Was ist der größte Unterschied zwischen heute und heute vor vier Jahren? Ich sage: Fox." Der Sender, sagte er, habe sich "sehr verändert".

Was ihn aktuell geärgert hatte, war, dass Fox eine Wahlkampfrede von Barack Obama gezeigt hatte, in der Obama Trump der Verantwortungslosigkeit im Umgang mit dem Coronavirus bezichtigt. "Fox & Friends"-Moderator Brian Kilmeade sprang prompt zur Ehrenrettung seines Sender: "Anders als andere Sender versuchen wir bei Fox beide Seiten zu zeigen."

In der Wahlnacht zeigte sich: Der Sender beschäftigt durchaus Journalisten

Und genau das ist natürlich das Problem. Für Trump, wie für seine Anhänger. In der Wahlnacht hat Fox News gezeigt, dass es durchaus Journalisten beschäftigt, also Leute, die Objektivität zumindest anstreben. Die Berichterstattung über die Stimmauszählung war zwar rot eingefärbt, sie geschah ganz offensichtlich aus der Perspektive von Trump-Wählern: Moderator Bill Hemmer zeigte auf seiner USA-Karte eher die Wahlbezirke, die an die Republikaner fielen. Er rechnete aus, mit einem Sieg in welchen Staaten Trump zu einer zweiten Amtszeit kommen könnte.

Aber tendenziös, das ist auch CNN. Fox News hielt sich in der Wahlnacht auffällig an die Grundregeln journalistischer Arbeit. Sogar eine mächtige Funktionärin der demokratischen Partei, Donna Brazile, war für Live-Kommentare zugeschaltet. Die Moderatoren sprachen mit Wählern von Demokraten und Republikanern.

Außerdem erklärte Fox als erster und bislang einziger Sender, dass der wichtige Bundesstaat Arizona an Joe Biden gefallen sei. Trumps Team war erbost. Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn und Berater, kontaktierte den Fox-Besitzer Rupert Murdoch, wie die New York Times berichtete, laut Vanity Fair war es sogar Trump selber. Am Mittwochmorgen behauptete Trumps Wahlkampfleiter Bill Stepien, dass der Präsident in Arizona mit 30 000 Stimmen Vorsprung gewinnen würde.

Für den Sender, der lange als Trumps Lieblingssender galt, war diese Wahlnacht erstaunlich. Fox News ist die Heimat von Trumps engagiertesten Verteidigern, den rechtspopulistischen Kommentatoren Sean Hannity, Laura Ingraham und Tucker Carlson. Noch vor der Wahl hatten Beobachter der US-Medienlandschaft befürchtet, dass Fox News bei einem unsicheren Wahlausgang einfach Trump zum Sieger ausrufen könnte. Das hätte zu Unruhen führen können - der Sender ist der meistgesehene Nachrichtensender der USA.

Mehr als 14 Millionen Zuschauer verfolgten die Wahl auf Fox - eine Rekordquote

Doch es kam ganz anders: Wer in der Wahlnacht Fox News schaute und parallel die Diskussion zum Programm auf Twitter verfolgte, sah, dass dort Hashtags wie #FoxNewsisDead geteilt wurden - Fox News sei "tot", zumindest sei es kein konservativer Sender mehr. Zuschauer empfahlen einander andere, "bessere" Sender einzuschalten, zum Beispiel extrem konservative Fox-Konkurrenten wie Newsmax, Blaze TV und OAN. Messbar geschadet hat das Fox bislang nicht. In der Wahlnacht hatte der Sender in der Hauptsendezeit mit 14,1 Millionen Zuschauern eine Rekordquote. CNN schalteten neun Millionen ein.

Zwischen Fox und Trump kriselt es schon länger.Im Vorfeld der Wahl führte Chris Wallace, ein seriöser Politjournalist, ein sehr kritisches Trump-Interview, das Aufsehen erregte. Außerdem hat sich der Graben im Sender zwischen den Nachrichten-Journalisten und den bedingungslos Trump-treuen Kommentatoren vertieft. Der Moderator Shepard Smith, hat deshalb Ende 2019 vor laufender Kamera gekündigt. Trump hatte sich bei Twitter wiederholt über ihn beschwert. Im Vorfeld einer Wahl, die allen Prognosen zufolge von den Demokraten gewonnen werden würde, mag es sein, dass die echten Journalisten hier und da die Oberhand gewonnen haben.

Trotzdem: Auf seine treuen Kommentatoren kann Trump auch jetzt noch zählen. Sie unterstützen ihn in seiner Wahlbetrugs-Behauptung. Es sei "eine Schande", dass in Pennsylvania immer noch Stimmen ausgezählt würden, sagte Sean Hannity in seiner Sendung auf Fox News: "Jeder Amerikaner sollte wütend sein."

© SZ/jbb/khil
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