Forderungen an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk Kippt die Quote

Ich verstehe nicht, warum in einem hochsubventionierten System die Zuschauerquote der Maßstab allen Handelns ist. Der Sinn von Subventionen ist doch, dass damit Dinge finanziert werden, die sich vielleicht nicht rechnen, die aber wichtig und anregend, hoffentlich unterhaltsam und eben nicht zuerst mehrheitsfähig sind.

Matthias Brandt: "Marktforschung: eine Pseudowissenschaft, an deren Ende ein virtueller Zuschauer steht, den es gar nicht gibt."

(Foto: dpa)

Stattdessen soll so vieles eine vermeintliche Publikumserwartung erfüllen. Die wird von der Marktforschung bestimmt, einer Pseudowissenschaft, an deren Ende ein virtueller Zuschauer steht, den es gar nicht gibt. Sich daran zu orientieren, kann nur Mittelmaß erzeugen, weil der Maßstab der kleinste gemeinsame Nenner ist. Was bei uns interessanterweise oft zu ganztägigem und -abendlichem Kinderfernsehen führt. Stimmt nicht? Na, frag doch mal die Maus! Die von vielen deutschen Fernsehhassern so gelobten neuen amerikanischen Serien zeichnen sich übrigens nicht zuletzt dadurch aus, dass sie das Gegenteil hiervon sind: intelligentes, herausforderndes Erwachsenenfernsehen. Woher kommt bei uns die alles bestimmende Angst, etwas falsch zu machen?

Es gibt übrigens nicht die Öffentlich-Rechtlichen. Begreift man sie in seiner Kritik als homogenes Gebilde, tut man vielen Leuten Unrecht, die ihrer Aufgabe und ihrem Auftrag mehr als gerecht werden. Wie ich mir das Fernsehen wünsche? Oliver Storz, ein großer Fernsehmann, sagte mal: "Wir dürfen den Zuschauer nicht betrügen, auch wenn er betrogen werden will."

Matthias Brandt, 51, ist Theater- und Filmschauspieler und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. In der ARD ermittelt er im bayerischen Polizeiruf.