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Forderungen an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk:Das Profil muss schärfer werden

INTERNATIONALER FRÜHSCHOPPEN

Fritz Pleitgen: "Die aktuelle Debatte ist eine Chance."

(Foto: OBS)

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat der Bundesrepublik gut getan. Er ist auch in Zukunft vonnöten. Wer mal im Urlaub allein vom kommerziellen Rundfunk abhängig war, weiß warum. Die Umstellung auf den Beitrag war ein mutiger Schritt. Gleichen Mut wünschte ich mir beim Programm. Statt sich wegen des neuen Finanzierungssystems unentwegt abwatschen zu lassen, sollte mit Programm-Ideen in die Offensive gegangen werden. Dabei muss die Mannschaft nicht nur auf die Führung schauen, sondern selbst mobil machen. Harakiri ist nicht nötig, aber eigene Stärken dürfen schon ausgespielt werden.

Welche Klasse die ARD in der Dokumentation zu bieten hat, demonstrierte sie mit der Story über Amazon. Daraus sollte ein Markenzeichen des Ersten nach 20.15 Uhr werden. Auch aus dem opulenten Korrespondentennetz ist mehr zu machen, etwa Weltnachrichten auf Phoenix. Wie wär's mit Titel Thesen Temperamente und vier Top-Kulturereignissen im Hauptabendprogramm? Nur ein Beispiel! Es bringt keine Rekordquoten, aber Profil. Und die Talkshows? Eine Schlankheitskur würde das Angebot erheblich attraktiver machen. Die aktuelle Debatte ist eine Chance. Sie sollte genutzt werden, um das Programm zu stärken.

Fritz Pleitgen, 74, war bis 2007 zwölf Jahre lang Intendant des WDR und von 2001 bis 2003 Vorsitzender der ARD. Fast 300 Mal moderierte er den Presseclub.